18 Lippenstifte im Test

Lippenstift im Öko-Test: Rote Lippen sollte man nicht küssen

  • Tobias Becker
    VonTobias Becker
    schließen

Das Verbrauchermagazin Öko-Test hat bei der Untersuchung von Lippenstift ein Schock-Ergebnis vorgelegt. In fast allen Produkten stecken Schadstoffe. Für die Herstellung kann es zur Kinderarbeit kommen.

Lippenstift ist bei vielen Frauen ein Standard beim Schminken. Das Kosmetika wird auf die Lippen aufgetragen und soll schön aussehen. Doch der Lippenstift wird auch weiter getragen. Beim Essen und Trinken kann sich etwas lösen, kaum merkbar. Und auch beim Küssen überträgt sich ein bisschen Lippenstift, denn schon in Liedern wurde gesungen: „Rote Lippen soll man küssen, denn zum küssen sind sie da.“ (Cliff Richards) Doch nach dem Öko-Test von Lippenstiften vergeht bei manchen Marken die Lust darauf, denn sie fallen knallhart durch!

VerbrauchermagazinÖko-Test
ErstausgabeApril 1985
Erscheinungsweisemonatlich
HauptsitzFrankfurt

Lippenstift unter der Lupe: So hat Öko-Test untersucht

Das Verbrauchermagazin Öko-Test hat 18 rote, matte Lippenstifte untersucht. Auf Marke und Eigenmarke wurde nicht geachtet, so dass die Testprodukte wild gemischt waren. Auch sechs Naturkosmetikprodukte waren dabei. Viele Menschen in Heilbronn und Baden-Württemberg kennen die getesteten Lippenstifte aus dem eigenen Badezimmer. Geachtet wurde bei Öko-Test vor allem auf Schadstoffe, die eventuell in Lippenstiften enthalten sind.

Das wäre kaum ungewöhnlich bei solch einem Test, denn in den meisten Kosmetika stecken gesundheitsgefährdende Stoffe. Sogar in Kinderzahnpasta hat Öko-Test beispielsweise Blei gefunden – und nicht nur darin: Auch in den zum Valentinstag verschenkten Rosen befinden sich viele Pestizide. Und auch das Ergebnis des Lippenstift-Tests offenbart Schadstoffe.

Ungesunde Lippenstift: Öko-Test zeigt Schock-Ergebnis

Das Ergebnis ist schockierend! Zwar sieht Lippenstift schön aus, aber man sollte wohl besser darauf verzichten. Kein einziges der 18 Produkte bekam eine gute Bewertung von Öko-Test – im Gegenteil! Die Bestnote im Lippenstift-Test: befriedigend. Acht Lippenstifte bekamen das Urteil „ungenügend“ (Schulnote: 6), fünf weitere wurden mit „mangelhaft“ bewertet (Schulnote: 5). Darunter auch bekannte Marken wie „Dior“, „Maybelline“ und „L‘Oréal“. Immerhin bekamen vier Produkte auch ein annehmbares „befriedigend“ als Note:

  • „Alverde Matt Lipstick, 10“ von dm – Note: befriedigend
  • „Benecos Natural Mat Lipstick Wow!“ von Cosmondial – Note: befriedigend
  • „Essence Hydra Matte Lipstick, 406“ von Cosnova – Note: befriedigend
  • „Lavera Velvet Matt Lippenstift, 04“ von Laverana – Note: befriedigend
  • Alle Ergebnisse des Lippenstift-Tests von Öko-Test gibt es gegen Bezahlung.

Unter den vier Lippenstiften, die mit „befriedigend“ abgeschnitten haben, befinden sich gleich drei Produkte, die auch als zertifizierte Naturkosmetik gelten. Lediglich der Cosnova-Lippenstift hat diese Zertifizierung nicht. Dass das Schönheitsprodukt so schlecht bei Öko-Test abschneidet, liegt vor allem an den Inhaltsstoffen.

Schadstoffe und Kinderarbeit: Die Kritik am Lippenstift ist groß

Titandioxid, Paraffine, Minaralölkohlenstoff (MOAH), Silikone, hautreizende Farbstoffe – es wäre vermutlich schneller die Inhaltsstoffe aufzuzählen, die in Lippenstiften stecken und nicht gesundheitsgefährdend sind. Nicht schlimm? Öko-Test führt aus, dass bei jedem Essen, Trinken und achtlosem Über-den-Mund-Lecken ein Stück Lippenstift in den Körper gelangt. Natürlich nicht viel, aber täglich wären das bis zu 57 Milligramm. Oder: Fünf (!) Lippenstifte im Jahr – Mahlzeit!

Vor allem Titandioxid ist in einigen Bereichen inzwischen verboten. Zunächst wurde festgestellt, dass es beim Einatmen krebserregend wirken soll. Nun gibt es auch Hinweise darauf, dass Titandioxid, wenn es in den Körper gelangt, erbgutverändernde Wirkung haben kann. Die Folge: Als Lebensmittelzusatzstoff ist es EU-weit verboten. Aber: In Kosmetika ist es derzeit noch erlaubt.

Dass bei der Produktion häufig auch Kinderarbeit benutzt wird und diese kleinen Kinder in oft illegalen, selbstgegrabenen und nicht sicheren Minen das Glitzerpigment „Mica“ abbauen, beschreibt Öko-Test in der aktuellen Ausgabe (02/23) ausführlich. Auch diese Lieferkette und Herkunft wurde im Test begutachtet, soweit die Hersteller die Dokumentation an Öko-Test weiterreichten. Das tat jedoch nur ein einziger Hersteller.

Rubriklistenbild: © Andrea Warnecke/dpa-tmn

Mehr zum Thema