Medikamentenmangel

7 Produkte, bei denen Deutschland ohne das Ausland aufgeschmissen wäre

  • Jana Stäbener
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Frankreich will bei Medikamenten weniger abhängig von China werden. Auch Deutschland ist bei vielen Produkten auf die Versorgung aus anderen Ländern angewiesen.

Die Abhängigkeit Deutschlands am Außenhandel ist groß– laut Zahlen des Statistischen Bundesamts importierte Deutschland im Jahr 2022 Waren im Wert von über 300 Milliarden Euro, während die Exporte bei rund 260 Milliarden Euro lagen. Wichtigstes Handelspartnerland ist China, von wo 2023 Waren im Wert von rund 192 Milliarden Euro importiert wurden.

Doch in welchen Bereichen ist Deutschland eigentlich von anderen Ländern abhängig? Hier sieben Produkte, bei denen wir ohne Importe wohl aufgeschmissen wären.

1. Medikamente

Ein Apotheker holt eine Medikamentenverpackung aus einer Schublade in einer Apotheke.

In den vergangenen Monaten kam es immer wieder zu Medikamenten-Engpässen, zum Beispiel bei Antibiotika, die heute vor allem in Indien und China hergestellt werden. Um solche Medikamentenengpässe in Zukunft vorzubeugen, will Frankreich verstärkt auf die Produktion im eigenen Land setzen. Für etwa 50 essenzielle Medikamente, bei denen man stark von Importen aus nicht-europäischen Ländern abhängig sei, wolle man die Herstellung nach Frankreich verlegen, sagte Frankreichs Präsident Emmanuel Macron am Dienstag, 13. Juni 2023.

Auch Deutschland, das pharmazeutische und ähnliche Erzeugnisse 2022 im Wert von rund 83 Milliarden Euro importierte, will mit Neuregelungen gegen Lieferengpässe vorgehen. Pläne von Bundesgesundheitsminister Karl Lauterbach (SPD) sehen vor, Herstellern zu ermöglichen, höhere Abgabepreise für Kindermedikamente in Deutschland zu verlangen, sodass sich Lieferungen nach Deutschland mehr lohnen. Grundsätzlich ist bei wichtigen Medikamenten auch eine Pflicht zur mehrmonatigen Lagerhaltung vorgesehen. Bei Antibiotika sollen Hersteller, die Wirkstoffe in Europa produzieren, stärker zum Zug kommen.

Mehr zum Thema: Was bedeuten Karl Lauterbachs Pläne für die digitale Patientenakte für queere Menschen?

2. Elektronische Geräte

Laptops, Smartphones und Co. stammen meist aus China.

Bei einigen Produktgruppen ist die deutsche Wirtschaft besonders abhängig von China, schreibt das Institut für Weltwirtschaft (IfW). Dazu gehören Laptops (Importanteil 2021 80 Prozent) und Mobiltelefone (68 Prozent).

3. Halbleiter in Computerchips

Ein geöffnetes Smartphone liegt vor einer LED-Wand, die einen Chip zeigt.

Nicht von China, dafür von Taiwan ist Deutschland wie viele andere beim Thema „Halbleiter“ abhängig. Deswegen ist Taiwan so wichtig für die Weltwirtschaft, und ein Konflikt zwischen China und Taiwan hätte enorme Auswirkungen. Denn Halbleiter sind Hauptbestandteile von Mikrochips, die in fast allen technischen Geräten stecken. Von Smartphones, Laptops (siehe oben) bis Autos, Fernseher und Waffen stecken die Chips in fast allem.

Um Abhängigkeiten abzubauen, wollen die USA und EU neue Chipfabriken bauen. Letztere stellt dafür ganze 43 Milliarden Euro zur Verfügung.

4. Textilprodukte

Viele Klamotten und Stoffe importiert Deutschland aus dem Ausland.

Deutschland ist nicht nur richtig gut darin, Altkleider zu exportieren (ein Grund von sieben, warum Kleider spenden echt problematisch ist), sondern laut Bundesministerium für Wirtschaft und Klimaschutz (BMWK) auch beim Import von Textilien der viertbeste (hinter den USA, Vietnam und China). Daten des IfW zeigen, dass der Importanteil Deutschlands bei sogenannten „Spinnstoffwaren“ 2021 bei 69 Prozent lag. Laut Statistischem Bundesamt importierte Deutschland 2022 Bekleidung und Textilien im Wert von rund 57 Milliarden Euro.

5. Erdöl, Erdgas und Kohle

Bei der Energieversorgung ist Deutschland von Erdöl, Erdgas und Kohle aus anderen Ländern abhängig.

Erdöl, Erdgas und Kohle importierte Deutschland 2022 im Wert von etwa 13 Milliarden Euro. Der Ukraine-Krieg und die Sanktionen gegen Russland zeigten, wie abhängig wir von russischem Gas waren. Der Import von russischem Erdöl und Erdgas ging von 2,2 Milliarden Euro im Februar 2022 auf nur noch 4,2 Millionen Euro im Februar 2023 zurück (-99,8 Prozent), der Import von Kokerei- und Mineralölerzeugnissen sank von 353 Millionen Euro auf 30 Millionen Euro (-91,4 Prozent), die Kohleimporte nahmen von 347 Millionen Euro auf 26 Millionen Euro ab (-92,5 Prozent). Dafür geht Deutschland nun beispielsweise eine Energiepartnerschaft mit Katar ein.

6. Seltene Erden, Erze und Metalle

Das Erz Coltan (auch Koltan), dessen Hauptlagerstaette in Zentralafrika liegt und aus dem vorrangig das Metall Tantal (Ta) gewonnen wird.

Besonders abhängig ist Deutschland von anderen Ländern bei Rohstoffen wie mineralischen Rohstoffen wie seltenen Erden, die in Erzvorkommen zu finden sind und Metallen. Sie werden für die Autoindustrie, für die Energiewende und die Digitalisierung gebraucht, warnt der BDI-Präsident Siegfried Russwurm auf dem Rohstoffkongress, wie die Deutsche Welle berichtet. China habe auf den Abbau seltener Erden ein Monopol, was im technologischen Wandel zum Problem werden könnte.

7. Landwirtschaftserzeugnisse

Landwirtschaft spielt für die deutsche Wirtschaft eine untergeordnete Rolle – viele Lebensmittel werden aus dem Ausland importiert.

Deutschland importierte 2022 Erzeugnisse der Land­wirtschaft und Jagd im Wert von 37 Milliarden Euro. Kein Wunder, denn der Anteil der Landwirtschaft am deutschen Bruttoinlandsprodukt (BIP) liegt bei nur etwa 0,8 Prozent. Für den Anbau von Nahrungsmitteln werden in Deutschland weniger Felder genutzt, als noch im Jahr 2000. Gleichzeitig stieg die Anzahl der Flächen im Ausland, auf denen Ernährungsgüter angebaut werden, die anschließend nach Deutschland importiert werden. „Deutschland ist abhängig von Agrarfeldern im Ausland“, titelt die Welt 2013 zu dieser Thematik.

Diese Liste ist nicht chronologisch geordnet und hat keinen Anspruch auf Vollständigkeit*

Apropos Landwirtschaft: Hier berichtet eine Bäuerin vom Hass, der ihr entgegenschlägt.

(Mit Material der dpa)

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