Gegen die Folgen des demografischen Wandels
Aktivrente der CDU: Was bedeutet das für Rentner und Staat?
VonMarkus Hofstetterschließen
Arbeiten im Ruhestand könnte durch einen Steuerbonus attraktiver werden. Die Auswirkungen der Aktivrente wurden nun von einer Unternehmensberatung berechnet.
Berlin - Der demografische Wandel gefährdet den Wohlstand in Deutschland. Immer weniger Erwerbstätige müssen immer mehr Rentner finanzieren, es mangelt an Fachkräfte. Verschiedene Lösungsansätze werden vorgestellt, um diese Entwicklung abzumildern.
Auswirkungen der Aktivrente der CDU: Zusätzliche Wertschöpfung von bis zu 18,8 Milliarden Euro möglich
Ein Lösungsansatz ist die von der CDU propagierte sogenannte Aktivrente. Rentner, die freiwillig weiterarbeiten wollen, sollen bis zu 2000 Euro im Monat steuerfrei hinzuverdienen dürfen. Hintergrund ist, dass bisher Steuern fällig werden, wenn Rente und Hinzuverdienst den Grundfreibetrag übersteigen. Das kann arbeitswillige Rentner davon abhalten, eine Beschäftigung aufzunehmen. CDU-Generalsekretär Carsten Linnemann sagte in einem Interview mit der Frankfurter Allgemeinen Zeitung, so könnten Hunderttausende Rentner aktiviert werden.
Die Prognos AG hat im Auftrag der arbeitgebernahen Initiative Neue Soziale Marktwirtschaft (INSM) untersucht, welche Auswirkungen eine Aktivrente für den Staat und die Rentner haben könnte. Das Fazit der Studie „Aktiv in Rente - Volkswirtschaftliche Effekte steigender Erwerbsquoten von Menschen im Rentenbezug“ ist, dass die zusätzliche Erwerbstätigkeit für eine Wertschöpfung zwischen 3,6 und 18,2 Milliarden Euro sorgen würde.
Auswirkungen der Aktivrente der CDU: Bereits arbeitende Rentner sparen 1,6 Milliarden Euro Steuern
Die Spanne ergibt sich, weil Prognos in Simulationsrechnungen die zu erwartenden volkswirtschaftlichen Auswirkungen in drei Szenarien durchgespielt hat:
- Optimistisches Szenario: mit 300.000 zusätzlichen erwerbstätigen Rentnern bis 2025
- Moderates Szenario: mit 150.000 zusätzlichen erwerbstätigen Rentnern bis 2025
- Pessimistisches Szenario: mit 50.000 zusätzlichen erwerbstätigen Rentnern bis 2025.
Die Mehreinnahmen bei Steuern und Sozialabgaben belaufen sich je nach Szenario auf 1,3 bis 5,2 Milliarden Euro. Dem stehen entgangene Steuereinnahmen der bereits heute tätigen Rentner in Höhe von 1,6 Milliarden Euro gegenüber.
Grundlage dieser Berechnung ist, dass die Erwerbsquote der Rentner in der Altersgruppe zwischen 65 und 69 Jahren laut Statistischem Bundesamt derzeit bei 16,7 Prozent liegt. Bei 4,5 Millionen Menschen in dieser Gruppe entspricht dies 751.000 Erwerbstätigen, von denen wiederum die Hälfte geringfügig beschäftigt ist.
Auswirkungen der Aktivrente der CDU: Erst ab 72.000 zusätzlichen Erwerbstätigen rechnet sie sich für den Staat
Dieser Mitnahmeeffekt durch bereits erwerbstätige Rentner führt dazu, dass sich die Aktivrente für den Staat erst ab einer bestimmten Zahl zusätzlich Beschäftigter rechnet. „Ab einer zusätzlichen Beschäftigung von gut 72.000 Personen profitiert der Staatshaushalt von der Aktivrente“, heißt es dazu in der Untersuchung.
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Die Studie zeigt auch, dass die Aktivrente über die beschäftigten Rentner hinaus 20.000 bis 60.000 Arbeitsplätze sichern oder schaffen könnte. Dies würde den Konsum und die nachgelagerte Wirtschaft stärken.
Auswirkungen der Aktivrente der CDU: Gut für Rentner, Arbeitgeber und dem Staat
„Die Aktivrente wäre ein wichtiger Baustein für zusätzliches Wirtschaftswachstum. Sie müsste in das Sofortprogramm jeder neuen Regierung, weil sie schnell umsetzbar ist und sofort wirkt“, kommentiert INSM-Geschäftsführer Thorsten Alsleben die Studie. Bevor man über die Anhebung des Renteneintrittsalters streite, könnten mit der Aktivrente zunächst freiwillig wichtige Fachkräftepotenziale erschlossen werden. „Das wäre gut für die Rentner, weil sie mehr Kaufkraft haben, es wäre gut für die Arbeitgeber, damit die Fachkräftelücke nicht zu groß wird, und es wäre gut für den Staat, weil er zusätzliche Einnahmen generiert.“
Die Autoren der Studie betonen jedoch, dass die Ergebnisse keine direkten Rückschlüsse auf die Auswirkungen der Aktivrente zulassen. Dabei handele es sich um einen politischen Reformvorschlag, der einen Steuerfreibetrag für erwerbstätige Rentner vorsehe. Da es die Aktivrente (noch) nicht gebe, könnten keine Aussagen über ihre Auswirkungen auf die Erwerbsbeteiligung älterer Menschen gemacht werden.
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