CDU/CSU reagiert gespalten

AfD-Verbot: Diskussion in der Union – Merz in der Bredouille?

  • VonMax Nebel
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Die Union diskutiert ein AfD-Verbotsverfahren, nachdem das BfV sie als gesichert rechtsextrem eingestuft hat. Merz’ Position bleibt offen.

Berlin – Die Einstufung der AfD als gesichert rechtsextremistisch durch das Bundesamt für Verfassungsschutz (BfV) hat eine neue Debatte über ein mögliches Verbotsverfahren entfacht. Während CDU-Politiker Marco Wanderwitz die Entscheidung als klaren Wendepunkt sehen, zeigt sich die Unionsfraktion gespalten – und stellt Friedrich Merz vor ein strategisches Dilemma.

AfD gesichert rechtsextrem: Verbots-Debatte in der Union

Marco Wanderwitz (CDU), Mitinitiator eines fraktionsübergreifenden Verbotsantrags, sieht in der BfV-Einstufung eine „neue Lage“. Gegenüber RTL und n-tv betonte er: „Solange die AfD so wirkmächtig ist, […] sei es faktisch unmöglich, die übergroße Zahl der Wählerinnen und Wähler der AfD, auch diejenigen unter ihnen, die kein gesichert rechtsextremistisches Weltbild haben, wieder anzusprechen für demokratische Parteien.“

Die AfD müsse „sozusagen ausgeschaltet werden“. Unterstützung erhält er von Schleswig-Holsteins Ministerpräsident Daniel Günther (CDU), der im Spiegel forderte: „Der Bund muss jetzt zügig ein Verbotsverfahren einleiten, um unsere Demokratie zu schützen.“

Minister unter Merz: Komplette Liste des Kabinetts – von Klingbeil bis zu „neuen Gesichtern“

17 Ministerinnen und Minister, dazu ein Bundeskanzler namens Friedrich Merz: Sie bilden das Kabinett der Koalition aus CDU, CSU und SPD und damit die 25. Bundesregierung Deutschlands.
Fritze Merz Kabinett CDU CSU Minister
Thorsten Frei Kanzleramtsminister Merz Kabinett
Johann Wadephul Außenminister Merz Kabinett
Minister unter Merz: Komplette Liste des Kabinetts – von Klingbeil bis zu „neuen Gesichtern“

Union unter Merz und der Umgang mit der AfD: Zwischen Zurückhaltung und Druck

Die Unionsfraktion reagiert hingegen verhalten. Alexander Throm (CDU), innenpolitischer Sprecher, mahnt gegenüber der Augsburger Allgemeinen zur Analyse: „Wir müssen […] genau prüfen, welche Konsequenzen das im Umgang mit dieser Partei haben kann.“ Auch sächsische CDU-Ministerpräsidenten wie Michael Kretschmer betonen laut Spiegel, die „Auseinandersetzung mit der AfD“ müsse „politisch geführt werden“.

CDU-Chef Friedrich Merz, der in der kommenden Woche zum Kanzler gewählt werden soll, hält sich öffentlich bedeckt. Sein Dilemma: Ein klares Votum für oder gegen ein Verbot könnte die Koalition mit der SPD und darüber hinaus etwaige Zusammenarbeiten mit den Grünen, etwa auf Landesebene, belasten. Während CDU-Generalsekretär Carsten Linnemann nur vage von „keiner Zusammenarbeit“ mit der AfD spricht, drängt der liberale Flügel um Roderich Kiesewetter gemäß dem Tagesspiegel auf ein Verfahren: „Es ist die Pflicht, unsere Verfassung zu verteidigen.“

Die Einstufung der AfD bringt die Union in Zugzwang. Friedrich Merz muss zwischen Koalitionsbündnissen und Parteibasis balancieren.

AfD-Einstufung: Rechtliche Hürden und weitere Konsequenzen

Juristische Bedenken äußert Berlins Justizsenatorin Felor Badenberg (CDU): Ein Verbotsverfahren sei verfrüht, da die AfD wohl Klage gegen die Einstufung einreichen werde – ein Prozess, der Jahre dauern könnte. Unterdessen prüft Hessen unter Innenminister Roman Poseck (CDU) nach Informationen der Bild, ob AfD-Mitglieder im öffentlichen Dienst verbleiben dürfen. Bayern unterstützt den Vorstoß und erwägt zudem den Entzug der Parteienfinanzierung.

Die Entscheidung des BfV hat die Union in eine Zwickmühle gestürzt: Einerseits wächst der Druck von Teilen der Basis und Landesverbänden, andererseits fürchtet die Führung um die Stabilität der Koalition und die Akzeptanz in ostdeutschen Hochburgen. Ob Merz das Thema vor der Kanzlerwahl am Dienstag anspricht, bleibt offen. Klar ist: Ohne die Union wird ein Verbotsantrag kaum Realität – doch die Zeit drängt. (dpa, AFP, chmnn)

Rubriklistenbild: © Foto links: IMAGO / Christian Ender | Foto rechts: IMAGO / Jens Schicke

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