Reformhäuser und Biomärkte verlieren

„Qualität wird darunter leiden“: Kritik an Bio-Boom bei Discountern

  • Juliane Reyle
    VonJuliane Reyle
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Bio-Lebensmittel sind beliebt. Sogar so gefragt, dass Discounter sie regulär in ihren Sortimenten aufnehmen und Umsatz-Gewinn verzeichnen. Für die Bio-Pioniere mit Folgen.

Es gleicht einem Bio-Boom. Die Zahl der Bio-Produkte in den Geschäften wächst ständig. Ökologisch erzeugte Lebensmittel sind schon längst nicht mehr nur den Reformhäusern oder Biomärkten vorenthalten. Auch Discounter, wie Lidl und Aldi führen inzwischen eigene Bio-Marken in ihren Sortimenten. Kaufland veröffentlichte nun sogar, dass gleich 20 verschiedene Sorten Bio-Babygläschen die Produktpalette in den Filialen erweitern.

Umsatzeinbruch in Bio-Geschäften: Discounter erweitern ihr Sortiment

Doch was auf den ersten Blick gut für die Natur und Umwelt oder die Gesundheit der Menschen wirkt, das hat auch seine Schattenseite. Mehr und mehr Bio-Geschäft-Inhaber bedauern einen Rückgang an Kunden und damit einhergehenden Einnahmen. Mia Sulzbacher, die Inhaberin des Bio-Geschäftes „Quer-Beet“ äußert gegenüber der „tagesschau“: „Unser Bioladen ist natürlich etwas teurer als das Bio bei Lidl oder Aldi, da wandern dann schon Kunden ab. Wir haben es besonders gemerkt, dass weniger Obst und Gemüse gekauft wird, das war eigentlich immer unsere stärkste Säule. Es ist aber auch insgesamt weniger geworden.“

Marktforscher bestätigen den Rückgang an Verkäufen in Bio-Märkten. Der Umsatz soll im vergangenen Jahr um rund 10,8 Prozent eingebrochen sein. Reformhäuser sollen sogar ein Minus von 37,5 Prozent verzeichnen. Die Eigenmarken der großen Handelsketten hingegen verzeichnen einen Gewinn, sie sollen um ganze neun Prozent zugelegt haben.

Leidet die Qualität? Biomärkte zweifeln an Bio-Massenproduktion

Nicht nur der Kunden-Schwund und damit existentielle Folgen sind für die Bio-Supermärkte bedenklich. Martin Sulzbacher, der vor 26 Jahren den ersten Bio-Supermarkt in Hessen eröffnete, gibt zu bedenken: „Wenn alle Bio machen, dann wird es nicht mehr dasselbe sein. Bioland wird Abstriche machen, Demeter wahrscheinlich auch. Also ich fürchte, die Qualität wird darunter leiden.“

Denn ein weiteres Problem zeichnet sich auf: „Woher kommt das ganze Bio?“ Denn die Produkte müssen nicht nur verkauft, sondern auch entsprechen ökologisch angebaut oder groß gezogen werden. Norbert Klapp, der seit 30 Jahren Schweinebauer ist, erklärt der „tagesschau“, dass ihn ein Umbau von Haltungsform 2 zur Bio-Haltungsform eine „knappe Million Euro“ Investition kosten würde. Rund 95 % der Schweine-Zuchtställe in Deutschland sollen dieselbe Haltungsform, wie er sie bislang pflegt, haben.

Das Bio-Sortiment in vielen Discountern wächst zunehmend.

Sulzbacher des Geschäfts „Quer Beet“ weist auch auf den Aspekt der Regionalität und Saisonalität hin. Kleinere Bio-Geschäfte, wie das Ihrige, würden vermehrt auch auf Lieferanten aus der Umgebung achten. Wenn Bio wirklich das „neue Normal“ wird, dann hat sie Hoffnung, dass ihr Bio-Laden davon auch profitiert, obwohl es erst einen Preissturz bei Lidl und Kaufland gab und Produkte dort dauerhaft günstiger verkauft werden.

Rubriklistenbild: © Oliver Berg/dpa

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