Halbfinal-Niederlage gegen Real Madrid

„Es ist ganz bitter“: Trainer Tuchel kamen nach dem Aus die Tränen

  • Manuel Bonke
    VonManuel Bonke
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  • Philipp Kessler
    Philipp Kessler
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Bayern-Trainer Thomas Tuchel wurde nach dem Ausscheiden in der Champions League gegen Real Madrid emotional.

Madrid - Als Thomas Tuchel nach dem 1:2 und dem Halbfinal-Aus gegen Real Madrid zum TV-Interview bei DAZN schritt, gab es für den Trainer des FC Bayern Sonderapplaus aus dem Münchner Fanblock. Der Fußballlehrer war sichtlich gerührt, kämpfte im Gespräch mit den Tränen – eine Mischung aus Wut über die skandalöse Schiedsrichter-Entscheidung und Trauer über das Ausscheiden.

Thomas Tuchel
Geboren:29. August 1973 in Krumbach
Aktuelle Trainerstation:FC Bayern München
Vorausgegangene Trainerstationen (u.a.):FSV Mainz, Borussia Dortmund, Paris Saint-Germain, FC Chelsea

„Ganz bitter“: Tuchel kamen nach Bayern-Aus die Tränen

„Klar, da braucht man eine Weile, um das zu verarbeiten. Es ist eine Niederlage, bei der wir alles auf dem Platz gelassen haben. Das ist auch Teil der Wahrheit. Es ist ganz bitter. Es gibt keine Reue“, erklärte Tuchel und meinte: „Die Jungs sind sehr enttäuscht. Wir waren schon fast durch. Es war ein toller Fight. Wir hatten ein bisschen zu viele Verletzte, bisschen zu viele Auswechselungen.“

Bereits in der 27. Minute musste Serge Gnabry mit einer Verletzung im hinteren Oberschenkel ausgewechselt werden. Für ihn kam der spätere Torschütze Alphonso Davies in Partie. Tuchel: „Wir starten mit vier offensiven Spielern – und alle müssen vom Feld.“

In der Schlussphase wurde Leroy Sané, der seit Wochen mit Leistenproblemen kämpft, in der 76. Minute ausgewechselt, es folgten Harry Kane (84.) und der ebenfalls im Vorfeld angeschlagene Jamal Musiala (85.). Besonders die Auswechslung der Tormaschine Kane überraschte im ersten Moment, doch Tuchel erklärte sie mit Rückenproblemen.

Tuchel verzichtet auf große Ansprache in der Kabine

Wohl wissend, dass es sein letztes Spiel als Bayern-Trainer auf großer Bühne war, verzichtete Tuchel nach dem Königsklassen-K.o. auf eine großartige Ansprache in der Kabine: „Nichts, was ich da jetzt sage, kann das jetzt lindern. Wir haben ihnen gesagt, dass wir alles auf dem Platz gelassen haben. Es gibt keine Vorwürfe.“

Immerhin gibt es aus wirtschaftlicher Sicht einen kleinen Trost: Für ihre Reise bis ins Halbfinale haben die Münchner ordentlich abkassiert. Bis zum Halbfinale hatten sie bereits 97,52 Millionen Euro an Prämien kassiert.

Dazu kommen die Zuschauereinnahmen aus sechs Heimspielen sowie die Gelder aus dem sogenannten Marktpool, die zusammengerechnet mehr als 30 Mio. Euro betragen dürften. Als Champions-League-Sieger wäre der deutsche Rekordmeister auf rund 150 Mio. Euro gekommen, so sind es immer noch rund 130 Mio. Euro.

Glückloses Ende beim letzten Bayern-Auftritt auf großer Bühne für Thomas Tuchel.

Geldsegen für neue Bayern-Investitionen

Kohle, die gut für Investitionen in neue Spieler gebraucht werden kann. Tuchel wird von diesem Geldregen nicht mehr profitieren, er verlässt den Rekordmeister bekanntlich nach der Saison.

Sein letztes Spiel für die Münchner bestreitet er am letzten Bundesligaspieltag im beschaulichen Sinsheim gegen die TSG Hoffenheim statt im glamourösen Wembley-Stadion gegen seinen Ex-Club Dortmund.

Tuchel-Nachfolger beim FC Bayern: Die Kandidaten-Liste in der Übersicht

Der niederländische Coach Erik ten Hag ist bei seinem aktuellen Klub Manchester United nicht unumstritten. Es ist möglich, dass sich beide Parteien im Sommer trennen. Laut Ex-Profi und Insider Jan Aage Fjörtoft scheint sogar ein Trainertausch mit FCB-Noch-Coach Tuchel nicht ausgeschlossen, wie der Norweger auf X schreibt.
Der frühere Bayern-Profi und spätere Reserve-Coach Martín Demichelis wird immer wieder von Experten als mögliche Übergangslösung auf der Trainerbank genannt, die im Erfolgsfall zur Dauerlösung werden könnte. Demichelis trainiert aktuell den argentinischen Spitzenklub River Plate. Trotz einiger Erfolge und der Meisterschaft im letzten Jahr ist der Coach in Buenos Aires nicht unumstritten. Die Argentinier könnten Demichelis bei einem tatsächlichen Bayern-Interesse ziehen lassen.
Der arbeitslose Spanier Julen Lopetegui ist ebenfalls einer der Kandidaten. Der FC Bayern muss sich laut Sky aber mit Premier-League-Klub West Ham United um den früheren Coach von Real Madrid streiten, die den Coach ebenfalls verpflichten wollen.
Zwischen Zinédine Zidane und dem FC Bayern soll es laut der italienischen Sportzeitung Corriere dello Sport bereits Kontakt gegeben haben. Laut Sportbild kommt ein Engagement des dreimaligen Weltfußballers in München aber nicht infrage, weil er einen Verein trainieren wolle, dessen Sprache er beherrsche. Für den Franzosen, der langfristig als designierter Nachfolger von Frankreichs Nationaltrainer Didier Deschamps gilt, wäre ein Engagement in der bayerischen Landeshauptstadt die erste Trainerstation seit seinem Ausscheiden bei Real Madrid 2021. Als Coach der „Königlichen“ gewann er in zwei Amtszeiten unter anderem zweimal die spanische Meisterschaft und dreimal die Champions League.
Tuchel-Nachfolger beim FC Bayern: Die Kandidaten-Liste in der Übersicht

England-Interesse an Tuchel

Tuchel wird Interesse aus Manchester (United) und London (Chelsea) nachgesagt. Doch erst einmal steht für ihn am Sonntag sein letztes Heimspiel für den FC Bayern an. Dann ist der VfL Wolfsburg zu Gast. Ein Umdenken in Sachen Trennung scheint es weiterhin nicht zu geben – obwohl die bayerische Trainersuche immer noch äußert schleppend läuft.

Ein heiß gehandelter Kandidat aktuell ist Hansi Flick. Bayerns Triple-Coach von 2020 ist seit seinem Aus als Bundestrainer nach der missglückten WM 2022 vereinslos. (Manuel Bonke, Philipp Kessler)

Rubriklistenbild: © Foto links: x (Screenshot)/Tuchel Cam Foto rechts: picture alliance/dpa | Peter Kneffel