Das ist ihm wichtig

Rangnick-Wechsel zum FC Bayern? Sein „Ja“ ist an drei zentrale Punkte geknüpft

Alle Autoren
    schließen
  • Philipp Kessler
    Philipp Kessler
  • Hanna Raif
    Hanna Raif
  • Manuel Bonke
    Manuel Bonke

Ralf Rangnick ist die Trainer-Wunschlösung des FC Bayern. Das Ja des aktuellen ÖFB-Teamchefs ist aber von mehreren Faktoren abhängig.

München – Alle für Ralle. Ralf Rangnick ist die Wunschlösung des FC Bayern auf die Nachfolge von Trainer Thomas Tuchel. Der aktuelle österreichische Teamchef hat den Segen der Münchner Bosse (tz berichtete). Bei einem Treffen am Mittwoch informierte Rangnick den Österreichischen Fußball-Bund in Person von Präsident Klaus Mitterdorfer und Sportdirektor Peter Schöttel über das verlockende Angebot des Rekordmeisters.

Zeitnahe Entscheidung: So läuft der Rangnick-Poker beim FCB

Es sei nun für „alle Beteiligten wichtig, zeitnah eine Entscheidung“ zu erhalten, sagte Schöttel zum TV-Sender ORF: „Ich denke, es wird in ein, zwei Wochen erledigt sein müssen.“ Es werde nicht zuletzt auch vom FC Bayern „natürlich eine Deadline geben, weil sie auch Bescheid haben wollen“. Für Rangnick, der sich mit Österreich für die EM in Deutschland qualifiziert hat, stellt sich die große Frage: Will er mit bald 66 Jahren wirklich sein Leben für knapp drei Jahre FC Bayern noch mal komplett umkrempeln?

„Er würde viel aufgeben, um bei einem Verein zu arbeiten, bei dem sehr viel im Moment sehr instabil ist“, sagt Sky-Experte Didi Hamann zur tz. „Auf der anderen Seite hat er jetzt ehemalige Weggefährten im Verein, Verbündete. Jetzt ist wahrscheinlich der beste Zeitpunkt, das umzusetzen, was er machen will. Ob das für den Verein gut ist oder nicht, lasse ich mal dahingestellt.“ Fakt ist: Das Ja des Fußballprofessors ist an Bedingungen geknüpft.

Ralf Rangnick könnte neuer Trainer der Bayern werden. Die Gespräche laufen.

Kompletter Staff: Rangnick möchte bei Bayern-Engagement alles hinterfragen

Mitarbeiter: Sollte Rangnick zum FC Bayern wechseln, möchte er nach tz-Informationen alles hinterfragen. Dabei geht es dem Schwaben, der einst auch die TSG Hoffenheim und RB Leipzig ziemlich radikal umkrempelte, nicht nur darum, seinen eigenen Trainerstab um Assistenz-Coach Lars Kornetka mitzubringen. Die Rede ist vom kompletten Staff. Vor allem die medizinische Abteilung des Rekordmeisters inklusive Fitness-Chef Holger Broich dürfte nach den ständigen Verletzungssorgen in dieser Saison in den Fokus geraten.

„Wenn es um die Fitness, um den körperlichen Zustand geht, hat man in den letzten Monaten doch gesehen, dass etwas passieren muss. Man hat die meisten Muskelverletzungen, obwohl man am wenigsten läuft“, meint Experte Hamann. „Für mich ist das aber Vereins- und nicht Trainersache. Denn wenn der nächste Trainer vorzeitig geht, ist ein großer Staff auch wieder an Mehrkosten gebunden.“ Auch das Thema Ernährung ist Rangnick extrem wichtig. Bei Leipzig verbannte er Weißmehl und Zucker, holte Ernährungsexperten. Beim FCB gibt es keinen individuellen Ernährungsplan.

Tuchel-Nachfolger beim FC Bayern: Die Kandidaten-Liste in der Übersicht

Der niederländische Coach Erik ten Hag ist bei seinem aktuellen Klub Manchester United nicht unumstritten. Es ist möglich, dass sich beide Parteien im Sommer trennen. Laut Ex-Profi und Insider Jan Aage Fjörtoft scheint sogar ein Trainertausch mit FCB-Noch-Coach Tuchel nicht ausgeschlossen, wie der Norweger auf X schreibt.
Der frühere Bayern-Profi und spätere Reserve-Coach Martín Demichelis wird immer wieder von Experten als mögliche Übergangslösung auf der Trainerbank genannt, die im Erfolgsfall zur Dauerlösung werden könnte. Demichelis trainiert aktuell den argentinischen Spitzenklub River Plate. Trotz einiger Erfolge und der Meisterschaft im letzten Jahr ist der Coach in Buenos Aires nicht unumstritten. Die Argentinier könnten Demichelis bei einem tatsächlichen Bayern-Interesse ziehen lassen.
Der arbeitslose Spanier Julen Lopetegui ist ebenfalls einer der Kandidaten. Der FC Bayern muss sich laut Sky aber mit Premier-League-Klub West Ham United um den früheren Coach von Real Madrid streiten, die den Coach ebenfalls verpflichten wollen.
Zwischen Zinédine Zidane und dem FC Bayern soll es laut der italienischen Sportzeitung Corriere dello Sport bereits Kontakt gegeben haben. Laut Sportbild kommt ein Engagement des dreimaligen Weltfußballers in München aber nicht infrage, weil er einen Verein trainieren wolle, dessen Sprache er beherrsche. Für den Franzosen, der langfristig als designierter Nachfolger von Frankreichs Nationaltrainer Didier Deschamps gilt, wäre ein Engagement in der bayerischen Landeshauptstadt die erste Trainerstation seit seinem Ausscheiden bei Real Madrid 2021. Als Coach der „Königlichen“ gewann er in zwei Amtszeiten unter anderem zweimal die spanische Meisterschaft und dreimal die Champions League.
Tuchel-Nachfolger beim FC Bayern: Die Kandidaten-Liste in der Übersicht

Hamann über Fußball von FCB-Favorit Rangnick: „Ich habe da meine Zweifel“

Macht: Um seine fußballerischen Ideen, die von schnellem Umschalten und Pressing geprägt sind, umsetzen zu können, braucht Rangnick die geeigneten Spieler. Sportvorstand Max Eberl und Sportdirektor Christoph Freund sollen ihm versprochen haben, Einfluss auf den Kaderumbruch zu haben. „Ich habe da meine Zweifel, ob es klappt, denn das ist nicht Bayern München – und du hast auch die Spieler nicht dazu“, so Hamann. „Wenn man konstant Erfolg haben will, muss man in der Lage sein, das Spiel mit Ball zu kontrollieren. Dafür sind Rangnicks Mannschaften nicht bekannt.“

Kohle: Rangnicks ÖFB-Vertrag gilt bis 2026. Heißt: Will Bayern ihn holen, braucht es die Zustimmung der Österreicher. Und dafür müsste Ablöse fließen. Dazu sind die Münchner auch bereit. Allerdings: Dem Verband ist nicht entgangen, dass die Münchner 2021 für Julian Nagelsmann bis zu 25 Millionen Euro gezahlt haben. Rangnick gilt als Lehrmeister des DFB-Trainers. (Philipp Kessler, Hanna Raif, Manuel Bonke)

Rubriklistenbild: © Kirchner-Media/TH / Imago