Verband nimmt Stellung

„Kosten zwischen 3500 und 4500 Euro“: Warum ist der Führerschein so teuer?

  • Michelle Brey
    VonMichelle Brey
    schließen

Die Unabhängigkeit mit Führerschein ist hoch – die Kosten ebenso. Wer die Fahrlizenz erhalten will, benötigt vor allem eins: die finanziellen Mittel.

Frankfurt – Der Erwerb der Fahrlizenz in Deutschland ist teuer. So teuer, dass sich viele wundern. „Habe gerade 3600 Euro gezahlt, ist das normal?“, fragte eine Userin bei Reddit. Die Antwort liefert eine Studie des ADAC. Auf Anfrage von IPPEN.MEDIA fasste der Verkehrsclub im Februar 2024 zusammen: „Wer den Führerschein seit sechs oder weniger Monaten besitzt, zahlte meistens 2500 bis 3500 Euro (46 Prozent). Ein gutes Fünftel (22 Prozent) dieser Personen berichtete sogar von Gesamtkosten zwischen 3500 und 4500 Euro.“

Doch wieso steigen die Führerschein-Preise? Und warum gibt es regionale Unterschiede? Auch der Interessenverband deutscher Fahrlehrer e.V. (IDFL) nahm Stellung.

Die Kosten für den Führerschein im Überblick

Wie der ADAC erklärte, sind Fahrschulen an keine Gebührenordnung gebunden. Eine ähnliche Antwort erhielt IPPEN.MEDIA vom IDFL: Die Höhe der Entgelte für die von Fahrschulen angebotenen Ausbildungen und sonstigen Dienstleistungen werden vom Inhaber der Fahrschulerlaubnis frei, selbständig und in eigener Verantwortung gebildet.“ Dieser Hintergrund dürfte auch erklären, warum die Kosten teils so unterschiedlich sind. Insbesondere in Bayerns Landeshauptstadt sind die Preise für Fahrschüler hoch. In keiner anderen Stadt ist der Führerschein so teuer wie in München.

In einer Fahrschule lernt man das Autofahren. Doch das kostet viel Geld. (Symbolbild)

Grundgebühr, Übungsstunden, Sonderfahrten, Lernmaterialien, die Anmeldungsgebühren für die Prüfungen bei der Fahrschule und dem TÜV/Dekra: Da kommt einiges an Kosten zusammen. Wie der ADAC weiter schreibt, seien die Übungsstunden der größte Kostenpunkt. Je nachdem, wie viel Übung ein Fahrschüler benötigt, kann der Führerschein mehr oder weniger Geld kosten. Eine bestimmte Anzahl an Fahrstunden benötigt jeder Schüler.

  • Grundbetrag: 350 bis 565 Euro
  • Fahrstunden (45 Minuten): circa 55 bis 77 Euro
  • Sonderfahrten: bis zu 95 Euro
  • Lernmaterial: circa 88 bis 119 Euro
  • Anmeldung zur theoretischen Prüfung: 60 bis 137 Euro
  • Anmeldung zur praktischen Prüfung: 169 bis 269 Euro
  • Theoretische Prüfung TÜV/DEKRA: rund 23 Euro
  • Praktische Prüfung TÜV/DEKRA: rund 117 Euro

Entwicklung des Führerschein-Preises: „Ständig steigende Kostenpositionen“

Auf die Frage, warum der Führerschein heutzutage so teuer ist, lautete die Antwort: „Wir haben als ADAC keinen Einblick in die Preisgestaltung der Fahrschule, aber die gestiegenen Kosten lassen sich unserer Ansicht nach unter anderem mit höheren Sprit-, Personal- und Fahrzeuganschaffungskosten erklären.“

„Was nicht nur die regionalen Preisunterschiede der Fahrschule anbetrifft, so muss ein Fahrschulunternehmen ständig steigende Kostenpositionen bei der Kalkulation seiner Preise berücksichtigen“, führte der IDFL aus und nannte mehrere Aspekte. Darunter etwa Raum-, Personal-, KFZ und Werbekosten sowie Inkassogebühren oder Forderungsverluste. Da nicht jede Fahrschule bei jedem Posten die gleichen Kosten habe, könnten sich zwangsläufig auch erhebliche Unterschiede ergeben. Dass der Führerschein günstiger werden könnte – wie in einem Unions-Konzept geplant–, bewertete der IDFL bei IPPEN.MEDIA als „völligen Unsinn“.

Führerschein heutzutage ein „absolutes Luxusgut“

Dass die Kosten so hoch sind, kommt bei vielen Menschen nicht gut an. Ein User bezeichnete den Führerschein als „ein absolutes Luxusgut“. Er könne verstehen, warum viele die Fahrlizenz heutzutage nicht mehr erwerben würden. Er selbst hatte den Schein 2013 gemacht und für die B-Klasse 1250 Euro gezahlt. „Was der Spaß heute kostet, ist schon Wahnsinn“, teilte ein andere Nutzer diese Meinung.

Indes sorgte zum Thema Führerschein auch die EU-Reform für Aufsehen. Seit Ende Februar steht fest: Einen verpflichtenden Gesundheitscheck wird es nicht geben. (mbr)

Rubriklistenbild: © IMAGO/Michael Gstettenbauer