„Er ist mit seiner Mentalität vorangegangen“
Ex-Ferrari-Teamchef spricht emotionale Worte über Michael Schumacher
VonSönke Brederlowschließen
Ex-Ferrari-Teamchef Mattia Binotto schaut auf 27 Jahre bei der Scuderia zurück – und erklärt, weshalb Michael Schumacher zu den besten Formel-1-Piloten zählte.
Maranello – Mattia Binotto leitet mittlerweile beim Formel-1-Projekt von Audi die Geschicke, doch vor seiner Zeit bei den Ingolstädtern war der Italiener insgesamt 27 Jahre lang für die Scuderia Ferrari tätig. In dieser langen Zeit arbeitete Binotto auch mit Formel-1-Legende Michael Schumacher zusammen – eine Ära, an die sich der 55-Jährige gerne zurückerinnert.
„Michael war außergewöhnlich. Er ist der beste Fahrer, mit dem ich je gearbeitet habe“, verrät der aktuelle Sauber-Geschäftsführer und Direktor des Audi-F1-Projekts im Gespräch mit der Sport Bild. „Ein absoluter Ausnahmepilot, keine Frage, aber am besten war er außerhalb des Autos. Er ist mit seiner Mentalität vorangegangen, war ein echter Leader.“
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Binotto weiß, wovon er spricht. Der Italiener kam 1995 als Motoreningenieur zum Testteam der Scuderia, bevor er 1997 ins Formel-1-Team wechselte und sich dort zunächst ebenfalls um die Antriebseinheit kümmerte. 2007 wurde er zum Chefingenieur befördert, ab 2019 übernahm er schließlich die Rolle des Ferrari-Teamchefs.
Ex-Ferrari-Teamchef Binotto: „Art und Weise von Michael Schumacher war einzigartig“
In dieser Zeit gewann Schumacher fünf Fahrer-Titel mit der Scuderia und wurde damit nicht nur sportlich, sondern auch emotional zum Idol der italienischen Tifosi. „Seine Art und Weise, mit dem Team in der Garage zu arbeiten, ambitionierte Ziele zu setzen und niemals aufzugeben, bis er sie erreicht hat, war einzigartig“, erinnert sich Binotto an die gemeinsame Zeit.
„Das war in seiner DNA“, betont der langjährige Ferrari-Mitarbeiter, der genau weiß, dass die zahlreichen WM-Titel nicht nur der Leistung des Teams, sondern zu einem erheblichen Teil auch Michael Schumacher selbst zu verdanken waren. „Genau diese Mentalität brauchen wir, um Erfolg zu haben“, lobt der Italiener die Arbeit des deutschen Formel-1-Rekordweltmeisters.
Kann Nico Hülkenberg in die Fußstapfen von Michael Schumacher treten?
Mittlerweile arbeitet Mattia Binotto bei Sauber beziehungsweise Audi erneut mit einem deutschen Formel-1-Piloten zusammen: Nico Hülkenberg. Der 37-Jährige genießt innerhalb des Teams bereits ein hohes Ansehen und feierte beim Großen Preis von Großbritannien sogar seinen ersten Podestplatz in der Königsklasse.
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„Nico spielt eine zentrale Rolle“, verrät Binotto. „Mit seiner Erfahrung aus 240 Formel-1-Starts und diversen Rennställen kann er uns auf allen Ebenen helfen – bei der Entwicklung des Autos und des Teams. Denn Nico ist nicht nur ein sehr guter Fahrer, der sehr konstant liefert, sondern vor allem ein toller Mensch. Ich bin sehr froh, dass er Teil unseres Teams ist.“
Im Unterschied zu Ferrari, wo sich Binotto einst in ein bereits etabliertes Umfeld einfügte, erwarten ihn bei Audi weitaus größere Herausforderungen. Die Scuderia ist seit 1950 in der Formel 1 am Start. „Wir hingegen stehen ganz am Anfang, müssen den Berg, der vor uns liegt, noch erklimmen“, erklärt der Italiener. „Das heißt, die Fabrik und die Prozesse müssen erst auf das Level eines Top-Teams gebracht werden.“ Dabei könne Hülkenberg eine wichtige Rolle spielen – so wie einst Michael Schumacher bei Ferrari. (SoBre)
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