Tuning-Szene

Tuning am Auto – was ist erlaubt und was nicht?

  • VonCharlotte Götz
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Tuning, oder auch Fahrzeugoptimierung, ist in der Welt der Autos und Motorräder ein weit verbreitetes Thema. Doch was ist in der Tuning-Szene erlaubt – und was nicht?

Quietschende Reifen, lauter Auspuff, proletenhafte Fahrer und Karosserien so tief, dass sie bei jedem noch so kleinen Bordstein einen Schaden davon tragen. Dieser Gedanke drängt sich bei vielen in den Vordergrund, wenn der Begriff Tuning fällt. Doch eigentlich setzt Tuning auf Individualität im Vergleich zum Serienzustand und eine Verbesserung der Technik – nicht auf sinnlosen Krach und Krawall.

Dabei kann Tuning viele verschiedene Bereiche des Fahrzeugs betreffen: Motorleistung, Federung, Bremsen, Auspuffsystem, Karosserie oder Interieur sind nur einige Beispiele. Es gibt unzählige Möglichkeiten ein Auto oder Motorrad zu optimieren, sei es durch den Einbau neuer Teile, die Anpassung der Software oder durch das Anbringen von Dekorations- und Soundelementen.

Tuning am Fahrzeug – Kunst oder Gefahr für die Bevölkerung?

Immer mehr Tuning-Enthusiasten sehen das Tunen ihres Fahrzeugs als eine Art Kunstform und Ausdruck ihrer Persönlichkeit. Sie nehmen an legalen Tuning-Events teil und zeigen stolz ihre Kreationen. Doch die Grenze vom legalen Aufhübschen zur illegalen Abänderung ist ein schmaler Grat. Deshalb wirft die Polizei in Baden-Württemberg permanent ein Auge auf die Tuning- und Poser-Szene.

Autobesitzer dürfen nach den gesetzlichen Vorgaben tunen. Nur bei Regelverstößen haben sie bei einer Polizeikontrolle Strafen zu befürchten.

Die Tuning-Szene wird oft mit illegalen Straßenrennen oder rücksichtslosem Fahren in Verbindung gebracht und fordert regelmäßig Verletzte. Regelverstöße sind an der Tagesordnung und bringen zahlreiche Gefahren mit sich. Am Karfreitag – oder in der Tuning-Szene auch bekannt als „Carfreitag“ – greift die Polizei deshalb wieder bundesweit mit einer geplanten Kontrollaktion gegen Rechtsverletzungen durch. In Baden-Württemberg wurden im Jahr 2022 im Rahmen solcher Kontrollen rund 1.000 illegal aufgemotzte Autos beschlagnahmt, wie echo24.de bereits berichtete.

Legales Tuning - diese Änderungen am Fahrzeug sind erlaubt

Grundsätzlich ist es erlaubt, das eigene Fahrzeug zu tunen und zu modifizieren. Dabei müssen jedoch gewisse Vorschriften und Gesetze eingehalten werden. Alle Veränderungen am Fahrzeug müssen den Sicherheitsanforderungen entsprechen und dürfen keine Gefahr für andere Verkehrsteilnehmer darstellen. Ebenso darf die Betriebserlaubnis (BE) des Fahrzeugs nicht erloschen sein und das getunte Fahrzeug muss den Vorschriften der Straßenverkehrszulassungsordnung (StVZO) entsprechen. Das sind die Grundvoraussetzungen der Fahrzeugoptimierung.

Damit die Betriebserlaubnis weiterhin bestehen bleibt, muss eine gültige „Allgemeine Betriebserlaubnis“ (ABE) bei allen Veränderungen vorliegen oder der Gang zum Kfz-Prüfer stattfinden. Autos ohne BE sind auf öffentlichen Straßen verboten.

Der Versicherungsschutz kann entfallen und bei einer Kontrolle durch die Polizei drohen Verwarnungsgelder, Bußgelder, Punkte in Flensburg oder sogar die vorläufige Sicherstellung beziehungsweise Stilllegung des Fahrzeugs – je nach Schwere des Verstoßes.

Herr Mariano, Sprecher der Polizei Heilbronn, gab auf Anfrage von echo24.de einen allgemeinen Einblick in das drohende Strafmaß:

Erlöschen der Betriebserlaubnis50 Euro Geldstrafe
Gefährdung der Umwelt90 Euro Geldstrafe
Gefährdung der Verkehrssicherheit90 Euro Geldstrafe und ein Punkt

Viele Tuning-Maßnahmen sind also legal, solange sie den Anforderungen entsprechen. Hierzu gehören beispielsweise das Anbringen von Spoilern, Schwellern oder Felgen, das Tunen der Motoren oder das Verbauen von Sportauspuffanlagen. Auch das Ändern des Fahrwerks oder das Einbauen von neuen Sitzen ist in der Regel legal, solange dabei die Sicherheitsvorschriften eingehalten werden.

Illegales Tuning - diese Änderungen am Fahrzeug sind verboten

Jedoch gibt es auch Tuning-Maßnahmen, die illegal sind und zu hohen Strafen führen können. Dazu zählen beispielsweise Veränderungen am Abgas- oder Bremssystem, die dazu führen, dass das Fahrzeug nicht mehr den Sicherheitsanforderungen entspricht. Auch das Verändern der Beleuchtungseinrichtungen, wie das Anbringen von zu hellen oder falsch platzierten Scheinwerfern, ist verboten.

Fahrzeugliebhaber sollten sich vor der Optimierung ihres Fahrzeugs deshalb unbedingt über die geltenden Gesetze und Vorschriften informieren, um andere Personen nicht unnötig zu gefährden und Probleme mit der Polizei zu vermeiden.

Tuning-Klischee: Burnouts, Lärm und Krawall. Aber nicht alle, die ihr Auto individualisieren wollen, stehen darauf - und auch der Gesetzgeber erlaubt nicht alles.

Tuning ab Werk - Angebot besteht, Nachfrage bei Tuning-Fans eher gering

„Das individuelle Auto wird weiterhin eine wichtige Rolle für Autofahrer spielen“, sagte Harald Schmidtke vom Verband der Automobil Tuner (VDAT) gegenüber der PS WELT. Viele Hersteller haben ein umfangreiches Tuningprogramm ab Werk im Angebot, darunter Karosserieteile wie Spoiler und Unterfahrschutz, adaptive Fahrwerke, große Reifen mit zugehörigen Felgen und Leistungssteigerungen für mehr PS.

Aber: „Systembedingt sind diese Tuningmaßnahmen auf ‚Mainstream-Kunden‘ abgestimmt, Individualität bietet nur der Zubehörmarkt.“ Und Individualität mit dem einhergehenden Wiedererkennungswert des eigenen Fahrzeugs ist das A und O für Tuning-Fans.

Posing - diese Regeln gelten bei der Vorführung der optimierten Fahrzeuge

Beim Posing, dem Ausstellen der getunten Fahrzeuge, müssen ebenfalls gewisse Vorschriften beachtet werden. Andernfalls drohen auch hierbei empfindliche Strafen. Das Parken des Fahrzeugs auf öffentlichen Plätzen oder Straßen ist erlaubt, solange keine Verkehrsbehinderung entsteht. Auch hier muss das Fahrzeug den Sicherheitsvorschriften entsprechen und darf keine Gefahr für andere Verkehrsteilnehmer darstellen. Es ist jedoch verboten, das Fahrzeug auf öffentlichen Straßen oder Plätzen zu präsentieren, wenn dabei der Verkehr behindert wird oder es zu einer Gefährdung kommt.

Was genau ist eigentlich „Posing“?

Das Wort „Posing“ stammt aus dem Englischen und kann als „sich inszenieren“ oder „sich zur Schau stellen“ übersetzt werden.

Bei modifizierten Fahrzeugen bezieht sich „Posing“ auf das Ausstellen oder Präsentieren an öffentlichen Orten, wie auf Parkplätzen, in Parks oder auf Straßen. Oftmals handelt es sich dabei um aufwendig getunte und optisch veränderte Fahrzeuge, die von ihren Besitzern stolz präsentiert werden.

Das Ziel des „Posing“ ist es, das eigene Fahrzeug und die eigene Tuning-Leidenschaft anderen zu zeigen und sich mit Gleichgesinnten zu treffen.

Wer sich in Baden-Württemberg ganz legal mit Gleichgesinnten treffen und sein optimiertes Fahrzeug ohne Ärger mit der Polizei zur Schau stellen möchte, hat dafür einige Gelegenheiten. Auch findet Online in der Facebook-Gruppe „Tuningszene in Baden-Württemberg“ ein regelmäßiger Austausch zu aktuellen Tuningevents in der Umgebung unter Tuning-Fans statt.

Bevorstehende Tuning-Veranstaltungen in Baden-Württemberg

  • Hertz-Tuning Night 23 (9. April, Karlsruhe)
  • GREEN CHILL ZONE - Tuning on Ice (9. April, Pforzheim)
  • Bright Tuning Night (30. April, Heilbronn)
  • FAST10 Tuningnight & Film (18. Mai, Sinsheim)
  • Tuning World (18. Mai - 21. Mai, Friedrichshafen)
  • Markenoffenes Old & Youngtimer Treffen (28. Mai, Tannhausen)
  • Tuning Festival Karlsruhe (28. Mai - 29. Mai, Karlsruhe)
  • 21. Int. BMW Treffen (3. Juni, Gollhofen)
  • A&M Com(e) Together (11. Juni, Pforzheim)
  • Gechillt - Royal Edition Vol. 2 (2. Juli, Waghäusel)
  • CARMEET Heilbronn / Stage. Two (23. Juli, Heilbronn)
  • 6. Renault und markenoffenes Treffen (19. August - 20. August, Gaggenau)
  • LEGENDS. - Exclusive.Car.Event (3. September, Mockmühl)
  • Motorworld Saisonabschluss (8. Oktober, Böblingen)

Rubriklistenbild: © Uwe Anspach

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