Auch Hoeneß wird erwähnt

„Was hat er sich dabei gedacht?“ Matthäus zerlegt Tuchel noch während des Spiels

  • Stefan Schmid
    VonStefan Schmid
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Vor dem Spiel wählte Matthäus seine Worte gegenüber Tuchel mit Bedacht. Das Spiel lief noch, da lederte der TV-Experte aber dann schon richtig los.

Leverkusen – Die Jüngeren unter den Zuschauern können sich wohl gar nicht mehr an ein Spiel erinnern, in dem der FC Bayern so vorgeführt wurde wie bei der Niederlage in Leverkusen. Ein Grund unter vielen war auch das taktische Experiment von Thomas Tuchel. Das erkannte auch TV-Experte Lothar Matthäus, der noch während des laufenden Spiels deutlich wurde.

Nach dem Spiel schüttelten sich die Hände, doch während des Spiels schimpfte Lothar Matthäus über die Entscheidungen Tuchels.

Tuchels Aufstellung gegen Leverkusen ruft harte Kritik und viele Frage hervor

Schon vor dem Beginn der Partie sorgte die Aufstellung des FC Bayern für einige Spekulationen. Was hatte Thomas Tuchel geplant? Eine Fünferkette aus Respekt vor den Stärken Leverkusens? Oder eine Dreierkette, um mehr offensive Durchschlagskraft zu schaffen?

Ganz genau ließ sich das auch nach dem Spiel nicht beantworten. Bei der 0:3-Niederlage war weder offensive Power noch defensive Stabilität zu erkennen. Lothar Matthäus, der sich wohl unter dem Eindruck vergangener Streitigkeiten vor dem Spiel noch bewusst vorsichtig zu Thomas Tuchel äußerte, lieferte in der Schlussphase eine Generalabrechnung.

„Was hat sich Thomas Tuchel dabei gedacht?“, fragte Matthäus ins Mikrofon. „Kim (Anm. d. Red.: Minjae) ist erst vom Asien-Cup zurück und de Ligt ist auf der Bank.“ Der Rekordnationalspieler fragte sich, warum ein von Länderspielreisen geschwächter Minjae Kim auf Biegen und Brechen in die Startelf musste, währen ein fitter Matthijs de Ligt auf der Bank versauert.

Einen will Matthäus nicht in Generalkritik am FC Bayern einschließen

In seiner Kritik, die mehr einer Schimpftirade glich, kam Matthäus auch auf weitere Spieler zu sprechen. Ihr Fett bekamen explizit auch die beiden Winterneuzugänge Sacha Boey und Eric Dier weg. Außerdem kämen manche Spieler – an wen er in diesem speziellen Fall dachte, lies Matthäus offen – „mit dem Tempo nicht klar“, das Leverkusen an den Tag legte.

Insgesamt ließ Matthäus kein gutes Haar an der Bayern-Startelf. Einzig Youngster Aleksander Pavlovic nahm er aus seiner Kritik etwas aus. Das Spiel sei für ihn zwar „vielleicht eine Nummer zu groß“, in die Pflicht für das katastrophale Auftreten wollte Matthäus den jungen Spieler aber nicht nehmen.

Die größten Flop-Transfers des FC Bayern München

Breno, von Januar 2008 bis 2012 beim FC Bayern, 12 Millionen Euro Ablöse, 33 Spiele für den FC Bayern. 
Im Winter 2008 kam der hochtalentierte Innenverteidiger für eine beachtliche Ablösesumme vom FC São Paulo nach München. Schwere Knieverletzungen warfen den Brasilianer immer wieder zurück. Nachdem er unter Alkohol- und Medikamenteneinfluss 2011 sein Haus in Grünwald in Brand setzte, wurde er zu 3 Jahren und 9 Monaten Haft verurteilt. Nach seiner frühzeitigen Haftentlassung kehrte Breno zu seinen Jugendverein São Paulo zurück.
Edson Braafheid, von 2009 bis Januar 2011 beim FC Bayern, 2 Millionen Euro Ablöse, 19 Spiele für den FC Bayern.
Als Wunschtransfer von Louis van Gaal an die Säbener Straße gekommen, fand sich der Niederländer meistens auf der Bank wieder. Wurde 2010 für ein halbes Jahr an Celtic Glasgow verliehen und verließ Anfang 2011 München ablösefrei in Richtung Hoffenheim.
Danijel Pranjić, von 2009 bis 2012 beim FC Bayern, 7,7 Millionen Euro Ablöse, 85 Spiele für den FC Bayern. 
Für eine satte Ablöse wechselte der Kroate vom SC Heerenveen an die Säbener Straße. Genauso wie Braafheid ein Wunschtransfer von Louis van Gaal. Kam Pranjić unter dem Niederländer noch regelmäßig zum Einsatz, änderte sich dies in der Saison 2011/12 unter Jupp Heynckes. Der Vertrag wurde nicht verlängert und der Außenverteidiger verließ ablösefrei den Verein zu Sporting Lissabon. Ein sattes Minusgeschäft für den FC Bayern.
Landon Donovan, von Januar bis März 2009 beim FC Bayern, ausgeliehen, 7 Einsätze (kein Tor) für den FC Bayern.
Ausgeliehen von LA Galaxy während der Klinsmann-Ära, konnte der US-Boy auch im zweiten Anlauf in Deutschland nicht durchstarten (zuvor bei Bayer Leverkusen). Die Verantwortlichen in München waren froh, dass sie keiner festen Verpflichtung zugestimmt hatten und so trennten sich die Wege schnell wieder. In den folgenden Jahren wurde Donovan von Los Angeles zweimal zum FC Everton ausgeliehen. Auch hier blieb es bei Kurzbeschäftigungen.
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Matthäus windet sich um Frage und bringt Uli Hoeneß ins Spiel

Nach dem Spiel hatte Matthäus seine Gefühle allem Anschein dann wieder etwas besser im Griff. Er bescheinigte zwar einen „Klassenunterschied“ zwischen Bayern und Bayer, doch die Frage, ob sich Tuchel vercoacht hätte, wollte der Experte nicht klar beantworten: „Was heißt vercoacht? Er hat was versucht und das hat nicht funktioniert.“

Auch zur Frage des experimentellen Spielsystems hatte Matthäus nach dem Spiel noch einen interessanten Punkt beizusteuern. Er glaube, „auch Uli Hoeneß gefällt diese Systemänderung nicht“. Mit der Feststellung, dass es „heute einfach nicht funktioniert“ habe, dürfte Matthäus dann aber wieder im allgemeinen Stimmungsbild liegen. (sch)

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