Energie
Stromkosten sollen sinken: Hier zahlen Millionen Kunden bald weniger Geld
- VonSophia Lavcanskischließen
Der Anblick der eigenen Stromrechnung ist für viele Deutsche kein schöner, denn Strom ist teuer. Millionen Menschen sollen jedoch bald weniger zahlen.
Im nächsten Jahr können sich schätzungsweise zehn Millinonen Haushalte in eher ländlichen Regionen Deutschlands auf eine Änderung freuen: Die Energiepreise sollen hier sinken – während sie in anderen Gegenden weiterhin steigen. Genauer gesagt handelt es sich bei den betroffenen Regionen um die ländlichen Gebiete im Norden und Osten Deutschlands, aber auch in Bayern soll es günstiger werden. Grund dafür ist eine neue Kostenverteilung des Stromnetz-Ausbaus.
Günstigere Strompreise: Senkung der Netzentgelte soll das ermöglichen
Wie der Energiekonzern „Eon“ gegenüber der „dpa“ berichtet, werden seine Verteilnetz-Töchter, die etwa 700.000 Kilometer Stromleitungen abdecken und damit circa ein Drittel des gesamten deutschen Verteilnetzes, die Netzentgelte teilweise deutlich absenken.
Netzentgelte werden von Gas- und Stromlieferanten als eine Art Gebühr an die Netzbetreiber gezahlt und an die Verbraucher weitergeleitet, auch die Kosten für den Stromnetzausbau werden auf die Netzentgelte umgelegt.
Netzentgelte sollen sinken: Hier zahlen Kunden bald weniger für ihren Strom
Die Senkung der Netzentgelte fällt für manche wirklich stark ins Gewicht: Bei „Schleswig-Holstein Netz“ sinken die Netzentgelte, die für große Teile des nördlichsten deutschen Bundeslandes zuständig ist, um satte 27 Prozent. In Brandenburg reduziert die dort tätige E.DIS Netz GmbH die Entgelte um 20 Prozent. Bei der ebenfalls in Ostdeutschland aktiven Mitnetz mbH aus Cottbus wird es zehn Prozent günstiger.
Auch Bayern darf sich teilweise auf sinkende Preise freuen, denn beim „Bayernwerk Netz GmbH“ geht es um 11 Prozent runter und bei den „Lechwerken“ um 27 Prozent. Bei anderen Firmen sinken die Entgelte ebenfalls zweistellig, etwa beim kommunale Netzbetreiber Wemag aus Mecklenburg-Vorpommern. Es gibt rund 800 Stromnetzbetreiber in Deutschland.
Das hessische Unternehmen Syna hebt die Entgelte hingegen um fünf Prozent an und Westnetz aus NRW um ein Prozent, beide Firmen gehören zu Eon: Energiekunden, die in deren Netzgebieten wohnen, müssen sich also auf eine leichte Preiserhöhung einstellen. Mit drei simplen Einstellungen gelingt es aber auch diesen Menschen, Strom und somit Geld zu sparen.
Strom-Kosten sinkt für Millionen Haushalte: Neues System soll faire Kostenverteilung gewährleisten
Der Grund für die geänderten Entgelte ist eine neue Vorschrift der Bundesnetzagentur, deren Ziel es ist, die Kosten des milliardenschweren Umbaus der Energienetze anders zu verteilen wie davor. Die Netze sollen vor allem an Orten, wo viel Ökostrom erzeugt wird, ausgebaut werden – beispielsweise an Windrädern im Norden.
Da jedoch nur ein Teil des Stroms vor Ort gebraucht wird, fließt der Rest zu Großstädten und Industriezentren im Süden. Dass auch der ländliche Teil Bayerns bald weniger zahlt, liegt an dort neu installierten Photovoltaik-Anlagen, derentwegen die Netze dort aufwendig ausgebaut wurden.
Bislang war die Verteilung teils ziemlich ungerecht verteilt, denn für den Ausbau der Netze müssen dünn besiedelte Regionen mit vielen Windrädern und Photovoltaik-Anlagen mehr zahlen als Regionen mit wenigen – und das, obwohl diese Regionen im Endeffekt von dem Stromzufluss profitieren. Der Chef der Netzagentur Klaus Müller erklärt bezüglich der neuen Regelung: „Wir wollen faire Netzentgelte für die Menschen und Unternehmen, die in Regionen mit einem starken Ausbau der Erneuerbaren leben beziehungsweise wirtschaften“
Geringere Netzentgelte sollen an Strom-Kunden weitergegeben werden
Der Netzbetreiber und Lieferant Wemag hat bereits angekündigt, die Entgeltsenkung seiner Netzbetreiber-Sparte in Mecklenburg-Vorpommern an die Kunden weiterzureichen. Dazu stellt die Firma eine Beispielrechnung auf: Wenn ein durchschnittlicher Haushalt mit einem Verbrauch von 3500 Kilowattstunden aktuell 15,5 Cent pro Kilowattstunde zahlt, im nächsten Jahr jedoch nur noch 9,47 Cent, handelt es sich um eine jährliche Reduzierung um rund 40 Prozent oder 211 Euro.
Auch andere Energiefirmen möchten ihre Kunden entlasten, und auch wenn sie die Netzentgelt-Senkung nicht direkt als niedrigeren Preis weitergeben, wird die Entlastung aufgrund des Wettbewerbs am Markt früher oder später beim Stromkunden ankommen.
Da die Vergünstigung leider nicht alle Deutschen betreffen wird und Strompreise in einigen Gebieten leider dennoch weiter ansteigen, lohnt es sich auf eine stromsparende Lebensweise zu achten. Das muss nicht unbedingt etwas mit Einschränkungen im Alltag zu tun haben: Energie lässt sich mit einigen Tipps nämlich tatsächlich nachts während dem Schlafen sparen.
Zu hohe Strompreise: Senkung der Netzentgelte soll Kunden entlasten
Der Chef der Behörde Müller kritisiert, dass die Netzentgelte in vielen ländlichen Regionen Nord- und Ostdeutschlands und auch in Bayern bislang deutlich über dem bundesweiten Durchschnitt gelegen haben. Zufrieden verkündet er: „Es ist uns gelungen, dass diese Menschen bei den Netzentgelten deutlich entlastet werden.“
Nach ersten Meldungen von Netzbetreibern geht die Behörde von einem Entlastungsvolumen von mehr als zwei Milliarden Euro aus, der Behördenpräsident fordert die Stromlieferanten auf, die Vorteile schnell an den Endkunden weiterzugeben, „Kundinnen und Kunden sollten darauf achten, dass die Vergünstigungen bei ihnen ankommen oder ihren Lieferanten wechseln“.
Rubriklistenbild: © IMAGO