Oh, wie ist das schön
Falken-Fans sollten sich die DEL2-Tabelle einrahmen
VonMarc Thorwartlschließen
Nach dem Sieg bei den Eispiraten Crimmitschau sind die Heilbronner Falken Tabellenführer und gehen als Favorit ins Derby gegen die Bietigheim Steelers.
Zugegeben, allzu lange ist es nicht her, dass die Heilbronner Falken die Tabellenspitze der DEL2 zierten. Das war im vergangenen Jahr, als sie mit dem Traumstart von drei Siegen in drei Spielen ganz oben standen. Doch dass die Unterländer nach 14 Spieltagen als Ligaprimus Erster sind, daran können sich auch langjährige Falken-Fans kaum noch erinnern.
Rückblende: Nach dem ersten Wochenende der Saison sind die Heilbronner Falken das Schlusslicht der DEL2. 5:11 Tore, null Punkte. Den Shitstorm in den Sozialen Medien gab es kostenlos dazu. Wirklich alles wurde verteufelt: Spieler, Trainer und Offizielle. Kapitän Derek Damon wurde zu diesem Zeitpunkt ob seiner Äußerung: "Glaub mir, mit diesem Team werden wir noch ganz viel Spaß haben", nur müde belächelt. Und dann? Es folgten zehn Siege aus den kommenden zwölf Spielen, 29 von 36 möglichen Punkten. Und das bedeutet seit dem 25. Oktober die Tabellenführung.
Heilbronner Falken bilden eine Einheit
Und dieser Erfolg ist kein Zufallsprodukt. Die Mischung aus den erfahrenen Spielern und den talentierten Nachwuchsspielern ist voll aufgegangen. "Wir wollen Spieler mit Charakter", hatte Falken-Trainer Alexander Mellitzer bei der Kaderzusammenstellung gesagt. "Klar, das sagt jeder Coach", mag sich da so mancher Fan gedacht haben. Die dritte und vierte Sturmreihe der Heilbronner sollten komplett durch Akteure vom Kooperationspartner Mannheim gestellt werden. Das kann doch gar nicht gutgehen?
Doch - und dann auch noch ganz famos. Yannik Valenti, Valentino Klos, Louis Brune, Pierre Preto, Sebastian Hon oder Samuel Soramies, sie alle tragen zum derzeitigen Höhenflug der Heilbronner Falken ihr Scherflein bei. Bestes Beispiel am Freitag in Crimmitschau. Die Unterländer liegen zum Schlussabschnitt mit 1:2 zurück. Dann schnappt sich Brune die Scheibe an der eigenen blauen Linie, marschiert übers ganze Feld und vollstreckt eiskalt zum 2:2. Und Soramies lässt sich fünf Minuten vor Schluss die Chance nicht entgehen, mit einem Schuss ins lange Eck die erstmalige Führung seines Teams zu erzielen.
Die Mischung macht es bei den Heilbronner Falken
Und was machen die "alten Hasen"? Dylan Wruck ist der Topscorer der ganzen Liga. Ian Brady ist in die Phalanx der Top-Six der Verteidiger aufgestiegen, Tim Miller ist Denker und Lenker seiner Reihe mit den Youngsters Preto und Valenti. Es stimmt einfach im Team, irgendwie finden die Falken fast immer einen Weg, eine Partie zu gewinnen.
Auch außerhalb des Stadions unternimmt die Mannschaft viele gemeinsame Aktivitäten. Da geht man gemeinsam zum Abendessen in ein Lokal, feiert die Bekanntgabe des Geschlechts eines zukünftigen Falken-Babys mit einer riesigen Party in einer Heilbronner Gaststätte, baldowert gemeinsam aus, welcher Spieler sich mit wem bei der Übernachtung in Weißwasser das Zimmer teilt. Keine Frage, diese Einheit auf und neben dem Eis ist - neben der individuellen Klasse der Akteure - das ganz große Faustpfand der Falken.
Heilbronner Falken sind im Derby Favorit
Und jetzt kommt es zum Spiel aller Spiele. Die Heilbronner Falken treffen am Sonntag um 17 Uhr im Derby auf die Bietigheim Steelers. Jahrelang lautet die Frage nur: Haben die Falken überhaupt eine Chance, gegen die Nachbarn aus dem Ellental zu gewinnen? Niederlagen waren die Regel, Erfolge bildeten die Ausnahme. Doch diese Saison ist alles anders. Jetzt lautet die Prognose: "Die Steelers müssen erst einmal einen Weg finden, gegen die Falken zu gewinnen. Derzeit rangieren die mit fünf Punkten Abstand hinter den Falken auf dem siebten Platz. Am Freitag kassierten sie die erste Heimpleite der Saison, unterlagen dem EC Bad Nauheim mit 0:2.
Auf Heilbronner Seite gibt es ganz sicher zwei Ausfälle zu beklagen: Defender Marcus Götz und Torhüter Mirko Pantkowski. Auch hinter Bryce Gervais steht ein Fragezeichen. Der wird heute aufs Eis gehen und versuchen, das Training zu absolvieren. Erst im Anschluss fällt eine Entscheidung. Dessen größter Wunsch geht allerdings auf gar keinen Fall in Erfüllung: "Ich habe einst im College mit Stephon Williams in einem Team gespielt - und würde ihm nur allzu gerne ein Tor einschenken." Denn der Keeper der Steelers ist ebenso verletzt wie die Top-Verteidiger Tim Schüle und Nicolai Goc sowie Stürmer Alexander Preibisch. Keine Frage: In diesem Derby sind die Falken Favorit - jetzt können sie zeigen, dass sie dieser Aufgabe gewachsen sind. Das wäre das Sahnehäubchen auf eine eh schon überragende Saison.
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