Offene Worte

Was Oliver Kahn beim Nagelsmann-Rauswurf zutiefst bereut

  • Philipp Kuserau
    VonPhilipp Kuserau
    schließen

Rund ein Jahr nach seiner Entlassung steht Julian Nagelsmann offenbar vor einer Rückkehr nach München. Ex-FCB-Chef Kahn spricht nun über die damalige Trennung.

München – Die Uhren beim FC Bayern stehen nie still. Neben dem sportlichen Fokus, den der Verein weltweit seit je her auf sich zieht, ging es in der Vergangenheit oftmals auch intern chaotisch zu. Nicht umsonst trägt der deutsche Rekordmeister den Spitznamen ‚FC Hollywood‘.

Besonders unruhig dürfte es auch in den Tagen vor und nach dem 23. März 2023 an der Säbener Straße zugegangen sein. Am Abend jenes Tages sickerte die Nachricht an die Öffentlichkeit, dass der FC Bayern kurzerhand beschlossen hätte, Trainer Julian Nagelsmann zu entlassen. Am Tag darauf folgte dann die offizielle Bestätigung. Ein gutes Jahr später spricht Ex-FCB-Vorstand Oliver Kahn, der zusammen mit Hasan Salihamidžić bei der Entlassung Nagelsmanns die Strippen gezogen hat, über die im Rückblick umstrittene Maßnahme.

Kahn spricht über Nagelsmann-Entlassung

„Entscheidungen muss man immer im zeitlichen Kontext sehen, in dem sie getroffen wurden“, erinnert sich Kahn im Interview mit der Sport Bild. „Wir haben damals den sportlichen Erfolg gefährdet gesehen und deshalb diese bestimmt nicht einfache Entscheidung getroffen.“

Schon damals rief die Beurlaubung Nagelsmanns vielerorts ein Echo der Kritik hervor. Immerhin hatte der FC Bayern zu dieser Zeit noch in allen drei Wettbewerben Titelchancen. Zwar ging in der Liga die Tabellenführung an Borussia Dortmund flöten – in der Champions League jedoch hatten die Bayern soeben Paris St.-Germain aus dem Achtelfinale (1:0 im Hinspiel, 2:0 im Rückspiel) geworfen.

Bayern sicherte sich unter Tuchel elfte Meisterschaft infolge – am letzten Spieltag der Saison

„Drei Titel haben wir zwar nicht gewinnen können, sind aber immerhin noch Deutscher Meister geworden“, argumentiert Kahn im Gespräch mit der Sport Bild. Unter dem neuen Coach Thomas Tuchel, der wiederum im kommenden Sommer seinen Hut nehmen muss, sicherten sich die Münchner erst am letzten Spieltag die elfte Meisterschaft infolge.

Ob die Entscheidung, mitten in der Saison Nagelsmann mit Tuchel zu ersetzen, aus sportlicher Sicht Sinn ergeben hat, ist zumindest diskutabel. Unstrittig scheint jedoch, dass der Prozess rund um die Entlassung des aktuellen deutschen Bundestrainers gelinde ausgedrückt unglücklich verlief. Das sieht auch Kahn so.

Im März 2023 wurde Julian Nagelsmann beim FC Bayern entlassen. Im damaligen Entscheidungsprozess involviert: Oliver Kahn.

Kahn über Nagelsmann-Aus: „Das ist nicht gut abgelaufen, und das beschäftigt mich heute noch“

„Ich habe schon öfter gesagt, dass ich es ganz schlecht fand, wie diese Entscheidung dann umgesetzt wurde“, zeigt der 54-Jährige ein gutes Jahr nach dem Nagelsmann-Aus Reue. „Das ist nicht gut abgelaufen, und das beschäftigt mich heute noch.“ Auch Bayerns Ehrenpräsident Uli Hoeneß bezeichnete den Rauswurf Nagelsmanns im Nachgang als einen Fehler.

Der Fußball ist jedoch bekanntlich ein schnelllebiges Geschäft und mittlerweile deutet vieles darauf hin, dass Nagelsmann rund ein Jahr nach seiner Entlassung zum FC Bayern zurückkehren könnte.

Comeback von Nagelsmann beim FC Bayern? „Warum soll er nicht eines Tages zurückkehren?“

„Warum soll er nicht eines Tages zurückkehren, nachdem er weitere Erfahrungen gemacht hat?“, meint Kahn im Sport-Bild-Interview. „Das war mit einigen Bayern-Trainern so, allen voran Jupp Heynckes, aber auch Giovanni Trapattoni und Ottmar Hitzfeld, die allerdings in eher reiferem Alter zu Bayern München zurückgekehrt sind.“

Tuchel-Nachfolger beim FC Bayern: Die Kandidaten-Liste in der Übersicht

Der niederländische Coach Erik ten Hag ist bei seinem aktuellen Klub Manchester United nicht unumstritten. Es ist möglich, dass sich beide Parteien im Sommer trennen. Laut Ex-Profi und Insider Jan Aage Fjörtoft scheint sogar ein Trainertausch mit FCB-Noch-Coach Tuchel nicht ausgeschlossen, wie der Norweger auf X schreibt.
Der frühere Bayern-Profi und spätere Reserve-Coach Martín Demichelis wird immer wieder von Experten als mögliche Übergangslösung auf der Trainerbank genannt, die im Erfolgsfall zur Dauerlösung werden könnte. Demichelis trainiert aktuell den argentinischen Spitzenklub River Plate. Trotz einiger Erfolge und der Meisterschaft im letzten Jahr ist der Coach in Buenos Aires nicht unumstritten. Die Argentinier könnten Demichelis bei einem tatsächlichen Bayern-Interesse ziehen lassen.
Der arbeitslose Spanier Julen Lopetegui ist ebenfalls einer der Kandidaten. Der FC Bayern muss sich laut Sky aber mit Premier-League-Klub West Ham United um den früheren Coach von Real Madrid streiten, die den Coach ebenfalls verpflichten wollen.
Zwischen Zinédine Zidane und dem FC Bayern soll es laut der italienischen Sportzeitung Corriere dello Sport bereits Kontakt gegeben haben. Laut Sportbild kommt ein Engagement des dreimaligen Weltfußballers in München aber nicht infrage, weil er einen Verein trainieren wolle, dessen Sprache er beherrsche. Für den Franzosen, der langfristig als designierter Nachfolger von Frankreichs Nationaltrainer Didier Deschamps gilt, wäre ein Engagement in der bayerischen Landeshauptstadt die erste Trainerstation seit seinem Ausscheiden bei Real Madrid 2021. Als Coach der „Königlichen“ gewann er in zwei Amtszeiten unter anderem zweimal die spanische Meisterschaft und dreimal die Champions League.
Tuchel-Nachfolger beim FC Bayern: Die Kandidaten-Liste in der Übersicht

Eine finale Entscheidung Nagelsmanns wird seinem Berater Volker Struth zufolge in den kommenden Tagen erwartet. Mit Noch-Trainer Tuchel konnten die Bayern am Mittwoch dagegen den Halbfinal-Einzug in der Champions League klarmachen. (kus)

Rubriklistenbild: © IMAGO/Frank Hoermann / SVEN SIMON