Skisprung-Star in der Krise

Vierschanzentournee: Wellinger hat ein Problem - Die Zeit läuft davon

Vierschanzentournee: Andreas Wellinger scheidet in Oberstdorf im 1. Durchgang aus und blickt ratlos in die Kamera.
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Vierschanzentournee: Andreas Wellinger scheidet in Oberstdorf im 1. Durchgang aus und blickt ratlos in die Kamera.
  • Tobias Ruf
    VonTobias Ruf
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Andreas Wellinger erlebte einen denkbar bitteren Start in die Vierschanzentournee. Doch damit nicht genug. Dem besten deutschen Skispringer der vergangenen Jahre steht ein weiteres Problem bevor. Und die Zeit läuft ab.

Oberstdorf - Noch vor zwei Jahren stand Andreas Wellinger auf dem Gipfel der Skispringen-Welt. Er hatte das Auftaktspringen der Vierschanzentournee in Oberstdorf gewonnen. Am Montag schied der 30-Jährige als 49. bereits im 1. Durchgang aus. Doch damit ist nicht nur der Start in das erste Saisonhighlight misslungen.

Denn neben der Vierschanzentournee zum Jahreswechsel wartet auf die Skispringer ein weiterer Höhepunkt in diesem Winter. Im Februar beginnen die Olympischen Winterspiele in Italien. Und genau für diese läuft Wellinger die Zeit gefährlich davon.

Vierschanzentournee: Wellingers Optimismus im Oktober - Bittere Realität im Dezember

„Wenn es im Februar in Predazzo um Medaillen geht, will ich konkurrenzfähig sein. Ich fahre nicht nur hin, um dabei zu sein“. Das sagte Wellinger Ende Oktober, als die Saison noch nicht gestartet und er optimistisch war, die vielen Umstellungen im materiellen Bereich gut umsetzen zu können.

Die Ergebnisse sprechen nicht erst seit dem 49. Platz in Oberstdorf eine ganz andere Sprache. Nur in zwei von acht Weltcupspringen erreichte der Springer vom SC Ruhpolding den 2. Durchgang. „Wenn ich dabei bin, will ich auf höchstem Niveau performen“. Von diesem Satz aus dem Oktober ist der zweifache Olympiasieger meilenweit entfernt.

Skispringen: Nominierung am 20. Januar - Begrenzte Zahl an Olympia-Plätzen

Am 20. Januar muss der Deutsche Olympische Sportbundbund (DOSB) seine Athleten für Olympia 2026 nominieren. Dabei setzt der DOSB ganz klare Richtlinien, was die Qualifikationsnorm angeht. Im Skispringen lautet die Vorgabe, dass bis zum Ende der Nominierungsfrist mindestens eine Einzelplatzierung unter den Top 8 oder deren zwei unter den Top 15 zu Buche stehen müssen.

Die männlichen DSV-Skispringer haben nur vier Nominierungsplätze für Olympia 2026. Philipp Raimund, Felix Hoffmann und Pius Paschke haben die Vorgaben erfüllt. Auch Wellinger hat mit seinem siebten Platz bei der Windlotterie am 29. November in Ruka die Norm erreicht. Damit stünde ihm der vierte Startplatz zu. Aktuell hat kein weiterer DSV-Adler die Olympia-Qualifikation in der Tasche. Sollte sich dies bis zum 20. Januar ändern und Wellinger nicht in Form kommen, könnte gar die Olympia-Teilnahme fraglich sein.

Dass Wellinger seine Worte vom Oktober ab Februar in die Tat umsetzen kann, ist ohnehin höchst fraglich. Er spricht von technischen Fehlern in der Umsetzung. Selbst ein Verzicht auf die Tournee-Generalprobe und intensive Trainingseinheiten haben nicht für Besserung gesorgt. Das Selbstvertrauen ins eigene System ist nicht erst seit Beginn der Vierschanzentournee verloren gegangen. Bis zu den Olympischen Spielen sind es noch rund 40 Tage. Wellinger läuft die Zeit in einem Tempo davon, dem er derzeit nicht folgen kann. (Quelle: chiemgau24.de, truf)