Verantwortliche mit Einfluss

Hat Matthijs de Ligt den FC Bayern gegen den Wunsch von Trainer Kompany verlassen?

  • Stefan Schmid
    VonStefan Schmid
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Der Abwehrspieler hat den FC Bayern München hinter sich gelassen. Aber die Geräuschkulisse hört nicht auf und die nächste Runde beginnt.

München/Manchester – Um ihn sollte eine neue, langfristige Defensive beim FC Bayern gebaut werden. Nach gerade einmal zwei Jahren hat Matthijs de Ligt die Münchner aber schon wieder verlassen. Gegen den Willen von Neu-Trainer Vincent Kompany, wie eine interne Quelle ausgesagt haben soll. Ist das schon der erste kleine Streit zwischen Coach und sportlicher Leitung an der Säbener Straße?

FC Bayern: Matthijs de Ligt bekam von Kompany den Rücken gestärkt

Obwohl nach der Entscheidung, sich von Thomas Tuchel zu trennen, zunächst einiges auf einen Verbleib de Ligts beim FC Bayern hindeutete, kehrten sich schon vor der Europameisterschaft die Vorzeichen um. Hinweise darauf, dass man den Innenverteidiger abgeben wolle, verdichteten sich zusehends. Nicht unbemerkt von de Ligt selbst, der daraufhin das Gespräch suchte.

Wie The Athletic unter Berufung auf eine „de Ligt nahestehende Quelle“ berichtet, soll dieser sich mit Neu-Trainer Vincent Kompany getroffen haben. Und Kompany? Der erklärte dem Niederländer, dass er sein „Verteidiger Nummer Eins“ sei, aber nicht für die Entscheidung verantwortlich sei.

Wer also ist dann für die Entscheidung hinter dem Abgang von Matthijs de Ligt verantwortlich? Einige Namen drängen sich auf.

Von Vincent Kompany wohl hoch geschätzt, musste Matthijs de Ligt die Bayern trotzdem verlassen.

Meinungsverschiedenheit zwischen Bayern-Verantwortlichen und Kompany?

Zuallererst sind es die sportlichen Entscheider, die am Transfer von de Ligt zu Manchester United beteiligt waren. Das sind Sportdirektor Christoph Freund und Sportvorstand Max Eberl, auf die wiederum Uli Hoeneß Druck ausübte. Und die, glaubt man dem Bericht des US-Magazins, wollten de Ligt verkaufen – ob mit oder ohne das Einverständnis ihres neu eingestellten Trainers.

Hat der FC Bayern also schon den ersten internen Streit unter der Regie von Vincent Kompany hinter sich? Der Verein verneint das. Auf eine Nachfrage von The Athletic dementierte ein Sprecher, dass Kompany sich so geäußert habe.

Die größten Flop-Transfers des FC Bayern München

Breno, von Januar 2008 bis 2012 beim FC Bayern, 12 Millionen Euro Ablöse, 33 Spiele für den FC Bayern. 
Im Winter 2008 kam der hochtalentierte Innenverteidiger für eine beachtliche Ablösesumme vom FC São Paulo nach München. Schwere Knieverletzungen warfen den Brasilianer immer wieder zurück. Nachdem er unter Alkohol- und Medikamenteneinfluss 2011 sein Haus in Grünwald in Brand setzte, wurde er zu 3 Jahren und 9 Monaten Haft verurteilt. Nach seiner frühzeitigen Haftentlassung kehrte Breno zu seinen Jugendverein São Paulo zurück.
Edson Braafheid, von 2009 bis Januar 2011 beim FC Bayern, 2 Millionen Euro Ablöse, 19 Spiele für den FC Bayern.
Als Wunschtransfer von Louis van Gaal an die Säbener Straße gekommen, fand sich der Niederländer meistens auf der Bank wieder. Wurde 2010 für ein halbes Jahr an Celtic Glasgow verliehen und verließ Anfang 2011 München ablösefrei in Richtung Hoffenheim.
Danijel Pranjić, von 2009 bis 2012 beim FC Bayern, 7,7 Millionen Euro Ablöse, 85 Spiele für den FC Bayern. 
Für eine satte Ablöse wechselte der Kroate vom SC Heerenveen an die Säbener Straße. Genauso wie Braafheid ein Wunschtransfer von Louis van Gaal. Kam Pranjić unter dem Niederländer noch regelmäßig zum Einsatz, änderte sich dies in der Saison 2011/12 unter Jupp Heynckes. Der Vertrag wurde nicht verlängert und der Außenverteidiger verließ ablösefrei den Verein zu Sporting Lissabon. Ein sattes Minusgeschäft für den FC Bayern.
Landon Donovan, von Januar bis März 2009 beim FC Bayern, ausgeliehen, 7 Einsätze (kein Tor) für den FC Bayern.
Ausgeliehen von LA Galaxy während der Klinsmann-Ära, konnte der US-Boy auch im zweiten Anlauf in Deutschland nicht durchstarten (zuvor bei Bayer Leverkusen). Die Verantwortlichen in München waren froh, dass sie keiner festen Verpflichtung zugestimmt hatten und so trennten sich die Wege schnell wieder. In den folgenden Jahren wurde Donovan von Los Angeles zweimal zum FC Everton ausgeliehen. Auch hier blieb es bei Kurzbeschäftigungen.
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De Ligt über Bayern-Abschied schließlich doch glücklich

Und de Ligt? Der ist nach seinem 45 Millionen Euro teuren Transfer nach Manchester glücklich. Kein Wunder, denn wie der Insider berichtet, habe man im Lager von Matthijs de Ligt bei Gesprächen über die Zukunft beim FCB schon früh den Eindruck gehabt, man würde „ein Spielchen spielen“ und ihn loswerden wollen.

Lange ging es dann hin und her zwischen den „Red Devils“ und dem FC Bayern München, ehe man sich auf eine Ablöse einigen konnte. Heraus kam eine Summe, die den Münchnern nach zwei Neueinkäufen für jeweils knapp über 50 Millionen Euro (Michael Olise und Joao Palhinha) gut zu Gesicht steht. Ganz abgesehen vom aktuellen Gesamtstand (22. August) der Transferausgaben, der bei circa 140 Millionen Euro stehen soll. (sch)

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