Teure Erwartungen

Höhere Getränke-Preise drohen durch neues Gesetz – zu Lasten aller Kunden

  • Karolin Stevelmans
    VonKarolin Stevelmans
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Mehr zahlen für Wasser, Bier und Erfrischungsgetränke: Verbraucher müssen an der Supermarkt-Kasse bald mehr Geld für Getränke hinlegen.

Dortmund – Ab Dezember werden Verbraucher bei ihrem Getränkekauf tiefer in die Tasche greifen müssen. Grund dafür ist eine neue Gesetzesänderung des Bundesministeriums für Digitales und Verkehr, die sich auf den Transport und die Lieferung der Ware bezieht. Supermarkt-Kunden müssen diese neuen Regelungen finanziell mittragen.

Höhere Getränke-Preise im Supermarkt drohen: 50 Cent mehr für einen Kasten Bier oder Wasser

Ein erwarteter Preis-Anstieg im Getränkesortiment sind keine positiven Nachrichten für Verbraucher. Ausgerechnet in Zeiten in denen die Lebensmittel-Preise weiterhin hoch sind, vermuten Experten laut Getränke-News.de neue Erhöhungen. Diese kommen allerdings nicht aufgrund der Inflation zustande, sondern beruhen auf einer Änderung des Mautgesetzes für Lkw.

Denn ab Dezember 2023 treten Änderungen des Bundesfernstraßenmautgesetzes in Kraft, die einen Kostenanstieg für den Transport von Wirtschaftsgütern bewirkt. Die gestiegenen Kosten für den Transport kommen laut Getränke-News.de dann bei den Verbrauchern in Form von Preiserhöhungen an. So vermuten Experten einen Preis-Anstieg um bis zu 50 Cent pro Kasten Bier oder Mineralwasser. Doch wie kommen die höheren Kosten zustande?

Höhere Preise für Getränke drohen – Gesetz sieht mehr Kosten für Transport vor

Die Ampel-Regierung hat Änderungen für den Frachttransport innerhalb Deutschlands beschlossen. Die Politik will damit einen Beitrag für mehr Klimaschutz leisten. Konkret sieht das Gesetz vor, dass Lkw mit mehr als 3,5 Tonnen Gesamtmasse einer Mautpflicht unterliegen. Pro Kilometer müssen die betroffenen Laster dann zwischen 15,1 Cent und 24,8 Cent zahlen (mehr zu den Themen Supermärkte und Discounter bei RUHR24).

Hinzu kommt die Einführung eines CO₂-Aufschlags zum 1. Dezember. Damit soll verkehrsbedingter Ausstoß von CO₂-Emissionen durch eine neue Mautkomponente („Mautteilsatz“) kompensiert werden. Pro Tonne CO₂ zahlen Logistikunternehmen einen Aufschlag in Höhe von 200 Euro. Die Maut setzt sich somit aus den Kosten der Infrastruktur, der Luftverschmutzung, der Lärmbelästigung und des CO₂-Ausstoßes zusammen.

Die neue Mautregelung soll den Güterverkehr mehr und mehr auf die Schiene verlagern, um so Verkehrsabgase einzusparen. Allerdings sind auch emissionsfreie Fahrzeuge ab 2026 nicht mehr von der Mautpflicht befreit. Sie zahlen dann einen um 75 Prozent reduzierten Mautteilsatz für die Kosten der Infrastruktur – zuzüglich der Mautteilsätze für Luftverschmutzung und Lärmbelastung.

Höhere Getränke-Preise drohen: Neue Regelungen treffen kleine Betriebe besonders

Die Gesetzesänderung bittet nun auch kleinere Nutzfahrzeuge mit mehr als 3,5 Tonnen Gesamtgewicht zur Kasse. Sie beliefern vor allem Gastronomie, kleinere Betriebe und Privatkunden, welche die höheren Transportgebühren dann an ihre Kunden weitergeben müssen.

Getränke im Supermarkt werden künftig teurer werden.

So belaste die Gesetzesänderung nicht nur die Logistikbranche, sondern sie treffe insbesondere die Hersteller und Verbraucher, gibt der Deutsche Brauer-Bund gegenüber Getränke-News.de an. Zwar betont das Verkehrsministerium, dass die gestiegenen Transportkosten nur in einem geringen Anteil (0,1 Prozent) an die Verbraucher weitergetragen werden, doch diese Aussage trifft in der Getränkebranche auf Gegenwehr.

Getränke-Branche hält Preis-Erhöhungen für realistisch: Kostensteigerung von 9 Prozent möglich

„Es ist abenteuerlich, wie ein Ministerium mit solchen Aussagen hantiert“, erklärt Markus Rütters von der Deutschen Getränke Logistik (DGL) gegenüber Getränke-News.de. Er hält eine Kostensteigerung von 9 Prozent für eine gewöhnliche Fracht für realistisch, die wiederum an die Verbraucher weitergegeben werden müssten, so Rütters. Zuletzt vermeldeten Bier-Brauer bereits steigende Kosten aufgrund der Energie-Krise und Nachfolgen der Corona-Pandemie.

Wie hoch die Getränke-Preise ab Dezember ausfallen werden, müssen Verbraucher nun abwarten. Warum insbesondere bei Getränken ein Preis-Anstieg zu erwarten ist, hängt mit dem hohen Gewicht der Getränke-Ladungen, dem großen Ladevolumen und einem möglichen Leergutrücktransport zusammen.

Rubriklistenbild: © Herrmann Agenturfotografie/Imago