Robert F. Kennedy
Auch Trump beteiligt sich an Kennedys Untersuchung der Autismus-„Epidemie“
- VonDayan Djajadisastraschließen
US-Gesundheitsminister Robert F. Kennedy Jr. nennt die Ausbreitung von Autismus eine „Epidemie“ und kündigt weitreichende Forschung an.
Washington D.C. – Die Verbreitung von Autismus in den USA hat nach Ansicht von Gesundheitsminister Robert F. Kennedy Jr. das Ausmaß einer „Epidemie“ erreicht. In einer Kabinettssitzung unter Leitung von US-Präsident Donald Trump erklärte Kennedy am Donnerstag (10. April), dass er nun mit einem „gewaltigen Untersuchungs- und Forschungsaufwand“ die Ursachen des Anstiegs untersuchen lassen wolle, wie die Nachrichtenagentur AFP berichtet.
Kennedy, der in der Vergangenheit wiederholt die widerlegte Theorie vertrat, Impfungen führten zu Autismus, kündigte an, dass bis September klar sein werde, was die „Autismus-Epidemie“ verursacht habe. „Wir werden in der Lage sein, diese Gefahren zu eliminieren“, sagte er.
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Autismus-Debatte: Kennedy gibt wahllose Zahlen als Quelle an
Der neue US-Gesundheitsminister begründete die Untersuchung mit der dramatischen Zunahme der Autismusfälle in den vergangenen Jahrzehnten. Ohne eine Quelle zu nennen, behauptete er, die Autismusrate liege „nach unseren aktuellsten Zahlen bei etwa einem von 31 Menschen“.
Im Vergleich dazu sagte er, als er ein Kind war, habe sie noch bei „einem von 10.000“ gelegen. Laut AFP gibt die CDC, die US-Gesundheitsbehörde, jedoch an, dass heute eines von 36 Kindern in den USA Autismus hat, während die Häufigkeit bei den 1992 geborenen Kindern noch bei 1 zu 150 lag.
US-Präsident Donald Trump mischt sich in Autismus-Debatte ein
Auch US-Präsident Donald Trump meldete sich zur Debatte: Es sei eine furchtbare Statistik und es müsse dort draußen etwas Künstliches geben, das dafür verantwortlich sei, sagte er. Er spekulierte, dass die Ursache entweder in bestimmten Nahrungsmitteln oder möglicherweise in Impfungen liegen könnte. „Wir werden alles untersuchen. Alles kommt auf den Tisch – unser Ernährungssystem, unser Wasser, unsere Luft. Wir werden herausfinden, was diese Epidemie auslöst“, zitiert das amerikanische Medium ABC News Kennedy.
Autismus ist eine Störung der Informations- und Wahrnehmungsverarbeitung. Es beeinflusst vor allem soziale Kontakte und die Kommunikationsfähigkeit. Es gibt jedoch bis heute keine allgemein anerkannte Erklärung der Ursachen autistischer Störungen. Eine weltweite Untersuchung aus dem Jahr 2022, die den steigenden Zahlen nachging, nannte unter anderem ein wachsendes Bewusstsein für Autismus und verbesserte Diagnostik als Ursachen. Auch das zunehmende Alter der Eltern wurde als Risikofaktor identifiziert. Trumps enger Berater, Elon Musk, hatte 2021 öffentlich gemacht, dass er unter dem Asperger-Syndrom leide, einer Form des Autismus.
Robert F. Kennedy fiel immer wieder durch Verschwörungstheorien auf
Kennedy ist in den letzten Jahren vor allem durch Verschwörungstheorien aufgefallen. So behauptete er, WLAN verursache Krebs und Chemikalien in der Umwelt machten Kinder zu Transgendern. Besonders umstritten ist seine Haltung zu Impfungen. Trotz der mehrfach widerlegten Verbindung zwischen Impfungen und Autismus warf er den Behörden wiederholt vor, die Gefahren von Impfstoffen zu verschweigen.
Jüngst empfahl er jedoch angesichts von Masern-Ausbrüchen in den USA den Kombinationsimpfstoff gegen Mumps-Masern-Röteln als „wirksamste Weise“, die Ausbreitung der Viruserkrankung zu stoppen, wie mehrere amerikanische Medien berichteten. Anfang April und Ende Februar starben zwei ungeimpfte Kinder an den Masern in Texas. Erst danach hatte Kennedy seine Meinung zu Masern-Impfungen revidiert. (dadj mit AFP)
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