Supermärkte
Schock bei Aldi und Rewe: Hersteller nehmen Kunden mit neuer Masche aus
- VonVictoria Maiwaldschließen
Wenn Lebensmittel-Hersteller Geld sparen wollen, haben Supermarkt-Kunden oft das Nachsehen. Mit einer neuen Masche sind teurere Lebensmittel nur noch schwer zu erkennen.
Dortmund – Seien wir doch mal ehrlich: Einkaufen macht dieser Tage nur noch wenig Spaß. Entweder ist alles einfach teurer geworden, teilweise sind manche Lebensmittel schlicht nicht zu bekommen oder der Preis bleibt gleich, doch der Inhalt wird weniger. So oder so – Kunden müssen im Supermarkt oder Discounter zweimal hinsehen, um nicht übers Ohr gehauen zu werden. Jetzt kommt auch noch eine neue Masche hinzu, weiß RUHR24.
Schock bei Aldi, Rewe und Co.: Hersteller tricksen Kunden mit neuer Masche aus
„Shrinkflation“ ist den meisten Verbrauchern bereits ein Begriff. Wird der Inhalt einer Verpackung kleiner, aber der Preis bleibt gleich, spricht man von eben jenem Phänomen. Jetzt kommt eine neue Masche hinzu, die die Produkte unbemerkt teurer machen: „Skimpflation“.
Das Wort setzt sich aus dem englischen Verb „to skimp“, also „knausern“ oder „einsparen“, und dem Wort „Inflation“ zusammen. Und das beschreibt es schon ganz gut. Die Hersteller knausern an qualitativ hochwertigen Inhaltsstoffen, verkaufen die Waren aber weiter zum gleichen Preis, obwohl die Kosten für die Inhaltsstoffe gesunken sind.
„Skimpflation“ bei Aldi, Rewe und Co.: Hochwertige Inhaltsstoffe werden mit günstigen ersetzt
Grund für die Umstellungen in den Rezepturen war ursprünglich in vielen Fällen der Ukraine-Krieg. Gerade zu Beginn des Kriegs war beispielsweise Sonnenblumenöl in Deutschland kaum zu bekommen. Das wurde nicht nur zu Problem für Verbraucher, sondern auch für Hersteller. So wurde das rare Öl etwa in Pommes Frites kurzerhand durch Palmfett ersetzt.
„Was als Notlösung gedacht war, hat sich teilweise etabliert“, erklärt die Service-Expertin und Buchautorin Sabine Hübner gegenüber der Tagesschau. Selbst jetzt, wo das höherwertige Sonnenblumenöl wieder vorrätig ist, wird weiter auf Palmfett gesetzt. Und das wird teilweise nicht auf den Verpackungen ausgewiesen.
Hersteller tauschen Zutaten in Supermarkt-Waren aus: Kunden haben das Nachsehen
Auch das ist ein Überbleibsel aus Mangel-Zeiten. Neue Verpackungen waren nicht verfügbar, die Unternehmen erhielten eine Ausnahmeregelung, sodass ein Hinweis auf der Verpackung genügte. „Enthält Palmfett statt Sonnenblumenöl“ blieb aber von vielen Verbrauchern unbemerkt.
Der Austausch der Zutaten hat aber auch Auswirkungen auf die Nährwerte. Palmfett ist durch den höheren Anteil an gesättigten Fettsäuren ungesünder als Sonnenblumenöl. Doch nicht nur Pommes Frites sind von der Skimpflation betroffen.
Skimpflation bei Aldi und Penny: Weniger Marzipan für den gleichen Preis
Die Verbraucherzentrale Hamburg hat bereits einige Fälle in diesem Jahr gelistet, in denen hochwertige Zutaten durch günstigere ersetzt wurden. Der Preis der Mogelpackungen blieb allerdings immer gleich:
| Produkt | veränderte Zutat | Bemerkung |
|---|---|---|
| Chocolat Amandes Edel Marzipan Vollmilch und Chocolat Amandes Edel Marzipan Zartbitter (Aldi) | Marzipan | Statt 45 Prozent Edelmarzipan verwendet Aldi nur noch 38 Prozent |
| Arla Kaergarden Ungesalzen | Butter und Rapsöl | Der Anteil an Butter und Rapsöl ist gesunken, stattdessen wird mehr Wasser verarbeitet |
| Nestlé Cini Minis | Sonnenblumenöl | Sonnenblumenöl wird weiterhin durch Palmöl ersetzt. Nestlé will Ende 2023 wieder auf Sonnenblumenöl umstellen |
| Adelholzener Alpenquellen GmbH Apfelschorle | Apfelsaft | 5 Prozent weniger Apfelsaft in der Schorle |
| Penny Markt GmbH Rahmspinat mit frischer Sahne | Spinat | 21 Prozent weniger Spinat, dafür über 10 Prozent Wasser hinzugefügt |
| Aldi Nord Markus Kaffee Gold | Arabica Kaffeebohnen | Der Anteil der Arabica Kaffeebohnen ist inzwischen unklar |
| Edelweiß GmbH Brunch | Rahm | Statt Rahm (vorher 72 Prozent, jetzt 66 Prozent) wird mehr Magermilchjoghurt eingesetzt |
Versteckte Preiserhöhung im Supermarkt kaum zu entdecken – Ausmaß unklar
Welches Ausmaß die Skimpflation wirklich hat, kann die Verbraucherzentrale kaum beantworten. Denn die Beschwerden von Verbrauchern würden häufiger zur Shrinkflation bei den Verbraucherschützern eingehen. Klar: Immerhin ist die versteckte Preiserhöhung mit günstigeren Zutaten kaum zu entdecken.
Fallen Kunden dennoch geänderte Zutaten zu ihrem Nachteil bei gleichen Preisen auf, gilt es: Beschwerde einlegen. Das können Kunden entweder bei den Unternehmen selbst machen, oder bei der Verbraucherzentrale, die dem ganzen dann auf den Grund gehen wird und die Masche öffentlich macht. Denn die Hersteller berufen sich laut Verbraucherzentrale gerne auf „angebliche Kundenwünsche“ als Begründung für die Änderung der Zutaten.
Rubriklistenbild: © Michael Bihlmayer/Imago
