Vor dem Spiel gegen Leipzig

Tuchel gerät auf Bayern-PK mit Sky-Reporter aneinander – und kontert mit Müller-Vergleich

  • VonNiklas Kirk
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Auf der ersten Pressekonferenz nach der angekündigten Trennung stellt sich Thomas Tuchel den Medien. Zum Ende bringt die Frage eines Reporters ihn in Rage.

München – Es war eine Pressekonferenz der besonderen Art. Nach dem Showdown in der Trainerfrage, stand vor dem Bundesligaduell zwischen dem FC Bayern und RB Leipzig, weniger die Vorbesprechung des Spitzenspiels im Vordergrund. Viel mehr nutzen die anwesenden Reporter die Möglichkeit, Thomas Tuchel zur bevorstehenden Trennung zu befragen. Nach zunächst kühler Moderation geriet der Trainer bei einer Frage zum Schluss außer sich.

Thomas Tuchel über sein Verhältnis zur Mannschaft: „von Respekt geprägt“

Aller Enttäuschung zum Trotz wollte Tuchel keinen Zweifel darüber aufkommen lassen, die Saison zu einem glimpflichen Ende zu bringen. „Ich werde den Job selbstverständlich mit der gleichen Energie angehen wie zuvor“, versichert Tuchel, „ob ich die Entscheidung verstehe oder nicht, ob sie mir gefällt oder nicht“. So formuliert er seinen Selbstanspruch als Trainer, unabhängig davon, wie lang- oder kurzfristig ein Arbeitsverhältnis hält, immer mit Fokus bei der Sache zu sein. Auch über seine Zukunftspläne ließ er sich nicht in die Karten schauen.

Weiter beruhigte Tuchel die zuhörenden Fans, als er anmerkt, dass Team und Verantwortliche „nicht aneinander vorbeiarbeiten“. Dabei verweist er darauf, dass die Entscheidung über die Trennung – offenbar bestimmt – auf das Saisonende festgelegt wurde. Das Verhältnis sei zudem „von Respekt geprägt“, so Tuchel. Abgerundet wurden die Fragen, nach dem Binnenverhältnis, indem Tuchel den Vorwurf konterte, er sei mit dem FC Bayern nicht warm geworden. „Ich glaube nicht, dass Sie im Verein viele Stimmen finden würden, die das bestätigen“, resümierte der 50-Jährige.

Nicht immer von Frieden geprägt: Thomas Tuchel und sein Verhältnis zu Journalisten

Tuchel über Reporter-Nachfrage: „ein bisschen heuchlerisch“

Es blieb jedoch nicht bei der kühlen, sachlichen Analyse zur Trennung und dem schwierigen Saisonverlauf. Auf die letzte Frage von Sky-Reporter Torben Hoffmann reagiert der Coach angefasst. Dabei ging es um die Personalentscheidungen für den Rest der Saison. Ob Tuchel hier nun nicht mehr auf die Befindlichkeiten der Stars und deren Vertragslaufzeiten Rücksicht nehmen müsse? Vor allem, da langfristige Konsequenzen auch ihn jetzt nicht mehr berühren. Ein „Vorwurf“, den sich Tuchel nicht gefallen lassen will. Viel mehr holt er hier zu einer Schelte gegen die Berichterstattung mit Blick auf verschiedene Personalentscheidungen aus.

Tuchel-Nachfolger beim FC Bayern: Die Kandidaten-Liste in der Übersicht

Der niederländische Coach Erik ten Hag ist bei seinem aktuellen Klub Manchester United nicht unumstritten. Es ist möglich, dass sich beide Parteien im Sommer trennen. Laut Ex-Profi und Insider Jan Aage Fjörtoft scheint sogar ein Trainertausch mit FCB-Noch-Coach Tuchel nicht ausgeschlossen, wie der Norweger auf X schreibt.
Der frühere Bayern-Profi und spätere Reserve-Coach Martín Demichelis wird immer wieder von Experten als mögliche Übergangslösung auf der Trainerbank genannt, die im Erfolgsfall zur Dauerlösung werden könnte. Demichelis trainiert aktuell den argentinischen Spitzenklub River Plate. Trotz einiger Erfolge und der Meisterschaft im letzten Jahr ist der Coach in Buenos Aires nicht unumstritten. Die Argentinier könnten Demichelis bei einem tatsächlichen Bayern-Interesse ziehen lassen.
Der arbeitslose Spanier Julen Lopetegui ist ebenfalls einer der Kandidaten. Der FC Bayern muss sich laut Sky aber mit Premier-League-Klub West Ham United um den früheren Coach von Real Madrid streiten, die den Coach ebenfalls verpflichten wollen.
Zwischen Zinédine Zidane und dem FC Bayern soll es laut der italienischen Sportzeitung Corriere dello Sport bereits Kontakt gegeben haben. Laut Sportbild kommt ein Engagement des dreimaligen Weltfußballers in München aber nicht infrage, weil er einen Verein trainieren wolle, dessen Sprache er beherrsche. Für den Franzosen, der langfristig als designierter Nachfolger von Frankreichs Nationaltrainer Didier Deschamps gilt, wäre ein Engagement in der bayerischen Landeshauptstadt die erste Trainerstation seit seinem Ausscheiden bei Real Madrid 2021. Als Coach der „Königlichen“ gewann er in zwei Amtszeiten unter anderem zweimal die spanische Meisterschaft und dreimal die Champions League.
Tuchel-Nachfolger beim FC Bayern: Die Kandidaten-Liste in der Übersicht

Tuchel reagiert gereizt und kontert dem Reporter mit Gegenfragen: „Wenn Thomas Müller auf der Bank sitzt, wie sind da die Nachfragen? Wie sind sie, wenn Rapha Guerreiro auf der Bank sitzt? Macht ihr da einen Unterschied?“ So seien es stets die Reporter gewesen, die jede Aus- und Einwechslung in den letzten Wochen zum Anlass für Interpretationen genommen hätten, so Tuchel in einem deutlich angefressenen Ton. Für ihn sei es gar „ein bisschen heuchlerisch“, die Sachlichkeit seiner Entscheidungen infrage zu stellen.

Es ist nicht das erste Mal, dass Tuchel einen Journalisten für Nachfragen auflaufen ließ. Weiter war die Saison von diversen Schlagabtauschen zwischen ihm und den Experten Didi Hamann und Lothar Matthäus geprägt. Je nach weiterem Verlauf der Saison könnten sich hier noch weitere Episoden einreihen. (nki)

Rubriklistenbild: © Imago/Sven Simon

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