Russische Verluste

„Massenarmee von geringer Qualität“: Russlands Armee leidet unter Verlusten – und buhlt um Rekruten

Teil der Baltischen Flotte: russische Marine-Infanteristen bei einer Übung Anfang März 2022 nahe Kaliningrad.
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Russische Infanteristen bei einer Übung nahe Kaliningrad. Nun scheinen der russischen Armee allmählich die Soldaten auszugehen.
  • Maximilian Kurz
    VonMaximilian Kurz
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Die Verluste Russlands sind im vergangenen Jahr drastisch gestiegen. Moskau ist im Ukraine-Krieg zunehmend auf eine „Massenarmee von geringer Qualität“ angewiesen.

Moskau – Der Ukraine-Krieg entwickelt sich für Russland zunehmend zu einem Blutbad ohne Ende: Um beinahe „300 Menschen pro Tag“ sollen die Verluste der russischen Armee in der Ukraine im Vergleich zum Vorjahr gestiegen sein. Angesichts dieser Entwicklung sprechen Experten von einer „Massenarmee von geringerer Qualität“. Darüber berichten unter anderem Newsweek und die Moscow Times. Doch der Kreml lässt sich nicht schocken - und plant Nachschub.

Ukraine-Krieg: Russland stellt „Massenarme von geringer Qualität“

Dennoch bleiben die Aussichten im Ukraine-Krieg für die Angreifer düster: So könnten die russischen Streitkräfte laut britischen Militärexperten voraussichtlich 500.000 Tote und Verwundete bis Anfang 2025 beklagen. In einer aktuellen Meldung des britischen Verteidigungsministeriums erklärten die Beamten, dass im Jahr 2023, die durchschnittliche Zahl der russischen Opfer (Getötete und Verwundete) in der Ukraine im Vergleich zu 2022 um fast 300 pro Tag gestiegen sind.

Der Bericht kommt zu folgender Einschätzung: „Der von den ukrainischen Behörden gemeldete Anstieg der Tagesdurchschnitte spiegelt mit ziemlicher Sicherheit die Verschlechterung der russischen Streitkräfte und ihren Übergang zu einer Massenarmee mit geringerer Qualität und hoher Quantität seit der ‚Teilmobilisierung‘ der Reservisten im September 2022 wider.“ Immer öfters wurde über schwere Verluste bei den russischen Streitkräften berichtet.

Verluste an der Ukraine-Front: 400.000 neue russische Soldaten für 2024?

Angesichts der Verluste an der Ukraine-Front plant der Kreml nach Informationen der Moscow Times, eine Kampagne zur Rekrutierung von Vertragssoldaten für die russische Armee im Jahr 2024 fortzusetzen. Laut dem Bericht erwarten die Behörden etwa 400.000 Personen innerhalb der russischen Föderation, die sich zum Front-Einsatz in der Ukraine melden.

Das größte Argument, das Menschen in den Krieg lockt, ist das Geld. Während das durchschnittliche Monatsgehalt in Russland etwa 70.000 Rubel (710 Euro) beträgt, beginnt der Lohn für einen Vertragssoldaten bei 204.000 Rubel (2.070 Euro). Ebenso winken verschiedene Boni: Sowohl die Teilnahme an Kampfhandlungen als auch die Eroberung ukrainischer Ausrüstungen oder Stellungen würden mit Extra-Zahlungen belohnt werden. Laut Experten der militärischen Informationsplattform Information Resistance kämen zurzeit etwa 25.000 russische Nachwuchskräfte pro Monat nach

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Freiwillige und Vertragssoldaten an die Front

Der russische Verteidigungsminister Sergej Schoigu erklärte auf einer Konferenz des Verteidigungsministeriums, dass seit Jahresbeginn 490.000 Vertragssoldaten und Freiwillige rekrutiert werden konnten. Freiwillige verfügen bei den russischen Streitkräften über keinen formalen Soldatenstatus und können die Front am Ende ihrer Dienstzeit verlassen. Vertragssoldaten hingegen sind zum Kampf verpflichtet, bis ein formelles Kriegsende verkündet wird.

Der Minister Shoigu verkündete keine näheren Informationen darüber, wie viele Vertragssoldaten sich unter den 490.000 rekrutierten Personen befinden. Nach Angaben des stellvertretenden Vorsitzenden des Sicherheitsrats Dmitri Medwedew macht der Anteil von Freiwilligen etwa 21 Prozent der gesamten Rekrutierten aus. Schätzungen zufolge sollen so seit Jahresbeginn rund 387.000 Personen die Verträge zum Vertragssoldaten unterzeichnet haben.