Obszöne Geste

UEFA ermittelt gegen Jude Bellingham – Sperre für EM-Viertelfinale droht

  • Stefan Schmid
    VonStefan Schmid
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Englands Superstar Jude Bellingham entwickelt sich immer mehr zur Reizfigur. Sein Verhalten im Spiel gegen die Slowakei könnte ernste Folgen haben.

Gelsenkirchen – Mit seinem Fallrückzieher in der Nachspielzeit im EM-Achtelfinale rettete Jude Bellingham die „Three Lions“ in die Nachspielzeit gegen die Slowakei. Dort traf Harry Kane nach wenigen Minuten und sorgte so dafür, dass die Engländer, die lange Zeit wie der sichere Verlierer aussahen, doch noch das Viertelfinal-Ticket zogen.

Möglicherweise trotzdem nicht am Viertelfinale der Europameisterschaft teilnehmen könnte ausgerechnet Bellingham. Eine obszöne Geste nach seinem Last-Minute-Treffer ist der Grund.

England-Star bei EM 2024: UEFA eröffnet Disziplinarverfahren gegen Bellingham

Von den TV-Kameras im Stadion wurde die Szene nicht eingefangen und trotzdem verbreitete sie sich nach Abpfiff wie ein Lauffeuer in den sozialen Medien. Nach dem Ausgleichstreffer deutete Bellingham einen Griff in seinen Schritt an. Die unschöne Aktion wurde unter anderem so interpretiert, dass sie sich gegen die Bank der Slowaken gerichtet habe.

Die obszöne Geste von Jude Bellingham ist mehrfach belegt. Was bleibt, ist die Frage nach der Absicht.

Nachdem bereits im Netz heiß über die Geste diskutiert wurde, hat nun auch die UEFA Ermittlungen ihrer Ethik- und Disziplinarkommission wegen eines „möglichen Verstoßes gegen die Grundregeln des guten Benehmens“ angekündigt. Sollte Bellingham bestraft werden, könnten ihm Folgen für das anstehende Viertelfinale drohen.

Bellingham rechtfertigt sich für Geste im EM-Achtelfinale

Bellingham selbst nahm bereits Stellung zu den Vorwürfen. Der Spieler von Real Madrid verteidigte sich gegen die Kritik und teilte via X ein Video, zu dem er erklärte: „Das war ein Insider in Richtung ein paar meiner Freunde, die im Stadion waren. Nichts als Respekt für die Slowakei und wie sie heute gespielt haben.“

Welcher ist Ihr Favorit? Alle EM-Bälle der Geschichte

EM 1968: Beim Turnier in Italien werden erstmals dokumentiert, Design und Name des Spielballs vorgestellt. Der „Telstar“ von Adidas wird mit dem Namenszusatz „Elast“ bestückt. Ihn Anlehnung an einen Kommunikations-Satelliten, der der eine Kugelform aufwies und durch seine Form so Inspirationsquelle für die Namensgeber war.
EM 1972 und 1976: Es war „Telstar“-Jahrzehnt und das Modell „Durlast“ kam gleich dreimal zum Einsatz. Zweimal wurde das DFB-Team mit ihm Turniersieger, Europameister 72 und Weltmeister 74. Seine Ära als Glücksbringer endet im Belgrader Nachthimmel nach einem Elfmeter von Uli Hoeneß.
EM 1980: Der erste „Tango“-Ball bei einer EM. Dabei ist die Variante „River Plate“ ein Erbstück der WM 1978, die passenderweise in Argentinien stattfand.
EM 1984: Trotz des Namens „Tango Mundial“ kam die Gerätschaft bei der EM in Frankreich zum Einsatz. Gleichbedeutung mit der Abkehr vom reinen Lederball endete mit dem aus DFB-Sicht enttäuschenden Turnier die Amtszeit von Jupp Derwall.
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Ob obszöne Provokation oder Insider unter Freunden, bei Bellingham war der Druck wohl enorm groß. Schon sein Jubelschrei nach dem Fallrückzieher-Tor sorgte für Aufsehen. „Wer sonst?“, schrie er und wollte sich damit gegen die Kritik der vergangenen Tage wehren. „Für England zu spielen, ist ein schönes Gefühl, aber der Druck ist groß, und die Leute reden eine Menge Müll“, sagte der Superstar in der Pressekonferenz nach dem Spiel.

Kritik an Bellingham wächst auch während der EM 2024

Bei Borussia Dortmund galt Jude Bellingham noch als der sympathische, hoch veranlagte Jungstar. Seit seinem Wechsel zu Real Madrid hat sich das aber geändert. Dem Mittelfeldspieler wird zunehmend Arroganz unterstellt. So fiel er zuletzt im EM-Achtelfinale mit Abwinken in Richtung seiner Mitspieler auf.

Das bemerkten auch die Experten im ZDF-Studio, die das Spiel gegen die Slowakei begleiteten. Christoph Kramer warnte Bellingham davor, sich den Hype um seine Person nicht zu Kopf steigen zu lassen. (sch/dpa/SID)

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