Tuchel legt sich fest

Transfer-Plan beim FC Bayern steht: Freund setzt auf Beckenbauer-Taktik

  • Christoph Klaucke
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Nach dem ersten Spiel seit dem Tod von Franz Beckenbauer rücken beim FC Bayern Transfers wieder in den Fokus. Sportdirektor Freund nutzt eine Weisheit des Kaisers.

München – „Schau‘n mer mal“: Diesen Satz hat Franz Beckenbauer, der auch für seine Sprüche bekannt war, geprägt. Der „Kaiser“ wählte die Aussage, wenn er nicht alles verraten wollte, meistens wusste ein jeder aber ganz genau, was Sache ist. Das Erbe von Beckenbauer, der am Freitag in München beerdigt wurde und im Familiengrab seine letzte Ruhe findet, soll beim FC Bayern an die kommende Generation weitergegeben werden.

„Schau‘n mer mal“: Bayern-Sportdirektor macht sich Beckenbauer-Spruch zu eigen

Das Heimspiel in der Allianz Arena zwischen dem FC Bayern und der TSG Hoffenheim stand ganz im Zeichen von Franz Beckenbauer. Nach dem 3:0-Sieg rückte aber wieder vermehrt die aktuelle Situation beim Rekordmeister in den Fokus. Genauer gesagt: die Bemühungen auf dem Transfermarkt.

Mit Eric Dier haben die Bayern die erste Planstelle in der Innenverteidigung geschlossen, das es soll es aber noch längst nicht gewesen sein. „Schau‘n mer mal“, sagte Sportdirektor Christoph Freund am Samstagmittag auf der Vorstellungs-Pressekonferenz des Engländers und bediente sich der beliebten Beckenbauer-Floskel. „Wir werden sehen, was passiert, die nächsten Tage. Die Transferzeit ist noch ein bisschen offen“, so der Österreicher vielsagend.

Das Erbe von Franz Beckenbauer lebt in den Transferplänen von Bayern-Sportdirektor Christoph Freund und Trainer Thomas Tuchel weiter.

Transfer-Plan beim FC Bayern steht: Sportdirektor Freund hält es mit Beckenbauer – Tuchel legt sich fest

Was Freund eigentlich meint, aber nicht aussprechen wollte: Die Bayern wollen in der laufenden Transferphase unbedingt noch einen Außenverteidiger verpflichten – für die rechte Seite wohlgemerkt. Dort ist die Not seit der Leihe von Josip Stanisic nach Leverkusen im Sommer am größten und wurde nicht zuletzt durch die erzwungene Abstellung des Marokkaners Noussair Mazraoui für den Afrika-Cup nochmal verschärft.

Thomas Tuchel konkretisierte den Transfer-Plan des FC Bayern bereits am Freitagabend nach dem Spiel bei DAZN: „Wir gucken, ob noch was geht, ein zweikampfstarker Außenverteidiger. Nous Mazraoui ist beim Afrika-Cup, wir haben uns aber auch an Konrad Laimer als Außenverteidiger gewöhnt.“ Der Österreicher ist aber eigentlich als Mittelfeldspieler vorgesehen, wie der FCB-Coach auf der anschließenden Pressekonferenz betonte.

Tuchel-Ansage: Kein Mittelfeldspieler mehr, Rechtsverteidiger soll kommen

Mit der Verpflichtung eines Rechtsverteidigers wären die Transferaktivitäten der Münchner im Winter wohl abgeschlossen, einen zentralen Mittelfeldspieler braucht es nicht mehr. Im Moment bestehe „nicht der allergrößte Bedarf“, sagte Tuchel, der sich wegen des Stimmungsboykotts beim Beckenbauer-Abschied tief enttäuscht von den Bayern-Fans zeigte.

Neben mehreren etablierten Akteuren wie Joshua Kimmich oder Leon Goretzka sei ein Youngster wie Aleksandar Pavlovic (19) fast schon zu „einer vollwertigen Alternative“ geworden. Es gehe auch darum, allen Akteuren auf dieser Position Spielzeit zu garantieren. Gegen Hoffenheim stand der Allrounder Raphael Guerreiro für Goretzka in der Startelf. Zum Ende des Spiels rückte Kimmich, um dessen Zukunft es beim FC Bayern Spekulationen gibt, auf die rechte Seite.

Die größten Flop-Transfers des FC Bayern München

Breno, von Januar 2008 bis 2012 beim FC Bayern, 12 Millionen Euro Ablöse, 33 Spiele für den FC Bayern. 
Im Winter 2008 kam der hochtalentierte Innenverteidiger für eine beachtliche Ablösesumme vom FC São Paulo nach München. Schwere Knieverletzungen warfen den Brasilianer immer wieder zurück. Nachdem er unter Alkohol- und Medikamenteneinfluss 2011 sein Haus in Grünwald in Brand setzte, wurde er zu 3 Jahren und 9 Monaten Haft verurteilt. Nach seiner frühzeitigen Haftentlassung kehrte Breno zu seinen Jugendverein São Paulo zurück.
Edson Braafheid, von 2009 bis Januar 2011 beim FC Bayern, 2 Millionen Euro Ablöse, 19 Spiele für den FC Bayern.
Als Wunschtransfer von Louis van Gaal an die Säbener Straße gekommen, fand sich der Niederländer meistens auf der Bank wieder. Wurde 2010 für ein halbes Jahr an Celtic Glasgow verliehen und verließ Anfang 2011 München ablösefrei in Richtung Hoffenheim.
Danijel Pranjić, von 2009 bis 2012 beim FC Bayern, 7,7 Millionen Euro Ablöse, 85 Spiele für den FC Bayern. 
Für eine satte Ablöse wechselte der Kroate vom SC Heerenveen an die Säbener Straße. Genauso wie Braafheid ein Wunschtransfer von Louis van Gaal. Kam Pranjić unter dem Niederländer noch regelmäßig zum Einsatz, änderte sich dies in der Saison 2011/12 unter Jupp Heynckes. Der Vertrag wurde nicht verlängert und der Außenverteidiger verließ ablösefrei den Verein zu Sporting Lissabon. Ein sattes Minusgeschäft für den FC Bayern.
Landon Donovan, von Januar bis März 2009 beim FC Bayern, ausgeliehen, 7 Einsätze (kein Tor) für den FC Bayern.
Ausgeliehen von LA Galaxy während der Klinsmann-Ära, konnte der US-Boy auch im zweiten Anlauf in Deutschland nicht durchstarten (zuvor bei Bayer Leverkusen). Die Verantwortlichen in München waren froh, dass sie keiner festen Verpflichtung zugestimmt hatten und so trennten sich die Wege schnell wieder. In den folgenden Jahren wurde Donovan von Los Angeles zweimal zum FC Everton ausgeliehen. Auch hier blieb es bei Kurzbeschäftigungen.
Die größten Flop-Transfers des FC Bayern München

FC Bayern plant Transfer von Rechtsverteidiger – Youngster Krätzig vor Abschied

Als mögliche Kandidaten für die vakante Rechtsverteidiger-Position beschäftigen sich die Bayern offenbar mit Nordi Mukiele von PSG und Sacha Boey von Galatasaray, dagegen steht ein FCB-Youngster wohl vor dem Abschied. Frans Krätzig, auf der linken Seite zu Hause, soll womöglich an einen Bundesligisten verliehen werden. (ck)

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