Priorität auf Tierwohl

Billigfleisch adé: Aldi macht kurzen Prozess - diese Discounter ziehen mit

  • Christina Rosenberger
    VonChristina Rosenberger
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Große Lebensmittelhändler verbannen schrittweise sogenanntes „Billigfleisch“ aus ihren Kühlregalen - der Plan ist, in wenigen Jahren komplett auf Fleisch aus wenig tiergerechter Haltung zu verzichten.

Bis 2030 soll Fleisch aus reiner Stallhaltung aus den Regalen von Aldi Nord und Aldi Süd verschwinden. Das haben die Discounter kürzlich bekannt gegeben. Sie wollen künftig nicht mehr unterstützen, dass Nutztiere niemals an der Luft sind oder die Sonne sehen. Das erklärten Aldi Nord und Aldi Süd in einer Mitteilung. Schon 2025 wollen die beiden Ketten kein Fleisch mehr anbieten, für dessen Produktion nur die gesetzlichen Mindestanforderungen bei der Tierhaltung erfüllt werden.

Erst 2019 hatten Aldi und andere Lebensmittelhändler ein vierstufiges System eingeführt, das die Haltungsform kennzeichnet. Dabei entspricht Stufe 1 der reinen Stallhaltung nach gesetzlichen Anforderungen, Stufe 2 „Stallhaltung Plus“ gibt den Tieren immerhin etwas mehr Platz. Doch erst ab Stufe 3 gibt es Frischluftkontakt für Kühe, Schweine oder Hühner. Die Stufe nennt sich „Außenklima“ und bietet den Tieren nochmals mehr Raum. Stufe 4 heißt „Premium“ und gibt den Tieren Auslaufmöglichkeiten im Freien - auch Biofleisch wird laut Siegel in diese Stufe eingeordnet.

Aldi wirft Billigfleisch aus dem Sortiment - und ist damit nicht alleine. Diese Lebensmittelhändler machen mit:

Aldi sieht sich selbst laut Mitteilung als Vorreiter bei der Umstellung der Haltungsformen*, das berichtet auch HEIDELBERG24.de*. Denn auch Rewe erklärte - als Reaktion auf die Aldi-Ankündigung - jetzt mit, in den eigenen Supermärkten sowie bei der Discounter-Tochter Penny ebenfalls bis Ende 2030 „im gesamten Eigenmarken-Frischfleischsortiment ausschließlich Haltungsformstufe 3 und 4 anzubieten“.

Aldi verzichtet zukünftig auf Billig-Fleisch. (Symbolbild)

Genauso ist Deutschlands größter Lebensmittelhändler Edeka dabei, auf artgerechte Tierhaltung umzustellen. Zwar will Edeka „aus Wettbewerbsgründen“ keine konkreten Daten nennen, wann es soweit ist, doch steht definitiv ein Plan im Raum, „kurzfristig auf die Haltungsstufe 1 und längerfristig auf die Haltungsstufe 2 bei Frischfleisch zu verzichten.“ Hier soll ebenfalls der Tochter-Discounter Netto mit eingebunden werden. Die Schwarz-Gruppe mit Sitz in Neckarsulm, zu der Lidl und Kaufland gehören, hat sich bisher nicht zu Ausstiegsplänen geäußert.

Aldi wirft Billigfleisch aus dem Sortiment: Bauernverband ist nicht begeistert

Aber wieso nicht gleich radikal umstellen, statt noch 10 Jahre lang Fleisch aus nicht allzu tierfreundlicher Haltung anzubieten? Aldi begründet den Zeitplan* damit, dass die Bauern Vorlauf bräuchten, um ihre Betriebe im Zweifel auf bessere Haltungsformen umzustellen. Darüber berichtet auch merkur.de*. Der Deutsche Bauernverband reagierte allerdings dennoch nicht begeistert auf die Aldi-Ankündigung.

„Die Haltungsstufen 3 und 4 sind aktuell eine absolute Marktnische“, erklärte Präsident Joachim Ruckwied gegenüber der Deutschen Presse-Agentur dpa, aber offensichtlich sei der Lebensmitteleinzelhandel nun bereit, „im Einkauf erhebliche Summen aufzuwenden, um mehr Tierwohl angemessen zu honorieren.“ Denn Landwirte müssten nicht nur finanziell tief in die Tasche greifen, um ihre Ställe umzubauen - auch die Genehmigungen hierfür seien nicht leicht zu bekommen.

Aldi wirft Billigfleisch aus dem Sortiment: Appell an die Verbraucher

Aus dem Lager der Umwelt- und Tierschützer dagegen erntete Aldi Lob. Eine Landwirtschaftsexpertin bei Greenpeace bezeichnete die Ankündigung, Billigfleisch aus den Kühlregalen zu verbannen, als „Meilenstein, der der ganzen Branche zeigt, wo es hingehen muss.“ Dem schloss sich auch der Präsident des Deutschen Tierschutzbundes, Thomas Schröder an.

UnternehmenALDI SÜDALDI NORD
SitzMülheim an der RuhrEssen
Mitarbeiterzahl156.89977.661
Umsatz im Jahr 201959 Milliarden Euro22,8 Milliarden Euro

Doch letztendlich entscheiden die Verbraucher über die Art der Produktion - und somit auch über das Tierwohl. Das erklärte die bayerische Agrarministerin Michaela Kaniber als Reaktion auf die Ankündigung von Aldi, Rewe und Edeka. „Dass Aldi Billigfleisch den Kampf angesagt hat, ist ein gutes und wichtiges Signal“, erklärt sie - doch die Bürger müssten auch bereit sein, die Mehraufwendungen der Bauern an der Ladentheke zu honorieren. *echo24.de, merkur.de* und *HEIDELBERG24.de sind Angebote von IPPEN.MEDIA.

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