Große Kreisstadt
Neckarsulm im Landkreis Heilbronn ist ein wichtiger Wirtschaftsstandort
Neckarsulm ist Wirtschafts- und Weinregion zugleich – und die größte Stadt im Landkreis Heilbronn. Alle Informationen zu Geschichte, Freizeit und mehr.
- Neckarsulm ist, an der Einwohnerzahl gemessen, die größte Stadt im Landkreis Heilbronn.
- Seit der Industrialisierung ist Neckarsulm ein wichtiger Wirtschaftsstandort.
- Einrichtungen für Kultur und Sport bieten abwechslungsreiche Freizeitmöglichkeiten.
Neckarsulm, im Norden Baden-Württembergs gelegen, ist mit rund 26.300 Einwohnern die größte Stadt im Landkreis Heilbronn, verteilt auf drei Stadtteile: Amorbach, Dahenfeld, Obereisesheim. Ihre Kernstadt stellt mit der Nachbarstadt Heilbronn ein durchgehend bebautes Gebiet dar.
Von Nicht-Einheimischen wird Neckarsulm gerne als „Neckars-Ulm“ bezeichnet – fälschlicherweise. Die richtige Aussprache ist „Neckar-Sulm“, denn: Die Stadt verdankt den Namen ihrer Lage, nahe der Mündung von Sulm und Neckar. Bekannt ist die Stadt unter anderem für große Unternehmen wie Audi, Lidl und Kaufland.
| Name | Neckarsulm |
| Bundesland | Baden-Württemberg |
| Regierungsbezirk | Stuttgart |
| Fläche | 24,94 km2 |
| Einwohner | 26.431 (31. Dez. 2024) |
| Postleitzahl | 74172 |
Die Geschichte von Neckarsulm – älteste Funde aus der Jungsteinzeit
Der frühste schriftliche Nachweis über Neckarsulm stammt aus einer Schenkungsurkunde an das Kloster Lorsch aus dem Jahr 771 n. Chr. In dieser wird der Ort „villa sulmana“ erwähnt. Archäologen fanden jedoch Objekte aus der Jungsteinzeit (Mitte des 6. Jahrtausends v. Chr.) im heutigen Stadtbereich, die auf mehrere Siedlungskerne hindeuten.
Anfangs war der Ort Sulm im Besitz der Staufer, heißt es bei Wikipedia. Als Lehen ging der Ort an die Herren von Weinsberg, welche die Burganlage auf dem Scheuerberg errichteten - 1264 erstmals nachgewiesen.
Auch die Anfänge des Stadtschlosses sollen im 13. Jahrhundert liegen. Um 1300 erhielt Sulm das Stadt- und Marktrecht und die Stadt zu Sulme wurde 1318 erstmals in einer Urkunde erwähnt. 1335 wurden die Burg Scheuerberg, Sulm und weitere Ortschaften an das Erzstift Mainz verkauft. Diese verpfändeten den Ort um 1450 bis 1483 an die Herren von Sickingen.
Anschließend führte ein Tauschgeschäft dazu, dass Sulm dem Deutschen Ritterorden bis 1805 unterstand. Das Stadtwappen ist noch heute stark von dieser Herrschaft geprägt: ein schwarzes Kreuz auf weißem Grund.
Schwierige Zeiten für Neckarsulm – Kriege und Pest halten Einzug
1525 wurde die Burg auf dem Scheuerberg im Bauernkrieg zerstört, damals Verwaltungssitz des Deutschordensamtmanns. Ein Wiederaufbau fand nicht statt. Der Verwaltungssitz wurde in das Stadtschloss verlegt, welches zwar auch zerstört, aber wiederhergestellt worden war.
Die Stadt wurde während des Dreißigjährigen Krieges von 1618 bis 1648 mehrfach von Truppen besetzt und zweimal von der Pest geplagt. Während des 17. Jahrhunderts setze sich schließlich der heutige Name „Neckarsulm“ durch. Im Spanischen Erbfolgekrieg Anfang des 18. Jahrhunderts kam es in Neckarsulm wieder mehrfach zu Besetzungen. Durch die Napoleonischen Kriege wurde Neckarsulm 1805 Teil von Württemberg und 1807 zur württembergischen Oberamtsstadt ernannt.
Weinbau und Industrialisierung lässt Neckarsulm wachsen
Neckarsulm war vor der Industrialisierung sehr landwirtschaftlich geprägt mit vielen Weinbaugebieten. Durch den Anschluss an das Streckennetz der württembergischen Eisenbahn 1866 mit dem Bahnhof Neckarsulm wurde eine gute Voraussetzung für den Einzug der Industrie geschaffen. Hinzu kam die Anlegung des Neckarhafens 1870, welche den Weg für die Schifffahrt ebnete.
Der größte Treiber der industriellen Entwicklung war 1880 jedoch die Strickmaschinenfabrik von Christian Schmidt. Aus diesem Unternehmen entstanden die Neckarsulmer Fahrradwerke, später weltweit bekannt als NSU, wo Fahrräder, Motorräder sowie Autos produziert wurden. Heute kennen wir das Unternehmen als Weltkonzern Audi.
Neckarsulm und der Zweite Weltkrieg – Zerstörung und Wiederaufbau der Stadt
Das Obersamt Neckarsulm wurde während der NS-Zeit durch die Verwaltungsreformen 1938 aufgelöst und Teil des Landkreises Heilbronn. Ab 1940 stellten die beiden größten Fabriken, NSU und Karl Schmidt (Kolbenschmidt), verstärkt Rüstungsgüter her. Durch Luftangriffe amerikanischer Bomber am 01. März 1945 wurde ein Großteil der Neckarsulmer Innenstadt zerstört. Anfang April nahm die US-Armee Neckarsulm ein.
Nach Ende des Krieges wurde Neckarsulm Teil des neu gegründeten Landes Württemberg-Baden. Der Wiederaufbau erstrecke sich bis in die 50er Jahre. Der Stadtteil Amorbach entstand zwischen 1953 und 1955. Er sollte vor allem eine neue Heimat für Pendler und Vertriebene sein. Auch die Kernstadt wurde um weitere Wohngebiete erweitert, darunter Linkental, Neuberg und Ahornweg.
Neckarsulm als Gewerbemagnet: Audi, Bechtle, Lidl und Kaufland machen die Stadt zum Wirtschaftsstandort
Anfang der 70er Jahre schlossen sich die Gemeinden Dahenfeld und Obereisesheim der Stadt Neckarsulm an. Mit nun über 20.000 Einwohnern wurde dem Antrag zur Erhebung zur Großen Kreisstadt stattgegeben. Eberhard Klotz wird zum ersten Oberbürgermeister der Stadt Neckarsulm ernannt.
1975 drohte durch die Energiekrise und die Krise der Autowirtschaft die Schließung des Audi-NSU-Werkes. Der Marsch auf Heilbronn im April 1975 mit rund 7000 Menschen rettete den Standort in Neckarsulm.
Wohn- und Gewerbegebiete werden immer weiter ausgebaut. Neben der Audi AG und dem Sitz von LIdl und Kaufland lassen sich hier auch die TDS AG und die Bechtle AG sowie zahlreiche weitere Mittel- und Kleinbetriebe nieder. Heute ist Neckarsulm nicht nur die größte Stadt im Landkreis Heilbronn, sondern hat sich auch zu einem sehr bedeutendem Wirtschaftsstandort entwickelt.
Tourismus in Neckarsulm: Freizeitvergnügungen rund ums Jahr
Rad fahren, Wandern, Wein genießen: Neckarsulm bietet viele Möglichkeiten, die Landschaft zu erkunden – mit allen Sinnen. Radtouren für längere und kurze Strecken, auch mit Rennrad. Spazieren gehen oder Lehr- und Erlebnispfade entdecken; unzählige Erlebnisse rund um die Weinberge mit Touren, Proben und Seminaren.
Im Audi-Forum Neckarsulm trifft Auto auf Kultur. Auf über 10.000 Quadatmeter sind historische und aktuelle Audi-Modelle ausgestellt. Zusätzlich gibt es Themen-Highlights wie Rennfahrzeuge, Designstudien oder Klassiker. Im Forum finden außerdem das ganze Jahr über Kulturveranstaltungen statt: Buchlesungen, Kabarett, Konzerte – alles, was das Kultur-Herz begehrt.
Das Stadtmuseum präsentiert die Geschichte Neckarsulm auf abwechslungsreiche und multimediale Weise. Neben Originalexponaten gibt es Hörspiele, Projektionen und Videos. In einem eigenen Ausstellungsbereich gibt es zusätzlich regelmäßig neue Ausstellungen.
Führung durch die historische Innenstadt von Neckarsulm
Wer sich lieber direkt in der Stadt über die Geschichte von Neckarsulm informieren möchte, kann an einer Stadtführung teilnehmen. Stadtführerinnen und -führer navigieren die Gruppen durch die Innenstadt zu historischen Bauwerken. Die meisten stammen aus der Zeit der Deutschordensherrschaft (1484 – 1805) und prägen bis heute das Stadtbild.
Dazu gehören zum Beispiel die Stadtmauer, das Deutschordensschloss, die Schlosskapelle, die Stadtpfarrkirche St. Dionysius, das Kapuzinerkloster mit Klosterkirche, der Marktbrunnen und das 1781 und 1782 erbaute Rathaus.
Feiern kommt ebenfalls nicht zu kurz, denn im Gemeinschaftszentrum Ballei ist immer etwas los – von Kultur- und Sportveranstaltungen bis zu Familienfeiern.
Politik in Neckarsulm: Oberbürgermeister Steffen Hertwig (SPD)
Seit 2016 ist Steffen Hertwig Oberbürgermeister von Neckarsulm. Seit über 30 Jahren ist er SPD-Mitglied, sagt aber über sich selbst, er sei ein parteiunabhängiger Kandidat, der nur dem Wohl der Stadt und dem Allgemeinwohl der Bürger verpflichtet sei. Als Kernaufgaben sieht er ein modernes Mobilitätskonzept zu schaffen, die Förderung von Gewerbe und Wirtschaft, Schaffung von bezahlbarem Wohnraum sowie Engagement für Flüchtlinge.