Personalmangel ist spürbar

Überstunden können krank machen: „Gesundheitsrisiko Personalmangel“

  • Kilian Bäuml
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In vielen Branchen fehlen Arbeitskräfte, so kommt es oft zu Überstunden. Doch die zusätzliche Arbeit kann krank machen. Viele Angestellte bemerken das schon jetzt.

München – Wenn der Arbeitstag zwar vorbei, die Arbeit aber noch nicht getan ist, entstehen Überstunden. Situationen ergeben sich im Alltag von ganz allein, beispielsweise wenn andere Angestellte krank oder im Urlaub sind. Die Arbeit wird während der Abwesenheit der Kollegen und Kolleginnen nicht weniger, sondern muss einfach von weniger Personen erledigt werden.

Der Arbeitsmarkt entwickelt sich in vielen Branchen in eine Richtung, in der immer mehr Last auf immer wenige Schultern verteilt werden. Prominentestes Beispiel ist die Pflege. In einer Umfrage gaben inzwischen fast die Hälfte der Befragten an, von den Folgen des Personalmangels betroffen zu sein.

Fast die Hälfte der Arbeitenden spürt die Folgen des Personalmangels: „Kompett erschöpft“

Die Betroffenen stehen demnach unter starkem Termin- und Leistungsdruck, machen Überstunden und versäumen Pausen. „Die Arbeitsbelastungen steigen sehr stark mit der Intensität des erlebten Personalmangels“, heißt es in der DAK-Studie „Gesundheitsrisiko Personalmangel“.

Druck auf der Arbeit und Überstunden können sich auf die körperliche Gesundheit auswirken. (Symbolbild)

Dass die Personaldecke ohnehin viel zu dünn sei oder offene Stellen nicht besetzt würden, erlebe fast jeder zweite Beschäftigte in Bayern regelmäßig – häufig sogar mit gravierenden Folgen für die eigene Gesundheit. „Mehr als die Hälfte der Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer sind komplett erschöpft, viele leiden unter Beschwerden wie Kopfschmerzen“, heißt es im aktuellen Gesundheitsreport der Krankenkasse DAK Bayern. Die Folge: Viele Beschäftige erscheinen selbst krank am Arbeitsplatz.

In Brandenburg sieht die Lage mindestens genauso drastisch aus. Laut dem Presseportal sind dort zwei Drittel der Befragten bereits krank arbeiten gegangen. „Ständiger Personalmangel muss uns alarmieren, denn Überlastung kann die Gesundheit entscheidend beeinträchtigen“, sagte Anke Grubitz, Landeschefin der DAK-Gesundheit in Brandenburg, zu den Auswirkungen des Personalmangels.

Überstunden und Personalmangel: Stress setzt sich oft auch nach Feierabend fort

Auch in der Freizeit können Betroffene nicht richtig abschalten und verzichten auf Aktivitäten wie Sport oder andere Hobbys, weil schlicht nicht genug Zeit sei oder die Beschäftigten sich von der Arbeit zu erschöpft fühlten. Selbst die Familie kommt nach DAK-Bericht häufig zu kurz. Auf die Dauer mache sich das auch körperlich bemerkbar.

Angestellte sollten sich deshalb Überstunden nicht einfach gefallen lassen und auf ihre Rechte bestehen, raten Experten – eine Pflicht, Überstunden zu machen, gibt es nämlich nicht. Werden Überstunden geleistet, sollten diese detailliert aufgelistet werden, um sie zu erfassen und nachweisen zu können.

Überstunden durch Personalmangel: Auch weniger zu arbeiten, reduziert den Druck oft nicht

Einige Angestellte reduzieren auch ihre Arbeitszeit, doch dadurch erhöht sich der Druck häufig noch. Wenn sich die Angestellten überlastet fühlen, kann es zu einem anderen Phänomen kommen, das immer bekannter wird – Vorschrift nur nach Dienst, auch Quiet-Quitting genannt.

Um die Situation zu verbessern, bedarf es laut der DAK mehr als nur einzelne Maßnahmen, stattdessen müsse das Konzept erneuert werden. Das betriebliche Gesundheitsmanagement habe noch viel ungenutztes Potenzial. „Vorausgesetzt, alle Beteiligten sind bereit, sich neuen Wegen zu öffnen und die vorhandenen Angebote zu nutzen“, erklärt die DAK-Landeschefin. (kiba/dpa)

Rubriklistenbild: © Monique Wüstenhagen/dpa