Kritik der Weltgesundheitsorganisation

Bier könnte bald teurer werden: WHO fordert höhere Steuern auf Alkohol und Zucker

  • Romina Kunze
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Die Kosten für die Gesellschaft von Genussmittel wie Alkohol, Tabak oder Zucker übersteigen längst deren Einnahmen. Die WHO möchte mit höheren Abgaben gegensteuern.

Genf – Mehr als zehn Millionen Menschen sterben nach Angaben der Weltgesundheitsorganisation (WHO) jedes Jahr weltweit durch Alkoholkonsum oder ungesunde Ernährung. Rund 21 Millionen Todesfälle könnten auf lange Sicht vermieden werden, wenn man die Steuer für Alkohol anhebe. Das geht aus einer Meldung der WHO hervor.

WHO-Expertin fordert 50 Prozent mehr Steuern auf Alkohol – „Würde 21 Millionen Todesfälle verhindern“

Um dem Trend entgegenzusteuern, sprachen sich erst vor Kurzem Gesundheitsexperten für eine Abgabe für extrem zuckerhaltige Getränke aus. Demnach hätte eine solche Steuer nicht nur gesundheitliche Vorteile, es würde auch die Krankenkassen und damit die Gesellschaft finanziell entlasten. 16 Millionen Euro ließen sich nach Experteneinschätzung damit in den nächsten zwei Jahrzehnten alleine in Deutschland einsparen.

Die Weltgesundheitsorganisation empfiehlt, die Steuern für alkoholische Getränke drastisch anzuheben. Vor allem Bier dürften nach Einschätzung der WHO um 50 Prozent teurer sein. Dadurch ergäben sich sowohl gesundheitliche als auch finanzielle Vorteile.

Die WHO legt nun nach: Neben einer Zuckersteuer spricht sich die Gesundheitsorganisation auch für deutlich teurere alkoholische Getränke aus. Zwar werden in den meisten europäischen Ländern bereits Steuern auf Alkohol erhoben, darunter auch in Deutschland, doch nach Einschätzung der WHO nicht genug. Bei Bier liege der Anteil der Verbrauchssteuer der verkaufsstärksten Marke bei 17,2 Prozent, bei der meistverkauften Spirituose seien es 26,5 Prozent.

„Steuern, die den Preis von Alkohol um 50 Prozent erhöhen, helfen über 50 Jahre 21 Millionen Todesfälle zu verhindern, zeigt eine Studie aus dem Jahr 2017“, heißt es vonseiten der Gesundheitsorganisation, die am Dienstag (5. Dezember) zu dem Thema ein Handbuch veröffentlicht hat.

Erzieherische Maßnahme durch höhere Alkoholsteuer für Verbraucher und Hersteller

Die WHO führt ebenfalls finanzielle Argumente ins Feld: Zeitgleich könnten in dem kommenden halben Jahrhundert umgerechnet 15,7 Billionen Euro zusätzliche Einnahmen erwirtschaftet werden. Vor allem aber hätte die Maßnahme erzieherischen Effekt. Denn höhere Steuern führten zu niedrigerem Konsum, so die WHO. Das verhindere Todes- und Verletzungsfälle im Straßenverkehr und mindere das Risiko von Folgeerkrankungen. Auf Seiten der Hersteller seien höhere Steuern notgedrungen ein Anreiz, den Fokus auf gesündere Produkte zu legen.

Ob sich das bewahrheitet, muss sich noch zeigen. Zum Vergleich: Anfang 2023 wurde die Tabaksteuer in Deutschland erstmals seit zehn Jahren erhöht. Laut dem Jahrbuch Sucht 2023 seien erste rückläufige Tendenzen beim Tabakkonsum zu erkennen, der Alkoholkonsum indes noch immer zu hoch.

Umfrage von 2022 zeigt: Mehrheit befürwortet höhere Abgaben für Genussmittel

Nach Angaben der WHO gibt es Verbrauchsteuern auf Alkohol in 148 Ländern. In mindestens 22 Ländern – überwiegend in Europa – gilt die Steuer allerdings nicht für Wein. In Deutschland wurden laut dem Statistischen Bundesamt 176,5 Millionen Liter Alkohol versteuert, die weitaus größere Menge aufgrund ihrer Verwendung jedoch nicht (1,4 Milliarden Liter). Das Gros dessen wurde zur Herstellung von Kraftstoff genutzt, nur etwa 1,6 Prozent für Getränke- und Lebensmittelaromen.

Dagegen „kostet“ der Alkoholkonsum die Bürgerinnen und Bürgern in Deutschland rund 57 Milliarden Euro im Jahr, wie der Alkoholatlas Deutschland 2022 informiert. Jährlich verzeichne man hierzulande 20.000 alkoholbedingte Krebserkrankungen. Den Kosten stünden Einnahmen durch die Alkoholsteuer von 2,2 Milliarden Euro gegenüber, so destatis.de.

In einer kürzlich von der WHO mitgetragenen Umfrage unter 7000 Teilnehmerinnen und Teilnehmern in Kolumbien, Indien, Jordanien, Tansania und den USA hätten mehr als 60 Prozent höhere Steuern auf Alkohol zur Vermeidung von Todesfällen befürwortet. In Deutschland sprachen sich 67 Prozent für ein Anheben der Tabaksteuer und 63 Prozent für eine höhere Alkoholsteuer aus. Das ergab eine repräsentative Umfrage des Vergleichsportals Verivox von 2022. (rku/dpa)

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