Verdi-Streik

Bundesweiter Superstreik am Montag – diese Bereiche sind betroffen

Ein doppelter Warnstreik der Eisenbahngewerkschaft (EVG) und Verdi am Montag legt den Verkehr in ganz Deutschland lahm. Ausfälle, Verspätungen und ein komplettes Verkehrschaos drohen.

In der Nacht auf Montag (27 März) beginnt der bundesweite eintägige „Superstreik“ der Eisenbahn- und Verkehrsgewerkschaft (EVG) und Verdi. Von diesem Streik betroffen sind so gut wie alle Verkehrsbereiche – sogar bestimmte Teile des Autoverkehr. Die Bahn stellt den Fernverkehr am Montag komplett ein. Busse, S-Bahnen und der Regionalverkehr fahren nicht. Auch der Flughafen Stuttgart ist vom Streik betroffen, ebenso wie die Schiffsfahrt. Zuletzt fand ein Streik dieser Größe Anfang der 1990er Jahre statt. echo24.de fasst zusammen, wo am Montag gestreikt wird.

Mit dem großen Streik am Montag soll pünktlich zur dritten Verhandlungsrunde noch einmal Stärke gezeigt werden. Für rund 2,5 Millionen Beschäftigte von Bund und Kommunen fordert Verdi und der Beamtenbund dbb 10,5 Prozent mehr Einkommen, mindestens aber 500 Euro mehr im Monat. Auch die EVG kämpft mit mehreren Unternehmen um mehr Geld, darunter auch die Deutsche Bahn (DB).

Dieser Streiktag wird massive Wirkung haben.

Verdi-Chef Frank Werneke

Superstreik am Montag – das droht Bus- und Bahnfahrern

Die Deutsche Bahn stellt am Montag den gesamten Fernverkehr ein. Auch im Regionalverkehr soll wohl „größtenteils kein Zug fahren“, so der Konzern am Donnerstag. Der Streik könne bereits von Sonntagabend bis Dienstag zu spüren sein. Fahrgäste, die am Montag oder Dienstag Reisen geplant hatten, könnten das Ticket noch bis einschließlich zum 4. April flexibel nutzen, teilte die Bahn mit. Wer einen Sitzplatz reserviert hat, könne diesen kostenlos stornieren.

Am Montag kann es deutschlandweit zu Ausfällen im öffentlichen Nahverkehr kommen. Verdi ruft erneut zu Warnstreiks auf.

Ebenfalls still gelegt wird der Nahverkehr am Montag. echo24.de erklärt, welche Rechte Fahrgäste haben, wenn der ÖPNV streikt. In sieben Bundesländern soll so gut wie nichts mehr gehen – darunter Baden-Württemberg, Hessen, Niedersachsen, Nordrhein-Westfalen, Rheinland-Pfalz, Sachsen und weite Teile Bayerns. Bereits Anfang März standen in diesen Ländern Busse, Bahnen und Straßenbahnen still.

Streik am Flughafen und bei der Schiffsfahrt: Diese Airports sind betroffen

An den deutschen Flughäfen wird am Montag ebenfalls gestreikt – etwa 380.000 Geschäfts- und Privatreisende könnten so laut Flughafenverband ADV nicht abheben. Am Airport in Frankfurt, dem größten Flughafen, kommt der Passagierverkehr zum vollkommenen Erliegen. Auch der Flughafen München könne sowohl bereits am Sonntag als auch am Montag keinen regulären Flugbetrieb anbieten. Ebenfalls bestreikt wird der Flughafen Berlin. Im Südwesten ist auch der Flughafen Stuttgart betroffen.

Nicht nur in der Luft, auch auf dem Wasser soll am Montag nichts gehen: So werden beispielsweise Schleusen auf wichtigen Wasserstraßen und der Hamburger Hafen bestreikt. Dadurch werden manche Bereiche blockiert sein, der Hamburger Hafen werde für große Schiffe teils nicht mehr erreichbar sein.

Von Verkehrschaos bis hin zu Versorgungschaos – Streik wirkt sich auch auf PKW- und LKW-Fahrer aus

Viele Menschen werden am Montag auf das Auto zurück greifen wollen und müssen. Doch auch auf den Straßen, besonders in den Innenstädten könnte es zu extremen Verkehrschaos und Staus kommen. Die Autobahngesellschaft streikt ebenfalls. Immerhin etwas aufatmen können Autofahrer: Damit es zu keinen Sperrungen von Tunneln kommen muss, „werden Notdienstvereinbarungen geschlossen, um zum Beispiel Tunnelschließungen zu vermeiden“, so die Gesellschaft.

Auch für LKWs könnte es am Montag auf den Straßen schwierig werden. Kommen Waren nicht rechtzeitig an, könnte ein Schaden von zig Millionen entstehen, so Dirk Engelhardt, Präsident des Bundesverbands Güterkraftverkehr Logistik und Entsorgung (BGL). Um diesem Szenario auszuweichen, fordert er die Aufhebung des LKW-Fahrverbots an Sonntagen. So könnten die Waren frühzeitig schon ausgefahren werden und der wirtschaftliche Schaden, den der Streik auslösen könnte, wäre geringer.

Tausende Streikende ziehen durch Heilbronn – große Demonstration auf dem Kiliansplatz

In Heilbronn wird am Donnerstag gestreikt.
Mit Trillerpfeifen, Musik und Gebrüll wird gestreikt.
Mit weiteren Warnstreiks will Verdi kurz vor der dritten Verhandlungsrunde noch mehr Druck auf die Arbeitgeber des öffentlichen Dienstes ausüben.
Tausende ziehen am Donnerstag durch Heilbronn und demonstrieren.
Tausende Streikende ziehen durch Heilbronn – große Demonstration auf dem Kiliansplatz

Nach turbulenten Wochen – wann nehmen die Streiks in Deutschland ein Ende?

Aus den Führungsebenen der Streikenden kommt heftige Kritik. Der massive Streik sei für die Präsidentin der Vereinigung der kommunalen Arbeitgeberverbände (VKA), Karin Welge, „Nicht okay“. Sie ist der Meinung, dass ein Ergebnis schließlich in der dritten Runde in Potsdam gefunden werden könne. Der Bahn-Personalvorstand Martin Seiler betitelte den Streik als „völlig überzogen, unnötig und „unverhältnismäßig““

Tarifexperte Schulten, Forscher des Instituts WSI der gewerkschaftsnahen Hans-Böckler-Stiftung, erwartet derzeit eher keine weiteren gemeinsamen Streiktage dieser Größe. Falls es in Potsdam kommende Woche keine Einigung gibt, würde wohl zuerst der Versuch einer Schlichtung unternommen werden.

Rubriklistenbild: © Moritz Frankenberg/dpa

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