Potenzial für Zustände wie im Mittelalter

Ist Heilbronn eine Ratten-Stadt? Experten-Antwort ist mehr als verstörend

  • Olaf Kubasik
    VonOlaf Kubasik
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Die Stadt Heilbronn ist aufgrund ihrer Lage und ihres Kanalnetzes ein Traum für Ratten. Ohne eine dauerhafte und gezielte Bekämpfung der Schädlinge, erwartet ein Experte bald schlimmste Zustände.

Es ist ein später Winternachmittag und bereits dunkel, als es entlang der Austraße in Heilbronn verdächtig raschelt. Geräusche, die von einem kleinen begrünten Grundstück dringen. Beim Blick über den Zaun wird deutlich, dass dort proppenvolle Gelbe Tonnen stehen. Und schnell wird eins klar - noch bevor die Verursacher zu viert quiekend über den Gehsteig huschen: Es wimmelt dort vor Ratten. Keine Seltenheit im Industriegebiet von Heilbronn. Im Gegenteil, wie ein Schädlingsspezialist berichtet.

Ratten haben zu dieser Jahreszeit ohnehin Hochkonjunktur. Der Heilbronner Schädlingsbekämpfer Johann Ekov, der mit Timur Zhukenov Inhaber der Firma Effective Concept ist, weiß: „Den schlimmen Krankheitsüberträgern fehlt es an natürlichen Nahrungsquellen, und im Schutz der frühen Dunkelheit kommen sie den Menschen jetzt besonders nah.“ Denen, die befüllte Abfallbehälter draußen lagern, aber auch jenen, deren Hausfassaden schadhafte Lücken zum Schädlings-Einstieg ermöglichen.

ArtWanderratte (Rattus norvegicus)
VorkommenAußerhalb der Antarktis weltweit
Kopf-Rumpf-Länge18 bis 26 Zentimeter
NahrungsverhaltenAllesfresser
Übertragene KrankheitenLeptospirose, Pest

Ratten in Heilbronn: Für Schädlingsbekämpfer ist die Stadt perfekt für starken Befall geeignet

Wie dringlich diese Plage in Heilbronn ist, beweist Johann Ekovs derzeitige Auftragslage: 70 Prozent der Arbeit seiner Schädlingsbekämpfungsfirma machen derzeit Akutmaßnahmen bezüglich Wanderratten-Befalls aus. Und das ohne Bestandskunden wie dauerhaft befallene Gastronomie und Lebensmittel verarbeitende Betriebe. Und ja, diese Tiere können auch plötzlich in der Toilette zum Vorschein kommen, wenn Essensreste heruntergespült werden. Ekov: „Aber nur, wenn die Rückstauklappe defekt ist.“

Zwar ist ein Wanderratten-Vorkommen in jeder Stadt und Gemeinde gang und gäbe, aber für Heilbronn würde Schädlingsspezialist Ekov sogar den erhöhten Warnstatus aussprechen: „Wir haben hier zwar - wie vielerorts auch - eine direkte Nähe zum Fluss und eine leider immer häufiger vorkommende wilde Müllentsorgung, aber können außerdem auf ein gigantisches Kanalsystem verweisen, das in dieser Größe nicht überall vorhanden ist.“ Perfekte Laufwege für Ratten, aber auch Kakerlaken.

Schädlingsbekämpfer warnt unter gewissen Umständen vor riesigem Ratten-Befall in Heilbronn

Für im Deutschen Schädlingsbekämpfer-Verband organisierte Spezialisten wie Johann Ekov genießt die gezielte Bekämpfung der Krankheitsüberträger deshalb höchste Priorität. Und diese sei nicht einfach mit städtischen Halbjahres- oder Quartalsmaßnahmen zu gewährleisten. Ekov, der auch immer wieder vor Pfuschern warnt, erklärt: „Ein gezielte Bekämpfung muss permanent durchgeführt werden.“ Und was, wenn nicht? „Dann haben wir in Heilbronn bald Zustände, die die des Mittelalters übersteigen.“

Die rasante Vermehrung der Wanderratten

Eine weibliche Wanderratte kann bis zu sechsmal im Jahr bis zu acht Junge zur Welt bringen, die wiederum selbst nach zwei Monaten geschlechtsreif werden. Ein anfänglich kleiner Rattenbefall kann sich daher relativ schnell ausweiten. In solchen Fällen empfiehlt das Umweltbundesamt, das örtliche Gesundheitsamt oder einen professionellen Schädlingsbekämpfer zu Rate zu ziehen.

Rubriklistenbild: © Johann Ekov/Effective Concept

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