Kritik vom Brauer-Bund

Werden Bierkästen abgeschafft? EU will das Pfand-System revolutionieren

  • Karolin Schaefer
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Bierkästen stehen vor dem Aus, Milliarden Pfandflaschen müssen vernichtet werden – das befürchtet der Brauer-Bund, sollten die neuen EU-Regeln umgesetzt werden.

Kassel – Die EU plant neue Regeln für Pfandsysteme und Verpackungen. 2021 trat bereits das EU-weite Verbot für Einwegplastik in Kraft. Nun soll künftig in allen Mitgliedsstaaten ein einheitliches System gelten und Verpackungsmüll reduzieren. Ein wohl großer Schritt in Richtung Nachhaltigkeit. Allerdings würde das auch bedeuten: Milliarden Pfandflaschen müssten vernichtet werden – das befürchtet zumindest der Deutsche Brauer-Bund.

Deutscher Brauer-Bund (DBB)
RechtsformEingetragener Verein
SitzBerlin
GeschäftsführerHolger Eichele

Neues Pfandsystem der EU: „Müssten alle Mehrwegflaschen einschmelzen“

Der Verein sieht bisher genutzte Mehrwegsysteme in Deutschland in ihrer Existenz gefährdet. „Werden die EU-Pläne Wirklichkeit, müssten wir alle Mehrwegflaschen einschmelzen. Dieser Irrsinn muss verhindert werden“, sagte Holger Eichele, Geschäftsführer Bundes, der Bild-Zeitung.

Besonders davon betroffen seien Bierflaschen. „80 Prozent des Biers in Deutschland werden in Mehrwegflaschen verkauft“, so Eichele. In einem Schreiben kritisieren mehrere Getränkeverbände den Entwurf des Europäischen Parlaments. Zwar sei das Ziel der EU, Mehrweg zu stärken und den Ressourcenverbrauch senken, ein „ehrgeiziges Vorhaben“. Doch die Kritiker sehen darin große Schwächen. An einer entscheidenden Stelle hebele der Vorschlag den Umweltschutz „auf absurde Weise aus“, hieß es.

„Der klassische deutsche Bierkasten vor dem Aus“ – EU will Pfandsystem revolutionieren

So fordere die EU eine „dauerhaft angebrachte Kennzeichnung“ von Mehrwegverpackungen. Das würde bedeuten: Bisherige Flaschen mit abwaschbaren Etiketten müssen zerstört werden, erläuterten die Verbände. Auch Transportkisten dürften vor dem Aus stehen. Das EU-Ziel, die Luft in den Verpackungen zu begrenzen, mache den Transport und die Lagerung von Mehrwegflaschen künftig unmöglich.

Deutsche Getränkeverbände fürchten, dass mit den neuen EU-Regeln für Pfandsysteme und Verpackungen Bierkästen vor dem Aus stünden.

„Der EU-Plan verlangt, dass die Transportverpackung eines Produktes nicht mehr als 40 Prozent größer ist als das Produkt selbst. Im Falle von Bier würde das bedeuten, dass der klassische deutsche Bierkasten vor dem Aus stünde, geschreddert und vernichtet werden müsste“, sagte Dirk Reinsberg, Vorstand im Bundesverband des Deutschen Getränkefachgroßhandels, gegenüber Bild.

EU-weites Pfandsystem? Brauer fordern Ausnahmegenehmigung

Grundsätzlich sehen die Verbände „den positiven Ansatz, den die EU-Kommission mit ihrem Verordnungsentwurf verfolgt“, hieß es weiter. Allerdings habe Deutschland „das größte und erfolgreichste Mehrwegsystem in Europa“, betonte Eichele. Aldi testete beispielsweise neue XXL-Pfandautomaten. Es brauche also Ausnahmegenehmigungen für existierende Pfandsysteme, forderte Reinsberg. „Wenn die EU mehr Mehrweg will, darf sie nicht erfolgreiche und gut funktionierende Mehrwegsysteme über den Haufen werfen.“

Wie aus dem Schreiben der Verbände hervorgeht, liegen die Mehrwegquoten in Deutschland „weit oberhalb“ der von der EU für 2040 vorgesehenen Ziele. Zuletzt klagten Brauer jedoch, dass Flaschen zu langsam zurückkämen – zehn Euro Pfand pro Kasten waren in der Diskussion. Das liegt unter anderem an der großen Auswahl an unterschiedlichen Flaschen. Dem Verbrauchermagazin Chip zufolge sind mehr 100 verschiedene Typen im Umlauf. Deshalb legen viele leere Flaschen oft lange Wege bis zu ihrer Ausgabebrauerei zurück.

Angesichts der Inflation sind die Bierpreise in Deutschland gestiegen. Ein Brauereiverband geht vom „teuersten Biergarten-Sommer aller Zeiten“ aus. (kas)

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