Nach der Pleite in Kaufbeuren sind die Falken sportlich abgestiegen
Ein Abstieg mit vielen Fragezeichen
VonMarc Thorwartlschließen
Ob die Bayreuth Tigers ihr Aufstiegsrecht in die DEL2 wahrnehmen, ist fraglich. Es mehren sich die Anzeichen, dass die Falken am grünen Tisch in der Liga bleiben.
Sportlich ist eigentlich alles klar: Nach der 2:4-Niederlage des Eishockey-Zweitligisten Heilbronner Falken in Kaufbeuren am Sonntagabend, ist der Abstieg in die Oberliga besiegelt. In einer kämpferischen Partie konnten die Falken nicht an die im Freitagsspiel gezeigten Leistungen anknüpfen und agierten vor allem anfangs viiieeel zu undiszipliniert. Eine der Strafzeiten nutzten die Hausherren zur 1:0-Führung. Danach beschränkten sie sich aufs Kontern. Und immer wenn die Falken am Ausgleich schnupperten, legten die Allgäuer nach.
Falken-Coach Fabian Dahlem war nach der Partie restlos bedient: „Einige meiner Spieler suchten über Abkürzungen den Erfolg.“ Im Klartext: Sie versuchten es auf bequemstem Weg. Der Trainer legte nach: „Leider habe ich es in meiner zehnwöchigen Arbeit hier nicht geschafft, dieses Verhalten abzustellen. Das ist schade, denn den Spielern wurden alle Wünsche erfüllt, und die Falken-Organisation hat bestmögliche Bedingungen ermöglicht. Das haben nicht alle Spieler zurückgezahlt.“
Damit sind die Falken zum zweiten Mal in Folge abgestiegen. Doch wie im Vorjahr bedeutet das sportliche Scheitern nicht automatisch den wirklichen Abstieg. Zwar gilt es als ausgeschlossen, dass einem der bisherigen Vereine die Lizenz verweigert wird. Ein größeres Fragezeichen steht hingegen beim möglichen Aufsteiger aus der Oberliga. Im Finale treffen die Bayreuth Tigers auf die Tilburg Trappers. Die Niederländer – mit einer Sondergenehmigung in der Oberliga Nord an den Start gegangen – dürfen laut Statuten nicht in die DEL2 aufsteigen. Damit hat sich Bayreuth bereits vor dem Finale sportlich für die DEL2 qualifiziert. Ob die Bayern diese aber auch finanziell stemmen können, steht auf einem ganz anderen Papier.
Die letzte Insolvenz des Klubs liegt lediglich zehn Jahre zurück. Erst vor zwei Spielzeiten war der Verein in die Oberliga aufgestiegen. Vorsorglich hatte man sich vor Beginn der Playoffs für die DEL2 beworben - doch mit dem Erfolg hatte wohl niemand gerechnet. Die sportlich und finanziell höher eingeschätzten Klubs wie Duisburg oder Regensburg scheiterten vorzeitig. Jetzt müssen die Tigers nachlegen. In Form eines schlüssigen und vor allem finanzierbaren Zweitliga-Etats.
Aber genau hier scheint es Probleme zu geben. Wie der Bayerische Rundfunk vermeldete, will sich die Vereinsführung demnächst dazu äußern, ob die DEL2 wirtschaftlich umzusetzen sei. Dabei stellte sie aber unmissverständlich bereits klar, dass die Konsolidierung absolute Priorität genießt und man sich auf keine finanziellen Harakiri-Aktionen einlassen werde.
DEL2-Ligenleiter René Rudorisch, der am Sonntag in Kaufbeuren anwesend war, wollte kein klares Statement abgeben: „Ich gehe davon aus, dass Bayreuth lizenzieren möchte. Die Tigers haben bis zum 24. Mai Zeit, die benötigten Unterlagen dafür einzureichen. Wir sehen zu, dass wir diese dann schnellstmöglich prüfen. Wir werden aber auf alle Fälle auch schnell reagieren, wenn wir aus Bayreuth Signale erhalten, dass auf den Aufstieg verzichtet wird.“
Somit hängen die Falken erneut in der Luft. Plant man für die Oberliga und bekommt dann kurzfristig erneut das Nachrückrecht eingeräumt, steckt man im gleichen Dilemma wie im Juni 2015. Man musste sich damals an der Resterampe bedienen, um den Oberligakader zweitligatauglich zu bekommen. Ohne Erfolg - wie der Abstieg beweist. Gute Spieler des aktuellen Kaders wie Brad Schell, Richard Gelke, Markus Eberhardt oder Torhüter Eric Hartzell haben bereits signalisiert, dass sie nur zu gerne in der Käthchenstadt bleiben würden. Allerdings unter der Prämisse, auch weiterhin in der zweiten Liga zu spielen.
Notgedrungen müsste man diese Spieler ziehen lassen, denn sie können nicht warten, bis feststeht, ob die Falken auch tatsächlich wieder in der DEL2 an den Start gehen. Vor allem die rar gesäten deutschen Verteidiger sollten bereits jetzt an den Verein gebunden werden. Wie aus gut unterrichteten Kreisen zu hören war, liegen viele Bewerbungen von Spielern vor, die für Heilbronn in der DEL2 an den Start gehen wollen.
Hier hat sich die gute Arbeit der Falken-Organisation um Manager Atilla Eren bezahlt gemacht. Heilbronn ist wieder zu einer gefragten Adresse geworden. Trotz des sportlichen Misserfolgs. Aber auch diese Spieler benötigen Gewissheit. Deshalb wäre es wünschenswert, dass Bayreuth schnell deutliche Signale aussendet, in welche Richtung man sich orientieren will. Die nächsten Wochen bleiben spannend. Ein Heilbronner Sommerloch beim Thema Eishockey ist definitiv auszuschließen.
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