Baerbock trifft Fidan
Erdogan hetzt gegen den Westen und schickt seinen Außenminister nach Berlin
VonErkan Pehlivanschließen
Der türkische Präsident hetzt immer wieder gegen den Westen. Außenministerin Annalena Baerbock traf am Donnerstag dennoch ihren türkischen Amtskollegen Hakan Fidan.
Berlin – Es sind schwierige Zeiten für den türkischen Präsidenten Recep Tayyip Erdogan. Der Mann, der sich gerne als Führer der islamischen Welt sieht, kann sich im Nahen Osten angesichts des Gaza-Krieges kein Verhör schaffen. Umso mehr hetzt er seit dem Überfall der Terrororganisation Hamas am 7. Oktober gegen den Westen, der Schuld an der Eskalation der Situation im Nahen Osten sein soll.
„Der Westen ist der Hauptverantwortliche für das Massaker in Gaza“, stellte Erdogan bei seiner Rede auf der großen Palästina-Demo in Istanbul klar. „Die Tatsache, dass sie versuchen, ihre volle Unterstützung für Kindermörder mit Begriffen wie Demokratie, Menschenrechte und Gerechtigkeit zu verbergen, ist eine weitere Komödie.“
Erdogan nennt Westen wegen Israel-Position heuchlerisch
Auch wirft der türkische Präsident dem Westen „Heuchelei“ und „Doppelmoral“ vor. „Gestern haben diejenigen, die Krokodilstränen für die im ukrainisch-russischen Krieg massakrierten Zivilisten vergossen haben, heute schweigend dem Tod tausender unschuldiger Kinder zugesehen. Warum habt ihr Tränen für die Toten in der Ukraine vergossen, aber ihr schweigt zu den Toten in Gaza? O Westen, ich wende mich an dich, willst du wieder eine Kreuzzug-Intervention durchführen?“
In der vergangenen Woche sagte er vor Anhängern seiner islamisch-konservativen Partei AKP in Ankara auch: „Hamas ist keine Terrororganisation, sondern eine Befreiungs- und Mudschaheddin-Gruppe, die für den Schutz ihres Landes und ihrer Bürger kämpft.“
Erdogan kann Stimmung in deutschen Straßen aufheizen – Baerbock trifft Fidan
Von deutscher Seite gab es in früheren Jahren schon die Befürchtung, Erdogan könne mit aggressiver Rhetorik auch zu Spannungen innerhalb Deutschlands beitragen – teils im Rahmen des eigenen Wahlkampfes. Am 18. November spielen im Berliner Olympiastadion die Fußballnationalmannschaften von Deutschland und der Türkei gegeneinander.
Auch die Situation zwischen Deutschland und der Türkei ist schwierig. Bundeskanzler Olaf Scholz (SPD) und auch Außenministerin Annalena Baerbock (Grüne) hatten nach dem Wahlsieg von Erdogan im Mai einen Neuanfang angedeutet. Doch war aber bislang kaum etwas zu sehen. Die deutsche Außenministerin kam am Donnerstag (2. November) mit ihrem türkischen Amtskollegen Hakan Fidan bei der Ministerkonferenz zur EU-Erweiterung und Reform in Berlin zusammen.
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Türkei: Kein EU-Beitritt wegen rechtsstaatlicher Defizite
Mit der Türkei gab es bereits lange Beitrittsverhandlungen. Wegen rechtsstaatlicher Defizite liegen diese allerdings seit Jahren auf Eis. Baerbock sagte bei der Konferenz, hier seien „ebenfalls substanzielle Reformen der Knackpunkt“.
Fidan sagte, es sei mehr als 50 Jahre her, dass sein Land den Antrag auf eine Mitgliedschaft gestellt habe. Die Perspektive der Türkei dazu habe sich nicht geändert. Zur Reform- und Erweiterungsdiskussion der EU wolle man einen konstruktiven Beitrag leisten. Das könnte jedoch schwierig werden. Nach dem Putschversuch im Jahr 2016 wurden hunderttausende Menschen aus politischen Gründen verhaftet. Dutzende Journalisten sitzen in den türkischen Gefängnissen und immer wieder kommt es in dem Land zu Massenverhaftungen. Doch ohne Achtung der Menschenrechte will die EU die Türkei nicht in ihre Gemeinschaft aufnehmen. (erpe/dpa)
