Alternative wäre teurer

Falls Palhinha-Deal platzt: FC Bayern hat Kompanys Landsmann im Blick

  • VonDominik Hager
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Weil sich der Palhinha-Poker erneut zieht, hält der FC Bayern nach einer Alternative Ausschau. Diese könnte in einem EM-Star gefunden worden sein.

München – Nach dem gescheiterten Last-Minute-Deal im Vorjahr setzt sich der zähe Poker um Joao Palhinha in diesem Sommer fort. Noch ist jedoch keine Einigung zwischen dem FC Bayern und dem FC Fulham abzusehen. Laut Angaben der BILD und Sky haben die Münchner ein letztes Angebot in Höhe von 46 Millionen Euro vorbereitet und diese Summe als Schmerzgrenze ausgemacht.

Ein längst überfälliger Schritt, bedenkt man, dass der Markt auch andere interessante Sechser zu bieten hat. Dies scheint auch bei den Verantwortlichen des FC Bayern angekommen zu sein.

Laut Angaben von Sky ziehen die Verantwortlichen Amadou Onana als Alternative zum portugiesischen Nationalspieler in Betracht. Der Belgier kickt aktuell für den FC Everton, wäre laut Sky für knapp 60 Millionen Euro zu bekommen und würde in etwa das gleiche Gehalt wie Palhinha beziehen.

Der Belgier Amadou Onana (r.) steht wohl beim FC Bayern als Palhinha-Alternative auf dem Zettel.

Sprache und Nationalität sprechen für Onana als neuen Bayern-Sechser

Obwohl das Gesamt-Paket Onana ein wenig teurer wäre als jenes für Palhinha, scheint ein Transfer des Everton-Profis attraktiver zu sein. Mit seinen 22 Jahren ist Onana schließlich ganze sechs Jahre jünger, hat noch wesentlich mehr Potenzial nach oben und im Falle des Falles einen deutlich höheren Wiederverkaufswert. Folgerichtig wäre ein Deal weitaus weniger risikoreich.

Sportlich fanden sich Onana und Palhinha zuletzt in ähnlichen Rollen wieder. Beide agierten auf der Sechser-Position bei Premier-League-Klubs aus eher unteren Regionen. Demnach sind sie auch in Sachen Champions League ähnlich unerfahren. Beide absolvierten bislang acht Spiele in der Königsklasse, jeweils für ihre Ex-Klubs Sporting Lissabon und OSC Lille. Ein Bayern-Engagement wäre folgerichtig für beide Neuland.

Für Onana sprechen jedoch neben dem Alter noch zwei weitere Punkte. Durch seine Hamburger Vergangenheit kennt er Deutschland und die Sprache. Hinzu kommt, dass er als Belgier Landsmann von Trainer Vincent Kompany ist. Dies dürfte ihm bei der Eingewöhnung definitiv zugutekommen.

FC Bayern: Onana überzeugt mit Zweikampfstärke, Speed und langen Bällen

Wirft man einen Blick auf die Statistiken, deuten sich Parallelen und Unterschiede zwischen Onana und Palhinha an. Auffällig ist, dass Onana die besseren Zweikampfwerte (laut Sofascore) besitzt. Der Belgier gewinnt 63,2 Prozent am Boden und 73,6 Prozent seiner Duelle in der Luft, während der Portugiese 61,8 Prozent auf dem Boden und 56,9 Prozent in der Luft erreicht.

Insbesondere im Kopfballspiel ist der 1,95 Meter große Onana offenbar klar im Vorteil gegen den sechs Zentimeter kleineren Palhinha. Noch deutlichere Vorteile hat der Everton-Star in Sachen Athletik. Mit 36,65 km/h war er in der abgelaufenen Premier-League-Saison laut dem Portal Squawka der drittschnellste Mittelfeldspieler. Palhinha kam nur auf 30,2 km/h. Womöglich muss Onana auch deshalb seltener zu Fouls greifen und holte sich mit fünf gelben Karten deutlich weniger Verwarnungen als Palhinha (13) ab.

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Bessere Werte weist Onana auch in den Passstatistiken auf. Der 22-Jährige bringt 85 Prozent seiner Zuspiele an den Mann, Palhinha mit 83 Prozent geringfügig weniger. Deutlicher ist die Diskrepanz bei langen Bällen. Dort kommt der Belgier auf 70,9 und der Portugiese nur auf 55,6 Prozent. Ein weiterer Pluspunkt Onanas ist, dass er mit 6,8 Ballverlusten pro 90 Minuten ballsicherer ist als Palhinha (9,2 Ballverluste).

Mit Palhinha würde der FC Bayern einen giftigen Zweikämpfer bekommen

Natürlich ist es aber nicht so, dass jeder einzelne Wert für den Everton-Youngster spricht. Es gibt auch nicht irrelevante Werte, bei denen der Fulham-Profi die Nase vorne hat.

Palhinha fängt mit 1,4:0,7 doppelt so viele Bälle pro Spiel im Vergleich zu Onana ab und geht auch in etwa doppelt so viele Tacklings (4,6:2,4). Hinzu kommt, dass er pro Spiel etwa zwei Zweikämpfe mehr führt und auch geringfügig mehr Blocks und klärende Aktionen aufweist. Palhinha ist also noch ein wenig mehr derjenige, der die Lücken auf der Sechs stopft, Präsenz im Zentrum zeigt und sich in jedes Duell stürzt.

Die größten Flop-Transfers des FC Bayern München

Breno, von Januar 2008 bis 2012 beim FC Bayern, 12 Millionen Euro Ablöse, 33 Spiele für den FC Bayern. 
Im Winter 2008 kam der hochtalentierte Innenverteidiger für eine beachtliche Ablösesumme vom FC São Paulo nach München. Schwere Knieverletzungen warfen den Brasilianer immer wieder zurück. Nachdem er unter Alkohol- und Medikamenteneinfluss 2011 sein Haus in Grünwald in Brand setzte, wurde er zu 3 Jahren und 9 Monaten Haft verurteilt. Nach seiner frühzeitigen Haftentlassung kehrte Breno zu seinen Jugendverein São Paulo zurück.
Edson Braafheid, von 2009 bis Januar 2011 beim FC Bayern, 2 Millionen Euro Ablöse, 19 Spiele für den FC Bayern.
Als Wunschtransfer von Louis van Gaal an die Säbener Straße gekommen, fand sich der Niederländer meistens auf der Bank wieder. Wurde 2010 für ein halbes Jahr an Celtic Glasgow verliehen und verließ Anfang 2011 München ablösefrei in Richtung Hoffenheim.
Danijel Pranjić, von 2009 bis 2012 beim FC Bayern, 7,7 Millionen Euro Ablöse, 85 Spiele für den FC Bayern. 
Für eine satte Ablöse wechselte der Kroate vom SC Heerenveen an die Säbener Straße. Genauso wie Braafheid ein Wunschtransfer von Louis van Gaal. Kam Pranjić unter dem Niederländer noch regelmäßig zum Einsatz, änderte sich dies in der Saison 2011/12 unter Jupp Heynckes. Der Vertrag wurde nicht verlängert und der Außenverteidiger verließ ablösefrei den Verein zu Sporting Lissabon. Ein sattes Minusgeschäft für den FC Bayern.
Landon Donovan, von Januar bis März 2009 beim FC Bayern, ausgeliehen, 7 Einsätze (kein Tor) für den FC Bayern.
Ausgeliehen von LA Galaxy während der Klinsmann-Ära, konnte der US-Boy auch im zweiten Anlauf in Deutschland nicht durchstarten (zuvor bei Bayer Leverkusen). Die Verantwortlichen in München waren froh, dass sie keiner festen Verpflichtung zugestimmt hatten und so trennten sich die Wege schnell wieder. In den folgenden Jahren wurde Donovan von Los Angeles zweimal zum FC Everton ausgeliehen. Auch hier blieb es bei Kurzbeschäftigungen.
Die größten Flop-Transfers des FC Bayern München

FC Bayern: Auch Onana-Transfer wäre kein Selbstläufer

Onana hat die Aggressivität und die Gier, den Ball erobern zu wollen, noch nicht ganz so verinnerlicht wie der erfahrenere Portugiese. Zudem ist Palhinha auch derjenige, der die Sechser-Position klarer hält, während sich Onana dann doch ab und an nach vorne einschaltet.

Angesichts der Tatsache, dass es eigentlich ein Bestreben der Bayern ist, entwicklungsfähige Akteure zu holen, die die Ära Kompany prägen können, wäre Onana dennoch der passendere Fit. Klar ist jedoch auch, dass sich die Münchner beim Kampf um den belgischen Mittelfeldspieler gegen andere interessierte Premier-League-Klubs behaupten müssten.

Rubriklistenbild: © IMAGO / Sven Simon