Derzeit gebe es in Baden-Württemberg 15 Clubs

Nach Ansturm auf Cannabis-Clubs in Baden-Württemberg – Aufnahmestopp für neue Mitglieder

  • Julia Cuprakowa
    VonJulia Cuprakowa
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Kaum sind die Pläne zur Legalisierung von Cannabis bekannt, müssen die Cannabis Social Clubs Mitgliederanfragen ablehnen. Die Clubs sprießen aus dem Boden und platzen aus allen Nähten.

Schon vor der offiziellen Legalisierung von Cannabis in Deutschland haben sich die ersten Cannabis Social Clubs (CSC) gegründet, der Andrang ist bundesweit enorm – so auch in Heilbronn. Einige nehmen deshalb bereits keine Mitglieder mehr auf – so auch in Baden-Württemberg. „Seit der Ankündigung von Gesundheitsminister Karl Lauterbach im April, dass sich in Sachen Cannabislegalisierung etwas tun wird, wurden wir mit Mitgliedsanträgen überhäuft. Inzwischen haben wir beschlossen, keine neuen Mitglieder mehr aufzunehmen“, sagt der Vorsitzende des CSC Stuttgart, Julen Merino. Der Verein hat derzeit knapp 470 Mitglieder.

Cannabis-Clubs in Baden-Württemberg am Limit – Aufnahmestopp für neue Mitglieder

Nach Angaben des Dachverbandes der deutschen Cannabis Social Clubs (CSCD) sind die meisten CSCs in Baden-Württemberg sehr jung. „In der Regel lagen die Mitgliederzahlen im April im einstelligen oder niedrigen zweistelligen Bereich. Von einigen Clubs weiß ich, dass sie so viele Anfragen haben, dass es einen offiziellen Aufnahmestopp gibt“, sagt CSCD-Vorstand Steffen Geyer. Derzeit gebe es in Baden-Württemberg 15 Clubs, mit denen der deutsche Dachverband in Kontakt stehe. Auch Heilbronner Social Club bereitet sich auf Cannabis-Legalisierung vor, wie echo24.de bereits berichtete.

Laut Geyer beschränkt sich der aktuelle Gesetzentwurf für den Anbau auf relativ gut gesicherte, „befriedete Bereiche“. „Das können Gewächshäuser, Lagerhallen oder ähnliche Einrichtungen sein. Als Verband arbeiten wir daran, diese Regelungen der geringen Gefährlichkeit von Cannabis anzupassen und damit ökologisch und ökonomisch sinnvollere Anbauorte zu ermöglichen“, so Geyer. Rein biologisch seien dem Anbau kaum Grenzen gesetzt. Die Pflanze sei sehr genügsam und könne fast überall erfolgreich produziert werden, wie die „Deutsche Presse-Agentur“ berichtet.

Großes Interesse der Landwirte am Anbau von Cannabis

Bundesagrarminister Cem Özdemir (Grüne) sieht bei den Landwirten in Deutschland ein großes Interesse an der Legalisierung von Cannabis. „Viele Bäuerinnen und Bauern stehen in den Startlöchern, um Hanf anzubauen“, sagte der Grünen-Politiker in einem Medienbericht.

Die Sprecherin des Landesbauernverbandes in Stuttgart erklärte dazu: „Wenn es so umgesetzt wird, dass es für die Landwirte machbar ist, kann ich mir gut vorstellen, dass die Bauern das auch machen“. Allerdings wisse man noch nicht, wie die Bedingungen und Auflagen sein werden.

Gesetzentwurf sieht strenge Auflagen für Cannabis-Anbau vor – „Grundstücke müssen eingezäunt und gesichert werden“

Die Bundesregierung plant, Cannabis in gewissem Umfang zu legalisieren. Ein Gesetzentwurf sieht vor, dass der Besitz von bis zu 25 Gramm Cannabis für über 18-Jährige und der Anbau von bis zu drei Pflanzen für den Eigenbedarf grundsätzlich erlaubt sein soll. Einen freien Verkauf der Droge in Fachgeschäften, wie ursprünglich diskutiert, soll es jedoch nicht geben. Stattdessen soll Cannabis in sogenannten Cannabis-Clubs gemeinschaftlich angebaut und abgegeben werden dürfen.

Die Ampel plant mit einer Cannabis-Legalisierung eine drogenpolitische Kehrtwende.

Die Räumlichkeiten und Grundstücke von Cannabis-Clubs, in oder auf denen die Droge gelagert und angebaut wird, müssen umzäunt und gesichert sein, zum Beispiel mit einbruchsicheren Türen und Fenstern. Gewächshäuser benötigen einen Sichtschutz. Cannabis-Clubs müssen Sucht- und Präventionsbeauftragte benennen und sicherstellen, dass Grenzwerte für Pflanzenschutz- oder Düngemittelrückstände eingehalten werden.

Cannabis darf nur an Mitglieder abgegeben werden, maximal 50 Gramm pro Monat und nur in einer „neutralen Verpackung“, damit Jugendliche beim Anblick keinen „Konsumanreiz“ haben. Ein Beipackzettel mit Angaben zu Gewicht, Erntedatum, Mindesthaltbarkeitsdatum, Sorte und Wirkstoffgehalt soll verpflichtend sein.

Rubriklistenbild: © Sebastian Kahnert/dpa

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