Bei falschem Grillen droht der Grillkeim

Vorsicht beim Grillen: RKI warnt vor gefährlichem Erreger – was Sie beachten sollten

  • Stella Henrich
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Beim Grillen können sich gefährliche Keime verbreiten. Vor allem Geflügel ist mit diesen Bakterien belastet. Wie Sie sich schützen können.

München ‒ Sobald das Wetter sommerlich warm wird, werfen Menschen mit Garten oder Balkon hierzulande ihren Grill an. Der Duft von Würstchen, Steaks und diversen Gemüsesorten weht einen feinen Duft durch die Nachbarschaft. Am liebsten würde man sich zu einem spontanen Besuch beim Grillmeister einladen und die Leckereien auf dem Rost mitessen.

Doch was viele Menschen nicht wissen: etliche Fleischsorten, die auf dem Grill landen, sind mit dem Bakterium Campylobacter belastet. Allen voran Geflügelfleisch, welches es inzwischen auch bei vielen Imbissbuden knusprig gebraten zu kaufen gibt.

Vorsicht vor dem Grillkeim: Bei falschem Grillen droht Campylobacter-Infektion.

Vorsicht beim Grillen: Campylobacter verursacht heftigen Durchfall

Der Grillkeim Campylobacter verursacht heftige Durchfall-Erkrankungen, die bei Risikogruppen wie Kleinkindern, Babys und Senioren, aber auch Menschen mit Vorerkrankung durchaus lebensbedrohlich sein können, warnen Verbraucherschützer. Laut dem Robert Koch-Institut (RKI) kann das Bakterium zu Fieber, Kopfschmerzen und Mattigkeit führen.

Campylobacter oder auch Grillkeim genannt

Infektionen durch Bakterien der Gattung Campylobacter sind weltweit verbreitet. In Deutschland und in anderen europäischen Ländern treten die Erkrankungen vermehrt in der warmen Jahreszeit auf. Kinder unter fünf Jahren und junge Erwachsene zwischen 20 und 29 Jahren sind laut Robert Koch-Institut (RKI) in Deutschland besonders häufig von einer Erkrankung betroffen.

Die Campylobacter-Enteritis ist mit 60.000 bis 70.000 übermittelten Fällen pro Jahr (80 bis 90 Erkrankungen pro 100.000 Einwohner) die häufigste bakterielle meldepflichtige Krankheit in Deutschland, teilt das RKI auf seiner Internetseite mit.

Geflügelfleisch kann während des Schlachtprozesses über den Darminhalt der Tiere kontaminiert werden. Frisches Hähnchenfleisch im Einzelhandel ist häufig mit Campylobacter kontaminiert, so das RKI. Die direkte Übertragung von Mensch zu Mensch spiele eine untergeordnete Rolle. Wegen der niedrigen krankheits­aus­lösenden Infektionsdosis von weniger als 500 Keimen sei sie jedoch insbesondere bei Kleinkindern möglich.

In schlimmen Fällen soll es rheumatische Erkrankungen, aber auch Hirnhautentzündungen und sogar Lähmungen auslösen können. Auch ein Reizdarmsyndrom und eine Arthritis sind laut RKI als Folgeerkrankung möglich.

Tipp vom RKI: Wie Sie sich vor dem Grillkeim schützen können

Um sich vor dem Grillkeim zu schützen, sollten Verbraucher Fleisch – vor allem Geflügelfleisch – gut durchgaren, so der Tipp des RKI. Die Experten der Deutschen Gesellschaft für Gastroenterologie, Verdauungs- und Stoffwechselkrankheiten (DGVS) empfehlen eine Kerntemperatur von mindestens 70 Grad für wenigstens zwei Minuten.

Weitere Tipps zum richtigen Grillen:

  • Frisches Hähnchenfleisch vor dem Verarbeiten mit einem Küchentuch abtupfen, das Küchentuch danach im Müll entsorgen. 
  • Vorsicht beim Auftauen von gefrorenem Geflügel oder Wild: Das Auftauwasser kann Krankheitserreger enthalten. Flüssigkeit separat aufgefangen und sofort entsorgen (heiß nachspülen).  
  • Kreuzkontaminationen vermeiden: Bakterien werden häufig von rohen Lebensmitteln auch auf andere Lebensmittel übertragen. Rohe tierische Lebensmittel wie Fleisch deshalb getrennt von anderen Lebensmitteln aufbewahren und beim Verarbeiten separate Küchenutensilien benutzen. 
  • Verwenden Sie Utensilien in der Küche, die sich bei möglichst hohen Temperaturen reinigen lassen - beispielsweise Schneidebretter aus Kunststoff statt aus Holz. (Quelle: DGVS)

Vorsicht beim Grillen: So werden die Keime nicht übertragen

Eine große Rolle spielt beim Grillen vor allem die Hygiene. Deshalb sollten Verbraucher Hände, Geräte und Flächen, die mit rohem Fleisch, Fisch oder verwendeten Marinaden in Kontakt waren, gut mit heißem Wasser und Spülmittel säubern, damit sich die Keime nicht übertragen können, rät die Berliner Verbraucherzentrale. Auch diese Fehler können Verbrauchern den Geschmack verderben und sogar lebensgefährlich werden.

Wer gepökeltes Fleisch wie Wiener Würstchen oder Kasseler grillen möchte, dem raten Verbraucherschützer aus Nordrhein-Westfalen vom Vorhaben ab. Sie gehörten nicht auf den Grill, da die zum Pökeln verwendeten Nitratsalze krebserregende Nitrosamine bilden könnten. Auch bei mariniertem Fleisch sollte man die Marinade vorher etwas abtupfen, damit nichts in die Glut tropft. Für Verbraucher können aber auch Listerien gesundheitlich gefährlich werden. Wie dieser Rückruf eines Fleischproduktes bei Edeka belegt.

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