Bis zu 1,5 Millionen Granaten

Munitions-Lücke der Ukraine plötzlich erstaunlich leicht zu stopfen? Tschechien überrascht alle

  • VonPhilipp Bräuner
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Die ukrainische Armee gerät an der Front zusehends unter Druck, Hilfe aus dem Westen lässt auf sich warten. Tschechien springt im Alleingang in die Bresche.

Prag – Zwischenzeitlich sah es für viele so aus, als würde der Ukraine die Unterstützung ausgehen. Vor allem die schrumpfenden Munitionsbestände der Verteidiger gegen Russland bereiten Kiew Kopfschmerzen. Eine Initiative Tschechiens soll diese Sorgen nun zumindest lindern.

Tschechien will Munitions-Mangel von Ukraine auffangen

Die Rede ist dabei von 800.000 Granaten, die Prag für die ukrainischen Streitkräfte schickt, wie Tschechiens Außenminister Jan Lipavsky in einem Interview mit Bloomberg erklärte. Schon während der Sicherheitskonferenz in München hatte der tschechische Präsident Petr Pavel eine derartige Ankündigung gemacht. „Wir können aber mehr organisieren als die ursprüngliche genannte Zahl“, ergänzte er. Bis zu 1,5 Millionen seien möglich.

Die tschechische Munitionsinitiative kommt für die Ukraine gerade richtig in einer Zeit, in der sie militärisch unter dem Eindruck einer Offensive an der Front gegen Russland zunehmend unter Druck gerät. Und das, obwohl sie den russischen Streitkräften offenbar empfindliche Verluste zufügt.

Rares Gut: Den ukrainischen Streitkräften mangelt es an Munition. Eine Initiative Tschechiens soll nun Abhilfe schaffen.

Munitions-Deals von Tschechien halten Unterstützung für Ukraine hoch

Doch während im Osten gekämpft wird, wird im Westen gestritten. Ein Milliarden-Hilfspaket der USA hängt noch immer im Kongress fest. In Europa herrscht bei Fragen der Verteidigung anhaltende Uneinigkeit. Und schließlich hält die EU ihre Zusage von einer Million Artillerie-Granaten bis Ende März nicht ein, da sie bisher gerade einmal die Hälfte geliefert hat.

Vor diesem Hintergrund gibt die Herkunft der von den Tschechen herbeigebrachten Munitionsreserven reichlich Stoff für Spekulationen. Denn die von der tschechischen Regierung beauftragten Beamten halten streng geheim, wo sie die Waffen „gefunden“ haben. Gegenüber der tschechischen Wochenzeitung Respekt verriet einer der Beteiligten nur, sie kämen aus Staaten, die sich entweder im Ukraine-Krieg neutral verhielten oder sich nicht offen gegen Russland wenden wollten.

Panzer, Drohnen, Luftabwehr: Waffen für die Ukraine

Die Bundeswehr nutzt den Kampfpanzer Leopard in verschiedenen Varianten seit 1979. Bewaffnet mit einer 120-Millimeter-Kanone lassen sich in den jüngeren Modellen von vier Soldaten an Bord Ziele in einer Entfernung bis zu 5000 Metern bekämpfen. Die Ukraine erhält Panzer des Typs Leopard 2 A6. Das 62,5 Tonnen-Gefährt war bei seiner Einführung im Jahr 2001 als verbesserte Variante des A5 etwa mit neuer Hauptwaffe versehen worden. Das Modell A6M verfügt zudem über einen erhöhten Minenschutz.
Der US-Kampfpanzer M1 Abrams gleicht dem Leopard 2 in weiten Teilen. Den M1 Abrams gibt es seit 1980 in mittlerweile drei Hauptvarianten. Seit dem Modell M1A1 ist eine 120-Millimeter-Kanone an Bord. Die vier Insassen werden von einer Stahl-Panzerung vor Angriffen geschützt. Mit 1500 PS kommt der je nach Modell bis zu 74 Tonnen schwere Abrams auf eine Höchstgeschwindigkeit von knapp 68 Kilometern pro Stunde. Anders als der Leopard 2 wird der M1 Abrams über eine Gasturbine mit Kerosin angetrieben.
Die Hauptwaffe der US-amerikanischen Bradley-Schützenpanzer besteht aus einer 25-Millimeter-Maschinenkanone M242 Bushmaster, die zwischen 100 und 200 Schuss pro Minute verschießen kann. Zudem sind die gepanzerten Kettenfahrzeuge, die nach General Omar N. Bardley benannt sind, mit Maschinengewehren des Typs M240 sowie panzerbrechende Raketen ausgestattet. Die Besatzung umfasst bis zu zehn Soldaten: Fahrer, Kommandant, Richtschütze sowie bis zu sieben Soldaten als Infanterietrupp. Der Panzer wurde dafür konzipiert, im Verbund mit Panzerartillerie und Kampfhelikoptern zu operieren.
Beim AMX-10 RC aus Frankreich handelt es sich um einen amphibischen Spähpanzer. Der Panzer wird aufgrund seiner schwereren Panzerung und Bewaffnung hauptsächlich bei der Aufklärung eingesetzt. Ausgestattet ist er mit einer 105-Millimeter-Kanone, wodurch er auch als Panzerjäger verwendet werden kann. Die Besatzung besteht aus mindestens vier Soldaten. Bei einer Gefechtsmasse von 14,2 Tonnen ist der Panzer mit 85 km/h extrem mobil.
Panzer, Drohnen, Luftabwehr: Waffen für die Ukraine

Ähnlich wie die Herkunft der Munition ist auch ihre Finanzierung bisher weitestgehend geklärt. Zwar hatten Berichten zufolge insgesamt 18 Staaten das Vorhaben begrüßt, außer Kanada ausschließlich aus Europa. Wer wie viel an finanzieller Unterstützung letztendlich dazu gibt, ist aber noch nicht endgültig klar. Immerhin sprach Bundesverteidigungsminister Boris Pistorius (SPD) jüngst davon, Geld für 180.000 Artilleriegranaten beisteuern zu wollen. Wie viel genau, ließ er dabei offen. (pkb)

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