Nervige Kundschaft
Was Kassierer im Supermarkt ihren Kunden wohl gerne sagen würden
VonStella Henrichschließen
Supermarktpersonal muss sich oft einiges gefallen lassen. Der Kunde ist schließlich König. Einige Sätze nerven dennoch besonders.
Kassel ‒ Was denken eigentlich Kassiererinnen und Kassierer, die an der Kasse im Supermarkt sitzen? Wenn hin und wieder ein Kunde verbal oder physisch aus der Reihe tanzt? Kaum ein Gesicht des Personals lässt so tief blicken, als dass man Gefühle oder Gedanken darin ablesen könnte. Pokerface statt Tacheles: Die Beschäftigten beißen lieber die Zähne zusammen, setzen ein freundliches Gesicht auf und denken sich ihren Teil. Dabei gäbe es Sätze, die sie gern bei dieser Gelegenheit einmal loswerden würden, es aber niemals tun.
Kassierer im Supermarkt denken sich ihren Teil ‒ vielen Kunden fehlt es an Respekt
Ehrlichkeit kommt eben nicht immer gut an. Ob im Privaten unter Freunden oder innerhalb der Familie, unter Kollegen oder im Supermarkt, wo der Kunde bekanntlich immer noch König ist. Doch: Ein unfreundlicher Blick, ein wortloses Auflegen der Waren ohne ein „Guten Tag“, nebenbei Nachrichten über das Handy beim Bezahlen versenden oder das minutenlange Suchen nach Kleingeld im Portemonnaie wird zur Herausforderung für das Kassenpersonal.
Diese Sätze würden Kassierer gerne sagen, tun es aber nicht:
- Wir arbeiten genauso hart wie du.
- Wir sind nicht deine Diener.
- Und auch nicht dein Flirtobjekt.
- Wir denken uns die Preise nicht selbst aus.
- Sortiere bitte dein Geld vorher. Schau mal die lange Schlange hinter dir an.
- Schäm dich nicht. Uns ist es egal, wenn du dich von Fertigprodukten ernährst.
- Bitte nutze die Warentrenner. Sonst wissen wir nicht, wo die Waren des nächsten Kunden beginnen.
- Auch wir hatten einen langen Tag.
- Geh bitte nicht fünf Minuten vor Ladenschluss einkaufen. Auch Kassierer möchten irgendwann Feierabend machen.
- Zweite Kasse? Leider erlaubt mein Arbeitgeber kein Klon. Ich kann mich nicht zweiteilen.
- An der Kasse telefonieren ist unhöflich und respektlos.
- Leg die Ware wieder zurück an ihren Platz, wenn du dich an der Kasse dazu entscheidest, sie nicht mit nach Hause zu nehmen.
Quelle: Wunderweib.de
Sätze von Kunden an Kassiererinnen ‒ manche hört das Personal 20 Mal täglich
Auch Sätze, die das Personal mindestens 20 Mal am Tag von den Konsumenten zu hören bekommt, nerven. „Ich wollte eigentlich nur eine einzige Sache kaufen“ oder die mitleidigen Worte „Mensch, bei diesem Wetter hier drinnen zu arbeiten“, sowie die beinahe unverschämte Frage „Kann ich das nicht günstiger bekommen - da ist doch schon eine Druckstelle an der Banane“, sollen dem Bericht von wunderweib.de zufolge Kassierer zur Weißglut treiben.
Was bewirkt der Leitsatz „Der Kunde ist König“?
Die Strategie „Der Kunde ist König“ führt nach Ansicht von Arbeitspsychologen zu verminderter Qualität, gerade im Kundenservice. Angestellte würden sich oftmals unterlegen fühlen und auch vom Arbeitgeber kaum Loyalität erfahren, wenn Kunden schier Unmögliches verlangen oder ihren Frust an der Kasse ablassen. Auch Kundenbeschwerden ‒ ob begründet oder ungerechtfertigt ‒ müssen sich Mitarbeiter, solange der Leitsatz „Der Kunde ist König“ im Handel gilt, mitunter anhören, ohne dem Kunden zu sagen, dass er im Unrecht ist. Doch ständig klein begeben zu müssen, ist auf Dauer frustrierend.
Und irgendwie entwickelt man Verständnis mit dem Verkaufspersonal in Supermärkten und Discountern wie Rewe, Kaufland, Edeka, Lidl oder Aldi. Die Kassiererinnen und Kassierer tuen ihr Bestes, doch manchen Kunden ist das dennoch nicht genug. Wer möchte sich da schon noch eine Beschwerde über eine Mogelpackung oder eine versteckte Preiserhöhung im Discounter anhören?
Rubriklistenbild: © Frank Hoermann/SVEN SIMON/imago

