Strategiewechsel vor US-Wahl

Demokraten deutlich angriffslustiger unter Harris: „Alter Trump“ und die „seltsamen“ Republikaner

  • Nail Akkoyun
    VonNail Akkoyun
    schließen

Die Demokraten setzen auf eine neue Strategie für die kommende US-Wahl. Statt moralischer Überlegenheit setzen sie unter Kamala Harris auf Angriff.

Washington, D.C. – Das Attentat auf Donald Trump ist gerade einmal zwei Wochen her, und die Ereignisse in der US-Politik haben sich seitdem überschlagen – mit weitreichenden Konsequenzen. Nicht mehr Amtsträger Joe Biden, sondern dessen Vizepräsidentin Kamala Harris, wird höchstwahrscheinlich bei der anstehenden US-Wahl für die Demokraten antreten. Hin sind die kürzlich noch versprochenen Vorhaben, die Attacken aufeinander einzustellen und sich wieder mehr auf Konstruktives zu konzentrieren.

Bei den Demokraten scheint man sich vor allem auf ein Wort geeinigt zu haben, welches die Republikaner beschreiben soll: seltsam. Die neue Linie wurde erstmals deutlich, als Harris in einer Pressemitteilung auf einen Auftritt von Donald Trump bei Fox News reagierte. „Trump ist alt und ziemlich seltsam?“, lautete darin eine Anmerkung der Harris-Kampagne.

Harris‘ Frage an Trump: „Warum bist du so seltsam?“ – andere Demokraten ziehen mit

Der Satz erinnert an eine frühere Aussage von Harris, als sie einst offenbarte, was sie Trump während einer Debatte fragen würden. „Warum bist du so seltsam?“, falls er sie während eines TV-Duells verfolgen würde, wie er es schon 2016 bei Konkurrentin Hillary Clinton tat.

Auch andere Demokraten haben diese Strategie übernommen. Über die Republikaner sagte der Gouverneur von Minnesota, Tim Walz, in einem Interview mit MSNBC: „Diese Leute auf der anderen Seite sind seltsam […] Sie wollen Bücher wegnehmen, sie wollen mit im Untersuchungszimmer sein. Das ist es, worauf es am Ende hinausläuft, das sind seltsame Ideen.“

Vizepräsidentin Kamala Harris im Weißen Haus. (Archivfoto)

Hawaii-Senator Brian Schatz teilte auf X derweil einen Clip einer Rede von Trumps „Running Mate“ J.D. Vance aus dem Jahr 2021, in dem der Republikaner sagte, dass kinderlose Amerikanerinnen und Amerikaner nicht dasselbe Stimmrecht haben dürften, wie Paare mit Kindern. „Das ist ziemlich seltsam“, so Schatz. „Eine sehr, sehr schlechte Idee, aber auch seltsam“, hieß es weiter. Es erweckt den Eindruck, dass die Demokraten eine Assoziation zwischen den Republikanern und dem Wort geradezu forcieren wollen.

Schluss mit „We go high“: Die Attacken der Demokraten werden schärfer

Die neue Strategie der Demokraten weicht stark von der bisherigen Devise der Partei ab, die von der früheren First Lady Michelle Obama geprägt wurde: „When they go low, we go high“. Geäußert hatte Obama den Satz im Jahr 2016 auf dem Nominierungsparteitag von Hillary Clinton. Wenn die anderen zu Beleidigungen und Desinformation greifen, zeigen wir erst recht, was Anstand ist. Doch mit moralischer Überlegenheit gewinnt man keine Wahlen – das scheinen die Demokraten hinter Harris nun begriffen zu haben.

Bilder einer Karriere: Kamala Harris strebt Präsidentenamt in den USA an

Mit dem Verzicht von Joe Biden auf die Kandidatur der Demokraten rückt seine Stellvertreterin Kamala Harris vor der US-Wahl 2024 in den Fokus.
Nachdem die Demokraten die Vizepräsidentin aufgestellt haben, hat Harris die Chance, als erste Frau in der Geschichte der USA das Präsidentenamt zu übernehmen. Damit wäre sie die mächtigste Frau der Welt.
Harris wurde am 20. Oktober 1964 in Oakland im Bundesstaat Kalifornien geboren. Ihr Vater war aus Jamaika in die USA eingewandert, um Wirtschaft zu studieren. Ihre Mutter, eine 2009 verstorbene Brustkrebsforscherin, kam aus Indien in die USA. Sie kam aus Indien und lernte Harris‘ Vater in den 60er Jahren in den USA kennen. 
Harris und ihre jüngere Schwester Maya wuchsen bei ihrer Mutter auf, zeitweise lebten sie im kanadischen Montreal. „Sie erzog uns zu stolzen, starken Schwarzen Frauen. Und sie hat uns beigebracht, unser indisches Erbe zu kennen und darauf stolz zu sein“, sagte Harris 2020 in einer Rede. Darin betonte sie auch, dass die USA einen Präsidenten brauchten, „der uns alle zusammenbringt – Schwarze, Weiße, Latinos, Asiaten, Indigene – um die Zukunft zu erreichen, die wir gemeinsam wollen“.
Bilder einer Karriere: Kamala Harris strebt Präsidentenamt in den USA an

Caitlin Legacki, eine demokratische Beraterin, erklärte gegenüber ABC News, dass diese neue Herangehensweise effektiver sei. „Ich denke, der Instinkt der Demokraten ist oft, dass, wenn wir nur mit der anderen Seite argumentieren und unsere Politik erklären, die ‚Logik‘ siegen wird – aber so funktioniert die Welt nicht mehr“, sagte Legacki.

In einem Gastbeitrag für die rechtsgerichtete National Review schrieb der ranghohe Republikaner Michael Whatley, dass Donald Trump „der einzige Kandidat“ sei, „der Amerikaner vereinen kann“. Es sei daher wenig überraschend, dass die Demokraten nun versuchen, ihre Strategie zu ändern. (nak)

Rubriklistenbild: © ABACA/Imago