Strommix in Deutschland
Energie in Deutschland: Woher kommt eigentlich unser Strom?
VonMichaela Ebertschließen
Den Energiemangel in Deutschland spürt aktuell vermutlich nahezu jeder. Spätestens dann, wenn die nächste Stromrechnung ins Haus flattert. Doch woher kommt eigentlich das, was zu Hause aus der Steckdose kommt? Wie wird der Strom erzeugt?
Spätestens seit dem russischen Angriff auf die Ukraine ist klar: Deutschland ist in puncto Energieversorgung abhängig von anderen Nationen. Die Folgen des Ukraine-Krieges rücken damit auch die deutsche Stromerzeugung in den Fokus. Erst kürzlich entschied sich das Bundeswirtschaftsministerium daher dazu, zwei Stresstests durchzuführen, die auch die Frage nach der Sicherheit des deutschen Stromnetzes beantworten sollen.
Wie sicher ist das deutsche Stromnetz? Stresstest für Neckarwestheim II
Durch die Stresstests konnte also ermittelt werden, inwieweit das deutsche Stromnetz den aktuell verschärften Bedingungen (Stichwort Gasmangel) gewachsen sei und die Versorgungssicherheit gewährleisten kann. Um in der Bundesrepublik die nötige Netzstabilität zu sicherzustellen, wurde daher erst am vergangenen Dienstag beschlossen, die Atomkraftwerke Isar 2 und Neckarwestheim II am Netz zu lassen.
Ursprünglich sollten diese nämlich endgültig am 31. Dezember 2022 abgeschaltet werden, nun werden sie voraussichtlich bis zum 15. April 2023 weiterlaufen und sollen so die deutsche Energieversorgung als „Notreserve“ im kommenden Winter unterstützen.
Eine Option, die für Neckawestheim II auch von Baden-Württembergs Ministerpräsident Winfried Kretschmann unterstützt wird. Dabei könnten sie laut der Organisation „.ausgestrahlt“ jedoch gerade mal 0,2 Prozent des deutschen Gasverbrauchs einsparen. Für viele stellt sich daher die Frage: Woher kommt eigentlich der Strom, der bei uns aus der Steckdose kommt?
Woher kommt unser Strom: Erneuerbare Energien
Die positive Nachricht zuerst: Der Anteil der erneuerbaren Energien wächst seit einigen Jahren kontinuierlich. Im ersten Halbjahr von 2022 deckten sie rund 49 Prozent des Bruttoinlandsverbrauches, wie das Zentrum für Sonnenenergie- und Wasserstoff-Forschung Baden-Württemberg (ZSW) berichtet. Abhängig von Wetterlage und Jahreszeit überschreitet der Wert sogar bereits die 50-Prozent-Marke. Gerade Windkraft liefere dabei den größten Beitrag.
Das bisherige Rekordjahr 2020 verzeichnete einen Anteil von 47,1 Prozent an Erneuerbaren Energien. Dieser Wert konnte bereits in den ersten sieben Monaten des laufenden Jahres übertroffen werden. Vor circa zehn Jahren lag der Anteil von Strom aus Fotovoltaik-, Wind- und Wasseranlagen und Biogas noch bei gerade mal 20 Prozent.
Strommix in Deutschland: Zunehmender Bedarf an Kohlekraft
Auch im Jahr 2022 ist auch die Kohlekraft nun wieder ein wichtiger Faktor bei Stromerzeugung. Die Gewinnung von Strom aus Braun- und Steinkohle beträgt in diesem Jahr rund 30 Prozent. Allerdings wird seit Anfang August keine russische Kohle mehr nach Europa geliefert. Die Politik reagiert darauf und nimmt gleich zwei Steinkohlekraftwerke (in Mehrum und in Heyden) wieder ans Netz.
Experten zu Folge wäre es zwar möglich, die Energie aus Kohle durch anderweitige Methoden zu ersetzen, allerdings sorgt ein schlecht etabliertes Liefersystem derzeit noch für Schwierigkeiten.
Starke Schwankungen im Strommix – auch bei Erdgas
Auch Erdgas ist anteilig im deutschen Strommix vertreten. So wurde im ersten Quartal des laufenden Jahres rund 13 Prozent des Stroms aus dem teuren Gasgemisch hergestellt. Im Vorjahresquartal lag der Wert noch mehr bei mehr als 16 Prozent. Milde Wintermonate im Übergang von 2022 auf 2023 sorgten jedoch für einen Rückgang des Prozentsatzes.
Trotzdem unterliegen die Anteile im Strommix starken Schwankungen. Auch die hohe Nachfrage aus Frankreich sorgte zuletzt dafür, dass Gaswerke wieder mehr Strom produzieren mussten. So teilte das Strommarktdatenportal Smard beispielsweise mit, dass allein im Juli 13,5 Prozent mehr Strom als noch im Juni in Gaskraftwerken erzeugt wurde.
Atomkraft fürs Stromnetz? Austritt war ursprünglich für Ende 2022 geplant
Auch im kommenden Jahr soll also nach den Beschlüssen des Bundeswirtschaftsministeriums weiterhin Strom aus Kernkraftwerken gewonnen werden – und das, obwohl der vollständige Austritt aus der Atomenergie bereits für den 31. Dezember 2022 beschlossene Sache war. Derzeit beträgt der Anteil, der aus den letzten drei verbliebenen Kernkraftwerken Emsland, Isar 2 und Neckarwestheim II entsteht, lediglich sechs Prozent. Bereits Ende des Jahres 2021 wurden schon drei Kraftwerke abgeschaltet. In dem Jahr hatte der Anteil der Kernenergie am Strommix noch ganze 55 Prozent betragen.
Für die kommenden Jahre sagen Experten allerdings einen Anstieg des Gesamtstrombedarfs in Deutschland vorher. Immerhin benötigen auch die nachhaltigsten Entwicklungen wie Elektroautos, Wärmepumpen und die Gewinnung von Wasserstoff (etwa zu Mobilitätszwecken) Strom. Auch Fernseher und Kühlschränke können beim falschen Gebrauch richtige Stromfresser sein.
