NATO-Vertrag

„Air Defender 23“: Verteidigungsfall nach Artikel 5 – dieses Szenario übt die Luftwaffe

  • Josefine Lenz
    VonJosefine Lenz
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Mitte Juni findet in Deutschland eine der größten Luftoperation aller Zeiten statt. Es wird ein Verteidigungsfall nach Artikel 5 des Nato-Vertrags geübt – doch was bedeutet das überhaupt?

Sie ist die größte Übung der Luftstreitkräfte seit Bestehen der NATO: Die „Air Defender 23“ – vom 12. bis zum 23. Juni trainieren rund 10.000 Soldaten aus 25 Nationen eine Luftoperation im europäischen Raum. Ein Großteil spielt sich in Deutschland ab, weshalb auch der Flugverkehr von der „Air Defender“-Übung betroffen ist.

„Das Ziel ist es, Luftoperationen mit verbündeten Luftstreitkräften zu üben. Dabei stehen die Optimierung und Ausweitung der Kooperation der teilnehmenden Nationen im Mittelpunkt“, informiert die Bundeswehr. Das Ganze wird einem Nato-Artikel-5-Szenario nachempfunden. Doch was bedeutet das genau?

„Air Defender 2023“: Verteidigungsfall nach Artikel-5 im Nato-Vertrag – was bedeutet das?

Das Militär-Beispiel spielt in einem fiktiven Jahr in Deutschland. Die Energieressourcen sind knapp, die Bevölkerung erschöpft von Corona und Inflation. Zu diesem Zeitpunkt wird der Osten Deutschlands von einem Militärbündnis besetzt. Bei der „Air Defender 23“-Übung kommt das feindliche Bündnis aus dem Osten und besteht aus vier Staaten. Nachdem ein Teil der Bundesrepublik besetzt ist, versucht die „OCCASUS-Allianz“ (so der beispielhafte Name des gegnerischen Militärbündnisses) Richtung Nord- und Ostsee vorzudringen.

Der Transportflieger A400M der Bundeswehr steht auf dem Gelände des Taktischen Luftwaffengeschwaders 73 „Steinhoff“.

Um dies zu verhindern, muss der Westen zusammenarbeiten – und greift damit auf Artikel 5 des Nato-Vertrags zurück. „Kern der Bündnissolidarität ist die kollektive Verteidigung. Nach Artikel 5 des NATO-Vertrages wird ein Angriff auf einen Verbündeten als Angriff auf alle Bündnispartner betrachtet“, heißt es vom Bundesministerium der Verteidigung.

„Air Defender 2023“: Fiktiver Verteidigungsfall wird geübt

Durch die „Air Defender 23“-Übung soll die „militärische Reaktions- und Handlungsfähigkeit in der Luft belastbar“ erprobt werden. Auch soll nachgestellt werden, wie die Bevölkerung vor Mittelstreckenraketen geschützt werden kann. Geübt wird vor allem in drei Flugkorridoren über Deutschland sowie der Nord- und der Ostsee. Im östlichen Übungsraum liegt die fiktive Region Kleibus, die im Szenario von der OCCASUS-Allianz besetzt ist. 

„Air Defender 2023“ ist die größte Militärübung in der Geschichte der Nato.

„Jede Übung benötigt ein fiktives Szenario, um anhand dessen realitätsnah militärische Einsätze zu trainieren. Die fiktiven geopolitischen Szenarien dienen den Operationsplanern dann als Grundlage dafür, die einzelnen militärische Übungsmissionen, die Teil der Gesamtübung sind, im Detail auszuplanen“, heißt es in einem Bericht der Bundeswehr.

Rubriklistenbild: © Markus Scholz/dpa