Academy-Fahrschulen klären auf
Coronavirus-Lockerung: So sieht der Fahrschul-Alltag ab Montag in der Region Heilbronn aus
VonOlaf Kubasikschließen
Die Fahrschulen im Raum Heilbronn stehen wegen der Corona-Vorschriften vor einer Herausforderung.
- Coronavirus in Baden-Württemberg: Ab Montag gibt es weitere Lockerungen.
- Fahrschulen dürfen unter strengen Corona-Auflagen wieder öffnen.
- Die größte Fahrschule im Raum Heilbronn erklärt die Herausforderungen dabei.
Coronavirus Heilbronn: Vor diesen Herausforderungen stehen Fahrschulen
Seit 17. März sind die Fahrschulen in Baden-Württemberg geschlossen. Wegen der Coronavirus-Pandemie. Die Folge für die Branche: "gravierende existenzgefährdende finanzielle Einbußen", wie der Fahrlehrerverband Baden-Württemberg mitteilt. Das Verkehrsministerium stellt daraufhin den Fahrschulen zunächst einen stufenweisen Einstieg als Lockerung in Aussicht. Etwas später heißt es dann aber von gleicher Stelle, dass ab Montag, 11. Mai, eine umfängliche Öffnung möglich ist. Allerdings unter strengen Corona-Auflagen.
Bei Kai Sellers und Konrad Hoffmann sorgt diese Nachricht für große Erleichterung. Die beiden sind geschäftsführende Gesellschafter von Academy, der größten Fahrschule in der Region Heilbronn. Mit Standorten in Heilbronn, Heilbronn-Neckargartach, Heilbronn-Böckingen, Obersulm, Brackenheim und Öhringen - sowie 48 Mitarbeitern. Hoffmann erklärt: "Wir hingen zwei Monate in der Luft - ohne Umsatz, aber bei vollen Kosten."
Coronavirus: Große Herausforderung auch für Fahrschulen im Raum Heilbronn
Die sofort beantragte Soforthilfe ist zwar schnell bei Academy mit Hauptsitz in Heilbronn eingegangen, aber letztendlich bei der Gesamtgröße der Fahrschule für den hohlen Zahn. Sellers: "Aufgrund unserer Rücklagen haben wir es dennoch geschafft, 95 Prozent aller entstandenen Kosten zu decken." Eine stolze Leistung, wenn man bedenkt, dass bundesweit 30 Prozent der Fahrschulen aufgrund der Corona-Krise vor der Insolvenz standen.
Am Montag, 11. Mai, geht es nun wieder los bei der Fahrschule Academy. Und zwar "für rund 900 Schüler, die am aktiven Fahren waren und unterbrochen worden sind, sowie für Neuanmeldungen. Kai Sellers, Konrad Hoffmann und ihr Team stellt die Corona-Lockerung vor eine große Herausforderung. Sascha Bernhardt, verantwortlicher Leiter Truck & Bus bei Academy, erklärt dennoch: "Wir haben sofort mit der Schließung am 17. März mit unseren Hausaufgaben begonnen und sie alle gemacht."
Coronavirus-Schutz: Fahrschulen müssen viele Hygiene-Vorschriften erfüllen
Die Sicherheitsmaßnahmen sind an allen Academy-Standorten erfüllt. Heißt: Schutzscheiben an den Empfängen angebracht, ebenso Handdesinfektionsspender - je nach Größe des Standorts entweder zwei oder drei. Das größte Problem stellt die Wahrung des Mindestabstands von 1,5 Metern in manchen Unterrichtsräumen der Fahrschule dar. Doch auch da bahnt sich bei den Massen an Academy-Fahrschülern eine Lösung an, wie Konrad Hoffmann berichtet: "Wir sind gerade dabei, größere Räumlichkeiten anzumieten, um morgens, mittags und abends bestens theoretisch ausbilden zu können."
Zur Einhaltung der Hygiene-Vorschriften im Fahrzeug, die ebenfalls für Busse und Stadtbahnen gelten, stehen 250 Liter Flächendesinfektionsmittel bereit. Damit müssen die Fahrlehrer nach jeder praktischen Unterrichtsstunde Lenkrad, Schaltung, Blinker und Co. desinfizieren. Neu ist auch, dass die Nachbesprechung der 90-minütigen Fahrstunde NICHT MEHR im Fahrzeug stattfindet. Fahrlehrer Sascha Bernhardt: "Das machen wir fortan im Freien, während das Fahrzeug bei geöffneten Türen durchgelüftet wird."
Coronavirus-Lockerung für Fahrschulen: Maskenpflicht erfordert hohe Konzentration
Spannend wird es beim verordneten Tragen eines Mund-Nasen-Schutzes für Lehrer und Schüler während der Fahrstunde selbst. Sellers und Hoffmann haben dafür ihre mehr als 30 Fahrlehrer mit jeweils vier wiederverwendbaren Masken ausgestattet. Sellers: "Wenn Fahrschüler keinen eigenen Mundschutz haben, stellen wir ihnen Einweg-Masken zur Verfügung." Bei der Fahrstunde selbst ist dann aufgrund der Maskenpflicht höchste Konzentration angesagt. Hoffmann: "Wir müssen Pausen machen, immer genug zu trinken dabei haben - und aufgrund der Einschränkung durch die Maske ein besonders wachsames Auge auf die Fahrschüler haben."
Auch das Beispiel Fahrschule zeigt: Die Unternehmen in Baden-Württemberg kämpfen mit den teils heftigen Auswirkungen der Coronavirus-Pandemie. Nicht verwunderlich also, dass der baden-württembergische Ministerpräsident, Winfried Kretschmann, ein neues Coronavirus-Hilfspaket auf die Beine stellen will. Das geht aus einem Brief Kretschmanns an seine Kabinettsmitglieder hervor.
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