Wetter in Baden-Württemberg

Hochwasser, Starkregen oder Sturzflut – richtiges Verhalten im Notfall

  • Tobias Becker
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Warnungen vor Hochwasser gibt es immer wieder, aber worauf muss man achten, wenn es dann wirklich zum Ernstfall kommt? Es gibt Tipps und Hinweise zur Vor- und Nachsorge.

Die Bilder der Flutkatastrophe aus der Gemeinde Ahrweiler in Rheinland-Pfalz haben viele Menschen auch in Baden-Württemberg noch genau vor Augen. Auch hierzulande gab es in den vergangenen Jahren die ein oder andere Überschwemmung.

Neckar und Rhein traten bereits über die Ufer. Hochwasser-Warnungen gibt es ebenfalls immer wieder. Derzeit halten einige Meteorologen Hochwasser für möglich. Der Grund: Das Wetter in Baden-Württemberg. Doch wie verhält man sich bei Hochwasser?

Hochwasser-Gefahr in Baden-Württemberg: Maßnahme im Vorfeld

Das Land Baden-Württemberg hat die Hochwasservorhersagezentrale, auf der frühzeitig zu sehen sein soll, ob Hochwasser möglich ist und vor allem, wie hoch der Pegel gestiegen ist. Auch ein Lagebericht ist auf der Seite zu sehen, die unter hvz.baden-wuerttemberg.de zu erreichen ist. Für viele Menschen in den betroffenen Gebieten ist es mindestens ebenso wichtig zu wissen, wie man sich bei Hochwasser verhalten sollte.

Generell gibt es schon vor dem Notfall Maßnahmen, die zum Eigenschutz dienen. Baden-Württemberg hat vier Schritte erläutert. Demnach geht es im ersten Schritt darum, ob man von hohen Flusspegeln oder Hochwasser durch Starkregen betroffen sein kann. Im zweiten Schritt sollte die Versicherung vor Schäden durch Hochwasser oder Starkregen bestehen, die sogenannte Elementarversicherung. Dazu zählen aber auch finanzielle Rücklagen und der Schutz des Autos darf ebenso nicht vergessen werden.

Der Schutz des Wohnhauses ist der dritte Schritt, den es zu prüfen gilt. „Ist mein Wohngebäude vor Hochwasser und Starkregen geschützt?“, wird die Frage auf der Infoseite gestellt. Im vierten und letzten Schritt geht es um die Vorbereitung auf den Ernstfall. So sollte man einen privaten Notfallplan haben, sich fragen, ob Nachbarschaftshilfe besteht und einen Notfallrucksack parat haben. Die Packliste hat das Ministerium für Umwelt, Klima und Energiewirtschaft Baden-Württemberg zusammengefasst:

Diese Packliste für den Notfallrucksack gilt bei Hochwasser-Gefahr.

Wie verhält man sich bei Hochwasser? Diese Tipps helfen, die Gefahr zu überstehen

Wenn das Hochwasser auf dem Weg ist, gilt es keine Zeit zu verlieren, um möglichst unbeschadet aus der Gefahrenlage hervorzugehen. Dazu gibt es drei verschiedene Zeitstufen, die das Land Baden-Württemberg auf der Infoseite erklärt. Von „nur noch wenige Stunden bis das Hochwasser kommt“ bis „Hochwasser fließt in das Haus“ gibt es verschiedene Dinge zu beachten.

So sollten „wenige Stunden“ vor dem Hochwasser, Erreichbarkeiten geklärt, aber auch wertvolle Gegenstände in Sicherheit gebracht werden. Der Notfallrucksack sollte gepackt sein und man sollte wissen, wo der Hauptzugang zu Strom, Heizung und den Haupthähnen für Gas und Öl liegen. Auch wichtig: Hilfsbedürftige Menschen in Sicherheit bringen und das Auto aus der Gefahrenzone fahren.

Die Stunden der Katastrophe – wenn Hochwasser in Baden-Württemberg anrollt

Eine Stunde vor dem Hochwasser rennt die Zeit davon. Fluchtwege müssen freigemacht werden, also Türen verkeilen oder noch besser: aushängen! Der mobile Hochwasserschutz sollte installiert, Strom und Heizung abgeschaltet werden. Dazu zählt es, auf dem Laufenden zu bleiben und sich über den aktuellen Lagestand zu informieren. Ist das Hochwasser dann da, gibt das Land Baden-Württemberg folgende Hinweise:

  • mit dem Notfallrucksack in höheres Stockwerk begeben
  • Nicht in Keller oder Tiefgaragen gehen
  • von (teil-)überfluteten Straßen und Flächen fernhalten
  • Wasserkontakt vermeien
  • kein Privatboot nutzen
  • Feuerwehr nur im Notfall anrufen
  • über Lage informieren (ein Radio hilft)

Einen ähnlichen Notfallplan gab es in den vergangenen Monaten immer wieder für den Fall eines Blackouts, also eines langfristigen, flächendeckenden Stromausfalls. Auch darüber hat echo24.de bereits berichtet und erklärt, was man im Notfall bei einem Blackout zu Hause benötigt.

Nach dem Hochwasser: Darauf sollte man achten

Wenn das Hochwasser vorbei ist, gilt es Schäden zu dokumentieren, den Wasserstand am Haus zu markieren. Natürlich sollten Schlamm abtransportiert und das Wasser etappenweise abgepumpt werden. Es wird davor gewarnt, Keller und andere vollgelaufene Räume direkt abzupumpen. Erst wenn das Hochwasser vollständig abgelaufen ist, sind diese Räume dran, damit das Mauerwerk nicht dauerhaft Schaden nimmt oder das Haus gar an Standfestigkeit verliert.

Sind Schadstoffe ausgetreten, sollte die Feuerwehr kontaktiert werden. Für die Aufräumarbeiten kann man zwar Firmen engagieren, es geht aber auch selber. Dazu benötigt man wiederum ein paar Utensilien, wie Gummistiefel, Schaufeln, Werkzeugkasten, Eimer, feste Müllsäcke und zur genannten Dokumentation natürlich auch einen Fotoapparat oder das Mobiltelefon.

Hochwasser in Baden-Württemberg: Braunsbach 2016, Flutkatastrophe 2021

Gerade der Rhein und Neckar sind immer wieder Teil von Hochwasser-Warnungen. Im Jahr 2021 gab es die „höchsten Unwetter-Schäden der Geschichte“, wie „SWR“ schreibt. Damals sorgten das Sturmtief „Bernd“, Überschwemmungen, Hagel, Starkregen und Hochwasser in NRW, Rheinland-Pfalz, Bayern und Baden-Württemberg für Milliardenschäden und über 150 Tote.

In Braunsbach gab es 2016 eine Unwetter-Katastrophe.

Infolgedessen hatte sich Baden-Württembergs Ministerpräsident Winfried Kretschmann dafür eingesetzt, dass für Hausbesitzer eine Pflicht zur Elementarversicherung bestehen solle. echo24.de berichtete auch über eine Warnapp, die vor gefährlichen Sturzfluten warnen soll. Dabei war die Katastrophe 2021 gar nicht ausschlaggebend, denn schon 2016 gab es in Braunsbach (Hohenlohekreis) eine Sturzflut ungeahnten Ausmaßes.

Rubriklistenbild: © dpa

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