„Selbst die Amerikaner konnten es nicht glauben“

F-16-Kampfjet im Ukraine-Krieg: „Fliegerass“ vernichtet Putins Raketen

  • Paula Völkner
    VonPaula Völkner
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Die Ukraine berichtet immer wieder von erfolgreichen Abschüssen russischer Raketen durch F-16 Jets. Einem Flieger ist nun ein bisher unerreichtes „riskantes“ Manöver gelungen.

Kiew – Ukrainische Medien berichten von einem Rekord im Ukraine-Krieg: Sechs russische Marschflugkörper soll ein Pilot eines F-16-Kampfjets in einem einzigen Einsatz zerstört haben. Dies sei zum ersten Mal gelungen, seit die Ukraine im Krieg gegen Russland die Jets aus US-Produktion einsetzt. Laut Bericht der Kyiv Post zerstörte der Kampfjet-Pilot bereits Mitte Dezember die russischen Marschflugkörper „indem er eine Kombination aus Luft-Luft-Raketen und der 20-mm-Kanone des Flugzeugs verwendete“.

„Riskantes“ F-16-Manöver im Ukraine-Krieg: Kampfjet-Pilot schießt Putins Raketen ab

Nach Angaben des ukrainischen Luftwaffenkommandos soll der ukrainische Jetpilot mit den Raketen der F-16 zunächst vier der anfliegenden russischen Marschflugkörper abgeschossen haben. „In einem komplexen und riskanten Manöver nahm er eine Rakete auf, die mit über 650 km/h unterwegs war, und benutzte die Bordkanone, um sie abzufangen“, heißt es in dem Bericht der ukrainischen Zeitung weiter.

Panzer, Drohnen, Luftabwehr: Waffen für die Ukraine

Die Bundeswehr nutzt den Kampfpanzer Leopard in verschiedenen Varianten seit 1979. Bewaffnet mit einer 120-Millimeter-Kanone lassen sich in den jüngeren Modellen von vier Soldaten an Bord Ziele in einer Entfernung bis zu 5000 Metern bekämpfen. Die Ukraine erhält Panzer des Typs Leopard 2 A6. Das 62,5 Tonnen-Gefährt war bei seiner Einführung im Jahr 2001 als verbesserte Variante des A5 etwa mit neuer Hauptwaffe versehen worden. Das Modell A6M verfügt zudem über einen erhöhten Minenschutz.
Der US-Kampfpanzer M1 Abrams gleicht dem Leopard 2 in weiten Teilen. Den M1 Abrams gibt es seit 1980 in mittlerweile drei Hauptvarianten. Seit dem Modell M1A1 ist eine 120-Millimeter-Kanone an Bord. Die vier Insassen werden von einer Stahl-Panzerung vor Angriffen geschützt. Mit 1500 PS kommt der je nach Modell bis zu 74 Tonnen schwere Abrams auf eine Höchstgeschwindigkeit von knapp 68 Kilometern pro Stunde. Anders als der Leopard 2 wird der M1 Abrams über eine Gasturbine mit Kerosin angetrieben.
Die Hauptwaffe der US-amerikanischen Bradley-Schützenpanzer besteht aus einer 25-Millimeter-Maschinenkanone M242 Bushmaster, die zwischen 100 und 200 Schuss pro Minute verschießen kann. Zudem sind die gepanzerten Kettenfahrzeuge, die nach General Omar N. Bardley benannt sind, mit Maschinengewehren des Typs M240 sowie panzerbrechende Raketen ausgestattet. Die Besatzung umfasst bis zu zehn Soldaten: Fahrer, Kommandant, Richtschütze sowie bis zu sieben Soldaten als Infanterietrupp. Der Panzer wurde dafür konzipiert, im Verbund mit Panzerartillerie und Kampfhelikoptern zu operieren.
Beim AMX-10 RC aus Frankreich handelt es sich um einen amphibischen Spähpanzer. Der Panzer wird aufgrund seiner schwereren Panzerung und Bewaffnung hauptsächlich bei der Aufklärung eingesetzt. Ausgestattet ist er mit einer 105-Millimeter-Kanone, wodurch er auch als Panzerjäger verwendet werden kann. Die Besatzung besteht aus mindestens vier Soldaten. Bei einer Gefechtsmasse von 14,2 Tonnen ist der Panzer mit 85 km/h extrem mobil.
Panzer, Drohnen, Luftabwehr: Waffen für die Ukraine

Der Pilot sagte über das Manöver: „Mir wurde klar, dass es kaum eine Chance gab, eine Rakete zu treffen, die mit 650 km/h oder mehr flog. Zuerst musste ich sie am Himmel finden, auf dieselbe Höhe gelangen und sie aus einer Entfernung von höchstens anderthalb Kilometern treffen.“ Dass der Pilot bei dem Manöver eine zweite Rakete erwischt haben soll, davon sei nicht nur er selbst überrascht gewesen.

Rekord-Abschuss im Ukraine-Krieg: „Selbst die Amerikaner konnten nicht glauben, dass er es geschafft hat“

„Sie sagen, selbst die Amerikaner konnten nicht glauben, dass er es geschafft hat“, schrieb der ehemalige Sprecher der ukrainischen Luftwaffe, Yuri Inhat, auf Facebook über den Kampfeinsatz des ukrainischen Kampfflugzeug-Piloten. Lange hatte die Ukraine um die Lieferung der Jets bitten und nach dem Go auf die Lieferung warten müssen. Im Juli meldeten die USA, dass die Nato-Partner nach rund einjähriger Verzögerung mit der F-16-Lieferung begonnen hatten. Anfang August präsentierte Selenskyj die ersten Jets für die Ukraine.

F-16-Kampfjets – hier Flieger aus Rumänien – kommen auch im Ukraine-Krieg zum Einsatz (Symbolbild).

Immer wieder meldet die Ukraine, mit den aus dem Westen gelieferten Jets russische Angriffe abgewehrt zu haben. Bei einem massiven russischen Angriff mit Kampfdrohnen und Raketen im Dezember berichtete Kiew, dass elf Marschflugkörper von F-16-Kampfflugzeugen abgefangen worden. Nach Angaben des ehemaligen Sprechers der ukrainischen Luftwaffe habe sich das Manöver des ukrainischen Piloten im Rahmen dieser Abschüsse abgespielt.

Putins Angriffe mit Drohnen und Raketen: „Einer der größten Angriffe auf unser Energiesystem“

Damals hatte der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj auf Telegram erklärt, dass Moskau mehr als 90 russische Raketen auf Ziele im Land abgefeuert habe. Vor der Raketenattacke am Morgen habe Russland über Nacht zudem knapp 200 Kampfdrohnen eingesetzt. „Das ist einer der größten Angriffe auf unser Energiesystem“, schrieb der Staatschef infolge des russischen Angriffs. Insgesamt habe die Ukraine bei dem Angriff 81 Raketen abgefangen – darunter die Raketen, die der ukrainische Pilot bei seinem F-16-Manöver zerstören konnte.

Infolge der Angriffe hatte Selenskyj im Dezember seine Aufrufe an die westlichen Verbündeten erneuert, mehr Flugabwehrsysteme zu liefern. Auch seien wirksamere Sanktionen gegen Russland nötig. „Erdöl gibt Putin ausreichend Geld, um an die eigene Straflosigkeit zu glauben“, betonte der Präsident laut dpa-Bericht. Auf massive russische Angriffe müsse es eine massive Reaktion geben. „Nur so wird der Terror gestoppt“, unterstrich Selenskyj. (pav mit dpa)

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