Transfer-Debakel und die Folgen

FC Bayern verzockt sich am Deadline Day: Transfer-Flop könnte plötzlich wieder wichtig werden

  • Christoph Klaucke
    VonChristoph Klaucke
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Der FC Bayern findet auf dem Transfermarkt keinen neuen Abwehrspieler. Die Münchner haben sich offensichtlich verzockt. Ein Transfer-Flop könnte in die Bresche springen.

München – Aus, Schluss, Vorbei! Das Transferfenster ist in Deutschland seit Freitag, 18 Uhr, geschlossen. Nichts geht mehr – auch für den FC Bayern nicht.

Bouna Sarr
Geboren:31. Januar 1992 (Alter 31 Jahre), Lyon, Frankreich
Position:Rechtsverteidiger
Vertrag bis:30.06.2024
Spiele für den FC Bayern:28 (ein Tore, drei Vorlagen)

FC Bayern zwischen Kane-Euphorie und Transfer-Pleite

Der FC Bayern hat einen Transfersommer erlebt, der wohl nicht so schnell in Vergessenheit geraten wird. Nach langem Poker wurde am 12. August Mittelstürmer Harry Kane für eine Rekordablöse verpflichtet, zuvor kam bereits mit Minjae Kim der Wunschspieler für die Innenverteidigung.

Zu diesem Zeitpunkt lief für die Münchner auf dem Transfermarkt alles nach Plan. Was jedoch am Deadline Day am 31. August passieren sollte, hätten sich die Bayern wohl nicht einmal in ihren schlimmsten Albträumen vorstellen können.

Bouna Sarr könnte beim FC Bayern in dieser Saison wieder öfter auf dem Platz stehen.

FC Bayern erlebt Transfer-Debakel am Deadline Day

Der Wechsel von Mittelfeldspieler Joao Palhinha platzte buchstäblich in letzter Sekunde. Der Portugiese war bereits in München und hatte den Medizincheck absolviert. Der Vertrag lag bereits zur Unterschrift auf dem Tisch. Fulham ließ den Transfer, der dem Premier-League-Club dem Vernehmen nach rund 65 Millionen Euro einbringen sollte, jedoch scheitern. 

Angeblich war die Zeit zu knapp, rechtzeitig Ersatz zu finden. Für Palhinha ging es im Flugzeug wieder zurück nach London. Und die Bayern dürften sich auf dem Transfermarkt vorgeführt vorgekommen sein.

Die größten Flop-Transfers des FC Bayern München

Breno, von Januar 2008 bis 2012 beim FC Bayern, 12 Millionen Euro Ablöse, 33 Spiele für den FC Bayern. 
Im Winter 2008 kam der hochtalentierte Innenverteidiger für eine beachtliche Ablösesumme vom FC São Paulo nach München. Schwere Knieverletzungen warfen den Brasilianer immer wieder zurück. Nachdem er unter Alkohol- und Medikamenteneinfluss 2011 sein Haus in Grünwald in Brand setzte, wurde er zu 3 Jahren und 9 Monaten Haft verurteilt. Nach seiner frühzeitigen Haftentlassung kehrte Breno zu seinen Jugendverein São Paulo zurück.
Edson Braafheid, von 2009 bis Januar 2011 beim FC Bayern, 2 Millionen Euro Ablöse, 19 Spiele für den FC Bayern.
Als Wunschtransfer von Louis van Gaal an die Säbener Straße gekommen, fand sich der Niederländer meistens auf der Bank wieder. Wurde 2010 für ein halbes Jahr an Celtic Glasgow verliehen und verließ Anfang 2011 München ablösefrei in Richtung Hoffenheim.
Danijel Pranjić, von 2009 bis 2012 beim FC Bayern, 7,7 Millionen Euro Ablöse, 85 Spiele für den FC Bayern. 
Für eine satte Ablöse wechselte der Kroate vom SC Heerenveen an die Säbener Straße. Genauso wie Braafheid ein Wunschtransfer von Louis van Gaal. Kam Pranjić unter dem Niederländer noch regelmäßig zum Einsatz, änderte sich dies in der Saison 2011/12 unter Jupp Heynckes. Der Vertrag wurde nicht verlängert und der Außenverteidiger verließ ablösefrei den Verein zu Sporting Lissabon. Ein sattes Minusgeschäft für den FC Bayern.
Landon Donovan, von Januar bis März 2009 beim FC Bayern, ausgeliehen, 7 Einsätze (kein Tor) für den FC Bayern.
Ausgeliehen von LA Galaxy während der Klinsmann-Ära, konnte der US-Boy auch im zweiten Anlauf in Deutschland nicht durchstarten (zuvor bei Bayer Leverkusen). Die Verantwortlichen in München waren froh, dass sie keiner festen Verpflichtung zugestimmt hatten und so trennten sich die Wege schnell wieder. In den folgenden Jahren wurde Donovan von Los Angeles zweimal zum FC Everton ausgeliehen. Auch hier blieb es bei Kurzbeschäftigungen.
Die größten Flop-Transfers des FC Bayern München

FC Bayern gräbt sich Abwehr-Loch

Damit nicht genug: Auch im Defensivbereich kam kein Transfer mehr zustande. Armel Bella-Kotchap oder Trevoh Chalobah, die als Kandidaten gehandelt wurden, fanden nicht den Weg nach München. Mit Minjae Kim, Matthijs de Ligt und Dayot Upamecano stehen nur drei gestandene Innenverteidiger im Kader.

Gerade auf der rechten Abwehrseite mangelt es nach den Abgängen von Josip Stanisic und Benjamin Pavard nun an Alternativen. „Das ist eine große Lücke, die da klafft“, sagte Tuchel.

FC Bayern verzockt sich am Deadline Day: Transfer-Flop Sarr könnte plötzlich wieder wichtig werden

Noussair Mazroui ist konkurrenzlos gesetzt. Ersatz? Fehlanzeige! Im Notfall müsste Mittelfeldläufer Konrad Laimer hinten rechts aushelfen. Eine riskante Konstellation. Allerdings hätten die Bayern noch eine weitere Option zur Verfügung, die fast in Vergessenheit geraten ist.

Bouna Sarr! Richtig gehört. Der Rechtsverteidiger, der seit Jahren keine Rolle mehr spielt, will seinen Vertrag in München bis 2024 aussitzen. Heißt: In der kommenden Saison könnte der Senegalese aufgrund der prekären Personalsituation plötzlich doch nochmal wichtig werden und die Back-up-Rolle einnehmen, für die er einst vor drei Jahren am Deadline Day für acht Millionen Euro Ablöse von Olympique Marseille geholt wurde.

Bouna Sarr stand letzte Saison zwei Minuten auf dem Platz

Sarr verdient in München rund drei Millionen Euro im Jahr. Der 31-Jährige brachte es bislang nur auf 28 Einsätze, in der vergangenen Saison stand er gerade mal zwei Minuten auf dem Platz.

In der aktuellen Saison könnte Sarr auf mehr Spielzeit kommen, allerdings scheint FCB-Coach Tuchel kein großer Fan des offensivfreudigen Außenverteidigers zu sein. Deshalb spielte Sarr auch für die Bayern-Aufstellung gegen Gladbach keine große Rolle. (ck)

Rubriklistenbild: © Nils Koepke/Imago