Es geht um einen Tag in der Woche
„Jeder muss Wahlfreiheit haben“ – Streit um Veggie-Tag in Pflegeeinrichtungen
VonAnna-Maureen Bremerschließen
Einen Tag in der Woche kein Fleisch essen? Die Speiseplan-Initiative eines großen Heimbetreibers in Baden-Württemberg schlägt hohe Wellen. Patientenschützer äußern sich.
Immer mehr Menschen verzichten ganz auf den Konsum von Fleisch. Manche gehen sogar einen Schritt weiter und essen überhaupt nichts mehr, das tierische Produkte enthält (vegane Ernährung). Aber ein Mal pro Woche nur vegetarische Kost für Pflegebedürftige? Das scheint für Debatten zu sorgen.
Wie die „Deutsche Presse-Agentur“ schreibt, sind Patientenschützer gegen die Speiseplan-Initiative von einem der größten Heimbetreiber Baden-Württembergs. „Aus Sicht der Betroffenen ist es eine Unverschämtheit“, sagte Sabine Hindrichs, Regionalbeauftragte der Bundesinteressenvertretung für alte und pflegebetroffene Menschen (Biva). Unter dem Motto „Grüner Mittwoch“ verzichten die Küchen für die Pflegeeinrichtungen der Evangelischen Heimstiftung an einem Tag in der Woche auf Fleisch. Die Heimstiftung betreut rund 14.000 Menschen in landesweit 171 Einrichtungen.
„Grüner Mittwoch“ in Pflegeeinrichtungen: Expertin sieht andere Probleme in der Langzeitpflege
Mit der Aktion will der Pflegedienstleister sich unter anderem für Nachhaltigkeit, Gesundheit und Tierwohl einsetzen. Hindrichs betonte dagegen, dass die Langzeitpflege mit ihrer katastrophalen Infrastruktur und desaströsen finanziellen Lage sowie dem massiven Fachkräftemangel ganz andere Probleme hätte. Auch wenn Klimaschutz und Nachhaltigkeit wichtig seien, sei dies aktuell kein Thema für die Pflegebranche.
Außerdem werde Hindrichs zufolge die Selbstbestimmung von pflegebedürftigen Menschen erheblich missachtet. „Jeder muss doch eine Wahlfreiheit haben“, forderte sie. Zwar lässt die Heimstiftung am „Grünen Mittwoch“ auch Ausnahmen zu: „Wenn jemand unbedingt seinen Aufschnitt abends haben will, dann machen wir das selbstverständlich möglich“, teilte Hauptgeschäftsführer Bernhard Schneider mit.
Laut Hindrichs schlucken aber viele das „bittere Salatblatt“, weil sie froh sind, überhaupt einen Heimplatz zu haben. Außerdem sei es für viele Pflegebedürftige eine zu hohe Hürde, beim Speiseplan extra aktiv werden zu müssen, bemerkte Hindrichs.
