Tarifstreit ein Konflikt
Über 600 Stunden Bahnstreik in Baden-Württemberg: „Brauchen sofort eine Lösung“
VonJuliane Reyleschließen
Besonders Pendler treffen die Streiks hart. Der Tarifstreit zwischen dem Bahnunternehmen und der Lokführergesellschaft zieht sich bereits über Monate – mehr als 600 Stunden wurde gestreikt. Ein Vermittler soll jetzt die Lösung finden.
Nach monatelangem Hin und Her mit zahlreichen Streiks im Tarifkonflikt zwischen der Lokführergesellschaft GDL und der SWEG, setzt das Bahnunternehmen nun auf einen Vermittler. Immer wieder waren durch Arbeitsniederlegungen Zugverbindungen kurzfristig ausgefallen. Eine zuverlässige Planung für Reisende und Pendler? Nicht möglich.
Das soll sich nun ändern. SWEG-Chef Tobias Harms sagt am Donnerstag in Stuttgart: „Gleiches erwarten wir aber auch von der GDL.“ Das Format eines Vermittlungsverfahrens könne nur dann funktionieren, wenn beide Parteien ernsthaft bereit seien sich zu bewegen und somit Kompromisse einzugehen.
Vermittler für den Streit zwischen GDL und SWEG bislang noch nicht bekannt
Wer als Vermittler für den Streit zwischen der SWEG und der GDL in Frage kommt, ist zunächst nicht bekannt. Doch als Voraussetzung für das Vermittlungsverfahren nennt Harms, dass die GDL während der Dauer auf Arbeitskampfmaßnahmen verzichtet.
Die SWEG spricht von Vermittlung und bewusst nicht von Schlichtung, weil beide Tarifvertragsparteien keine entsprechende Regelung über den formalen Ablauf eines solchen Verfahrens geschlossen haben. Der FDP-Verkehrspolitiker Christian Jung sagt: „Wir brauchen sofort eine Lösung. Die SWEG und die Lokführergewerkschaft GDL müssen bis zum Wochenende mit der Schlichtung starten.“
SWEG ist 600 Stunden bestreikt worden
Bislang sei das Bahnunternehmen mit seiner Tochter über 600 Stunden bestreikt worden, sagte Geschäftsführer Harms. Die Lokführergewerkschaft ruft seit vergangenem Spätsommer bei der SWEG und ihrem Tochterunternehmen SBS immer wieder zu kurzfristigen Arbeitsniederlegungen auf. Die Verbraucherzentrale hat aufgrund der zahlreichen Streiks inzwischen sogar Tipps für betroffene Bahreisende gegeben.
Hintergrund ist ein Tarifkonflikt, in dem die GDL künftig nicht nur für die frühere Abellio Rail Baden-Württemberg (heute SBS), sondern für den gesamten SWEG-Konzern einen Tarifvertrag für die mehr als 500 Eisenbahner aushandeln möchte. Insgesamt zählt der Konzern 1800 Beschäftigte. Die SWEG lehnt das ab und will die SBS auch nicht dauerhaft übernehmen. Die Abellio-Tochter war Ende 2021 in finanzielle Schieflage geraten. Die SWEG hatte das Unternehmen daraufhin für zunächst zwei Jahre übernommen.
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