echo24.de deckt seltsame Entscheidung auf
Der Beweis: Falken werden bei den Löwen verpfiffen
VonMarc Thorwartlschließen
echo24.de zeigt die Videoaufzeichnung des Rylan-Schwartz-Checks.
Es ist die altbekannte Leier: gut gespielt, aber trotzdem verloren. Die Heilbronner Falken haben mit der 4:6-Niederlage in Frankfurt die rote Laterne der DEL2 übernommen. Dabei zeigte die Mannschaft eine sehr gute Vorstellung. Viele kleine Fehler der Vergangenheit wurden abgestellt, und ein Punktgewinn war durchaus möglich. Doch ein Mann auf dem Eis hatte etwas dagegen: Schiedsrichter Elvis Melia.
Die Bilder vom Spiel der Falken in Frankfurt
Das fing im ersten Drittel an: Die Frankfurter spielten Überzahl. Fünf Mann in der Vorwärtsbewegung an der Mittellinie, dann Puckverlust und schneller Konter der Falken. Die Preisfrage: Wo kommt urplötzlich der sechste Frankfurter in der eigenen Abwehrzone her? Löwen-Topscorer CJ Stretch zeigt zwar an, dass er wechseln will, war aber noch nicht in der Wechselzone und fährt dort auch gar nicht hin. Den Slapstick komplettiert der Linesman, der im Vordergrund über seine eigenen Füße stolpert. (Videomaterial SpradeTV)
Ebenfalls noch im ersten Drittel: Falken-Goalie Stefan Ridderwall hatte einen Schuss pariert und wurde dann buchstäblich am Boden festgenagelt. Denn Löwen-Spieler Brett Breitkreuz lag für mindestens fünf Sekunden auf ihm drauf. Im Torraum. Eine klare Behinderung und ein zwingender Grund, abzupfeifen. Doch Melia ließ die Partie weiterlaufen.
Gerade, als sich Ridderwall seiner ungewollten Last entledigt hatte und wieder stand, kam der Puck aufs Tor, wurde abgefälscht und schlug unhaltbar ein. Aufgrund der wütenden Proteste der Falken sah sich Melia genötigt, den Videobeweis anzufordern. Nach Auswertung der Aufzeichnung gab er den Treffer.
Das mag insofern stimmen, dass zu diesem Zeitpunkt wieder alles regulär war und Ridderwall auf seinen Kufen stand, doch die Behinderung zuvor war der Anlass der Falken-Proteste. Wäre dort das Spiel unterbrochen worden, dann wäre dieser Treffer nämlich nicht gefallen...
Die seltsamen Entscheidungen des Referees verfolgten die Falken über das gesamte Spiel. 23. Minute, Tor für die Falken und zeitgleicher Ausfall von Stürmer Tyler Gron. Vorausgegangen war ein Haken gegen den Kanadier, das der Mann in Schwarz geflissentlich übersah.
Ganz dubios wurde es dann in der 53. Minute. Die Falken sind im Angriff, Rylan Schwartz an der Scheibe. Die Löwen können ihn nur durch ein Beinstellen stoppen - doch Melia lässt weiterlaufen. Im direkten Gegenzug nimmt Schwartz dann Dennis Reimer aufs Korn und fährt einen sauberen Check. Die Arme sind angelegt, der Schläger ist unten, er kommt seitlich von vorne. UND: Der Kontakt erfolgt von Schulter zu Schulter.
Reimer war zu diesem Zeitpunkt in Puckbesitz, demnach ein Check auch erlaubt. Da der Löwe aber nur auf die Scheibe achtete und nicht auf das, was um ihn herum geschah, wurde er von Schwartz mit einem sogenannten "Blind Sight Hit" wie von einem Schnellzug überfahren.
Reimer blieb verletzt am Boden liegen und gleich drei Löwen prügelten auf Schwartz ein. Dann der große Auftritt von Melia. Er belegte den Falken- und Liga-Topscorer mit einer Matchstrafe. Für die nachfolgenden Racheaktionen gab es gar nichts!
Vielleicht hätte Melia bei der Regelkunde besser aufpassen sollen, denn ein Schiedsrichter darf seit dieser Saison in der DEL2 gar keine Matchstrafe auf dem Eis mehr aussprechen! Abgesehen von zwei Ausnahmen: bei grober Unsportlichkeit und bei einem Schlittschuhtritt.
Beides war nicht der Fall. Melia ahndete den Check als "Unkorrekten Körperangriff". Doch es kam noch besser: Als die Verantwortlichen der Falken ihn nach dem Spiel in der Kabine aufsuchten und über seinen Irrtum aufklärten sowie eine Abänderung im offiziellen Spielbericht forderten, meinte er nur, dass sie "keinen Mist erzählen sollten" und diese Regelung nur in der DEL angewendet würde.
Selbst als ihm in den DEL2-Durchführungsbestimmungen der dazugehörige Paragraph gezeigt wurde, versuchte er, sich noch herauszuwinden, um dann Minuten später zähneknirschend die Match- in eine Spieldauerdisziplinartrafe umzuwandeln.
echo24.de hat die Checkszene auf Video. Hier kann sich jeder Eishockey-Fan selbst seine Meinung bilden. Das Filmmaterial liegt auch dem Disziplinarausschuss der DEL2 vor, der jede Spieldauerdisziplinarstrafe anschaut, um dann eventuell eine längere Strafe auszusprechen.
Da in der Vergangenheit die Schiedsrichter und ihre Entscheidungen immer von dem Ausschuss geschützt wurden, steht auch dieses Mal zu befürchten, dass Schwartz - wohl zu Unrecht - für einige Spiele gesperrt wird.
+++UPDATE+++
Der Disziplinarausschuss der DEL2 hat heute Nachmittag das eingeschickte Videomaterial zur Spieldauerdisziplinarstrafe gegen Schwartz gesichtet und verhandelt. Wie nicht anders zu erwarten: Es gibt eine zusätzliche Strafe gegen den Deutsch-Kanadier. Er wurde für ein weiteres Spiel gesperrt und darf am Sonntag in der Partie daheim gegen die Towerstars Ravensburg nicht mitwirken.
Für die Falken eine Katastrophe. Denn nachdem ein Darm-Virus die Spieler reihum außer Gefecht setzt und Gron sowie Tobias Stöber wohl längere Zeit wegen Verletzungen nicht zur Verfügung stehen, gehen Trainer Fabian Dahlem langsam die Spieler aus.
Keine guten Aussichten, um den letzten Tabellenplatz in nächster Zeit zu verlassen.
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