Heftige Anschuldigung
„Schließungspläne auf keinen Fall hinnehmen“: Verdi verurteilt Galeria-Chefs scharf
VonTobias Beckerschließen
Galeria Karstadt Kaufhof macht 52 Filialen dicht, sechs davon in Baden-Württemberg. Dagegen will die Gewerkschaft Verdi ankämpfen – und greift die Mehrheits-Anteilseigner an.
52 Filialen in Deutschland werden geschlossen, sechs der 18 Warenhäuser in Baden-Württemberg, darunter auch ein Standort in Stuttgart. Über 5000 Menschen verlieren ihren Job. Galeria Karstadt Kaufhof macht dicht – zumindest zu einem großen Teil! Am Tag nach dem Schließungs-Schock meldet sich auch die Gewerkschaft Verdi zu Wort und zeigt sich kämpferisch.
Kaufhof-Filialen in Baden-Württemberg: Sechs Standorte machen dicht – Verdi entsetzt
Verdi Baden-Württemberg ist entsetzt, dass in Baden-Württemberg insgesamt sechs von achtzehn Galeria-Filialen geschlossen werden sollen. Dabei handelt es sich um die Filialen in Esslingen, Heidelberg (Bismarckplatz), Leonberg, Pforzheim, Reutlingen und Stuttgart (Eberhardstraße), wie echo24.de bereits berichtete. Der Standort Heilbronn bleibt zunächst bestehen. Betroffen sind an diesen Standorten ungefähr 500 Beschäftigte.
„Wir alle, von Politik über Gesellschaft bis zur Gewerkschaft, dürfen diese Schließungspläne auf keinen Fall hinnehmen“, erklärt Martin Gross, Verdi Landesbezirksleiter Baden-Württemberg – und sagt weiter: „Nachdem Tausende Beschäftigte seit Jahren auf erhebliche Gehaltsbestandteile verzichtet haben, sollen sie jetzt zum Dank dafür arbeitslos werden.“
Und Groß setzt noch einen drauf. Der Landesbezirksleiter von Verdi teilt mächtig aus: „Nachdem hunderte Millionen Euro an Steuergeldern in das Unternehmen gepumpt wurden, sollen etliche Innenstädte weiterveröden. Und dass am Ende ein verantwortungsloser Milliardär und Immobilienspekulant sich einen schlanken Fuß macht, ist ein Skandal.“
Galeria Kaufhof schließt Filialen: Verdi greift Besitzer an und zeigt sich kämpferisch
Verdi beschuldigt vor allem die Unternehmensleitung und Mehrheits-Anteilseigner, die für das Aus der 52 Kaufhof-Filialen verantwortlich sein sollen. Demnach werden als Gründe der aktuellen Notlage äußere Umstände, wie die „Pandemie, Energieverteuerung, Änderung des Kaufverhaltens der Konsumenten“, genannt. Doch das reicht der Gewerkschaft nicht, denn sie prangert an, dass die Galeria-Unternehmensleitung „es über Jahre nicht geschafft hat, ein zukunftsfähiges Geschäftskonzept für Galeria zu entwickeln“.
Die Lösungsansätze, durch Personalabbau Kosten zu senken, sei nach hinten losgegangen, da die Warenhäuser dadurch für Kunden immer unattraktiver wurden. Den Hammer packt Verdi auch in Bezug auf die Mehrheits-Anteilseigner aus und schreibt in einer Mitteilung: „Hinzu kommt, dass ihr Mehrheits-Anteilseigner, die österreichische Signa Holding – in Person René Benko als deren Gründer und Beiratsvorsitzender –, bis heute nicht glaubhaft machte, dass ein ernsthaftes Interesse an der Fortentwicklung von Galeria gegeben ist.“ Stattdessen habe nur ein wirtschaftliches Interesse an den mit Galeria Karstadt Kaufhof erworbenen Immobilien bestanden.
Doch auch wenn das Aus beschlossen zu sein scheint, will Verdi nicht aufgeben. „Zusammen mit den Betriebsräten der betroffenen Standorte werden wir um jede Filiale und um jeden Arbeitsplatz kämpfen“, sagt der Landesfachbereichsleiter Wolfgang Krüger. Zusätzlich will man auch mit den Kommunen der Standorte sowie dem Wirtschaftsministerium sprechen. Bei der letzten Insolvenz vor rund drei Jahren habe man noch Standorte retten können.
Rubriklistenbild: © Thomas Banneyer/dpa

