Sportvorstand bastelt am neuen FCB

Keine Zeit zur Eingewöhnung: Erster Kader-Alarm beim FC Bayern für Eberl

  • Manuel Bonke
    VonManuel Bonke
    schließen
  • Philipp Kessler
    Philipp Kessler
    schließen

Am Dienstag wird Max Eberl als neuer Sportvorstand des FC Bayern offiziell vorgestellt. Danach stehen für den langjährigen Bundesliga-Manager wichtige Kaderentscheidungen an.

München – Der Zeitplan von Max Eberl ist eng getaktet: Am Montag wurde er vom mächtigen Aufsichtsrat, der ab 17 Uhr in der Allianz Arena tagte, zum neuen Sportvorstand des FC Bayern berufen. Am Dienstagvormittag folgt dann sein erster öffentlicher Auftritt: Eberl wird im Rahmen einer Pressekonferenz im Fröttmaninger Stadion offiziell vorgestellt.

Neu-Sportvorstand Eberl soll dem Kader des FCB eine Radikalkur verpassen

Und dann kann der 50-Jährige endlich ins operative Geschäft eingreifen. Die sportlichen Kompetenzen im Vorstand sollen komplett in Eberls Händen liegen. Das kündigte Präsident und Aufsichtsratsvorsitzender Herbert Hainer bereits an: „Der Sport steht bei uns in vorderster Reihe. Und dafür sollten wird auch im Vorstand einen haben, der für den Sport verantwortlich ist.“

Die Aufgabenliste von Eberl ist lang. Es rumort derzeit nicht nur wegen Thomas Tuchel an der Säbener Straße, sondern auch im Team hinter dem Team und in der Nachwuchsabteilung. Doch größte Priorität hat neben der Suche nach einem neuen Chefcoach die Radikalkur, die Eberl der Bayern-Mannschaft verpassen soll – und auch muss.

Auf den neuen Bayern-Sportvorstand Max Eberl wartet prompt viel Arbeit.

Eberl stellt Bayern-Kader auf den Prüfstand – Dreesen-Aussagen verwundern

Mit zu hohen Verträgen, aber zu wenig Titelhunger sei das aktuelle Team ausgestattet, so die interne Meinung. Abgesehen von Torhüter Manuel Neuer, Vize-Kapitän Thomas Müller, Torjäger Harry Kane, Abwehrstar Minjae Kim und Ausnahmefußballer Jamal Musiala werden alle auf den Prüfstand gestellt. Daher sorgt es für Verwunderung, dass sich Vorstandschef Jan-Christian Dreesen eine Diskussion über den Zustand des Kaders verbittet.

„Es ist nicht angemessen, über die Qualität der Mannschaft zu reden. Wir haben eine hervorragende Qualität“, sagte Dreesen nach dem 2:1 gegen RB Leipzig und betonte: „Ich darf daran erinnern, dass wir nicht nur mit Harry Kane einen Weltklasse-Stürmer geholt haben, sondern auch mit Minjae Kim den besten Verteidiger der Serie A. Insofern kann ich nicht sehen, dass wir im Transfersommer nur Schlechtes gemacht haben. Ganz im Gegenteil.“

Tuchel-Nachfolger beim FC Bayern: Die Kandidaten-Liste in der Übersicht

Der niederländische Coach Erik ten Hag ist bei seinem aktuellen Klub Manchester United nicht unumstritten. Es ist möglich, dass sich beide Parteien im Sommer trennen. Laut Ex-Profi und Insider Jan Aage Fjörtoft scheint sogar ein Trainertausch mit FCB-Noch-Coach Tuchel nicht ausgeschlossen, wie der Norweger auf X schreibt.
Der frühere Bayern-Profi und spätere Reserve-Coach Martín Demichelis wird immer wieder von Experten als mögliche Übergangslösung auf der Trainerbank genannt, die im Erfolgsfall zur Dauerlösung werden könnte. Demichelis trainiert aktuell den argentinischen Spitzenklub River Plate. Trotz einiger Erfolge und der Meisterschaft im letzten Jahr ist der Coach in Buenos Aires nicht unumstritten. Die Argentinier könnten Demichelis bei einem tatsächlichen Bayern-Interesse ziehen lassen.
Der arbeitslose Spanier Julen Lopetegui ist ebenfalls einer der Kandidaten. Der FC Bayern muss sich laut Sky aber mit Premier-League-Klub West Ham United um den früheren Coach von Real Madrid streiten, die den Coach ebenfalls verpflichten wollen.
Zwischen Zinédine Zidane und dem FC Bayern soll es laut der italienischen Sportzeitung Corriere dello Sport bereits Kontakt gegeben haben. Laut Sportbild kommt ein Engagement des dreimaligen Weltfußballers in München aber nicht infrage, weil er einen Verein trainieren wolle, dessen Sprache er beherrsche. Für den Franzosen, der langfristig als designierter Nachfolger von Frankreichs Nationaltrainer Didier Deschamps gilt, wäre ein Engagement in der bayerischen Landeshauptstadt die erste Trainerstation seit seinem Ausscheiden bei Real Madrid 2021. Als Coach der „Königlichen“ gewann er in zwei Amtszeiten unter anderem zweimal die spanische Meisterschaft und dreimal die Champions League.
Tuchel-Nachfolger beim FC Bayern: Die Kandidaten-Liste in der Übersicht

Eberl droht in ersten Wochen als Bayern-Sportvorstand der erste Kader-Alarm

Die voraussichtlich Titelausbeute diese Saison (null) lässt auf etwas anderes schließen. An dieser Stelle kommt Eberl ins Spiel, dem in seinen ersten Wochen als Sportvorstand gleich ein Kader-Alarm droht. Unter anderem laufen die Verträge von Alphonso Davies, Leroy Sané und Joshua Kimmich am 30. Juni 2025 aus. Gemeinsam erreicht das Trio einen Marktwert von 225 Millionen Euro.

Will Eberl Erlöse erzielen, müsste er die Spieler im kommenden Sommer verkaufen – ansonsten droht ein Jahr später ein ablösefreier Abgang und leere Verkaufskassen. Aber welche Vereine sind bereit, das fürstliche Gehalt zu zahlen? Oder werden die Papiere doch verlängert? Und zu welchen Konditionen? Fragen über Fragen, zu der sich auch die um die Zukunft von Leon Goretzka (Vertrag bis 2026) stellt. Der Mittelfeldspieler war bereits im Sommer 2023 ein Verkaufskandidat – und ist es auch jetzt wieder.

Was wird aus Sane? Vertragslaufzeiten der Bayern-Stars

Manuel Neuer hat seinen Vertrag beim FC Bayern nun noch einmal verlängert und wird daher bis mindestens 2025 den Kasten des Rekordmeisters hüten.
Jonas Urbig kam im Januar 2025 vom 1. FC Köln in die bayerische Landeshauptstadt, sein Vertrag läuft bis Sommer 2029.
Sven Ulreich hat ein Arbeitspapier beim FC Bayern bis 2025.
Daniel Peretz bei seiner Bayern-Vorstellung
Was wird aus Sane? Vertragslaufzeiten der Bayern-Stars

Zukunft von FCB-Linksverteidiger Alphonso Davies offen – Eberl muss entscheiden

Der neue Sportvorstand muss schnell handeln, wie aktuell das Beispiel von Linksverteidiger Davies zeigt, der heftig von Real Madrid umschwärmt wird – und dem Vernehmen nach schon eine mündliche Übereinkunft mit den Königlichen getroffen haben soll. Eberl kennt den Spieler noch nicht mal persönlich und muss bereits eine Entscheidung fällen.

Darüber hinaus macht die aktuelle Situation mit dem vakanten Cheftrainerposten die Zukunftsplanungen nicht einfacher: Welche Spieler können von einem Wechsel nach München überzeugt werden, wenn sie nicht wissen, welche Pläne der neue Coach mit ihnen verfolgt? Auf Eberl warten Mammut-Aufgaben, für dessen Lösungen nur wenig Zeit bleibt. (Manuel Bonke, Philipp Kessler)

Rubriklistenbild: © Jan Woitas / dpa