Ukraine-Konflikt

Russische Medien verbreiten falsche Behauptungen über ukrainische Nazis

Nicht nur Basilius Kathedrale (l.) und der Kreml mit dem Erlöserturm auf dem Roten Platz in Moskau ziehen jährlich Millionen Touristen ins Land. Das russische Verkehrsministerium plant nun, nur noch russische Reiseinformationen anzubieten. In der U-Bahn in Moskau wird das schon seit 2021 umgesetzt.
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Im Ukraine-Krieg setzt der Kreml auf Propaganda. Russische Medien verbreiten falsche Behauptungen über ukrainische Nazis. (Symbolbild)
  • Helena Gries
    VonHelena Gries
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Putins Aussagen, die Ukraine sei von gefährlichen Nazis bevölkert und der Krieg sei eine „Entnazifizierungsmission“, sind zu zentralen Themen der Kreml-Propaganda geworden.

Moskau/Kiew – Vor rund vier Monaten hat Russland die Ukraine angegriffen. Der Ukraine-Krieg begann. Als Argument für den russischen Angriffskrieg hatte Wladimir Putin den Kampf gegen Nazis in der Ukraine angeführt. Da die Regierung und Kultur der Ukraine von gefährlichen Nazis bevölkert sei, stelle der Ukraine-Konflikt eine „Entnazifizierungsmission“ dar, so Putin.

Wie die New York Times jetzt berichtet, hat ein Unternehmen für Verteidigungsanalysen Datensätze von fast acht Millionen russischen Artikeln über die Ukraine ausgewertet, die seit 2014 auf mehr als 8000 russischen Websites gesammelt wurden. Die Ergebnisse sind eindeutig.

Ukraine-Konflikt: Nazi-Verweise in russischen Medien nehmen seit Kriegsbeginn zu

Acht Jahre lang seien die Verweise auf den Nationalsozialismus in der Ukraine in den russischen Medien demnach relativ unspektakulär gewesen. Am 24. Februar, als Russland in die Ukraine einmarschierte, erreichten die Nazi-Verweise jedoch einen beispiellosen Höhepunkt. Seitdem seien sie hoch geblieben.

Der Ukraine-Krieg in Bildern – Zerstörung, Widerstand und Hoffnung

Der Krieg Russlands gegen die Ukraine hat am 24. Februar 2022 begonnen. Im November konnten die ukrainischen Streitkräfte die Stadt Cherson befreien. Doch für die Menschen vor Ort ist die Lage noch immer katastrophal. Es gibt weder Strom noch fließendes Wasser. Hier kämpfen sie um die Verteilung von Hilfsgütern im Zentrum der Stadt.
Am 24. Februar beginnt Russland mit dem Angriffskrieg auf die Ukraine. Die Stadt Tschuhujiw wird bereits am ersten Tag des Krieges bombardiert. Helena, eine 53 Jahre alte Lehrerin, steht dort vor einem Krankenhaus.
Das „Z“ findet sich, wie hier am Kontrollpunkt Perekop nahe der Halbinsel Krim, auf nahezu allen Militärfahrzeugen der russischen Armee. Es wird im weiteren Verlauf zum Symbol für den Überfall Russlands auf die Ukraine.
Zu Beginn des Ukraine-Kriegs kommt es wie hier in Moskau in zahlreichen Städten Russlands zu Demonstrationen. Die Staatsmacht im Kreml geht mit aller Härte gegen die Teilnehmenden vor. Tausende Personen werden verhaftet.
Der Ukraine-Krieg in Bildern – Zerstörung, Widerstand und Hoffnung

Die Daten des Unternehmens Semantic Visions umfassen Berichten der New York Times zufolge neben Tausenden kleinerer russischer Websites und Blogs auch große russische staatliche Medien. Sie geben einen Überblick über das Vorgehen Russlands, mittels Propaganda das Kriegsgeschehen in der Ukraine zu rechtfertigen. Indem die Ukraine fälschlicherweise als von Rechtsextremisten überrannt dargestellt wird, will Russland die Unterstürzung des eigenen Volkes aufrechterhalten.

Die falschen Behauptungen über die Ukraine haben Untersuchungen zufolge in den staatlichen Medien begonnen, kleinere Nachrichtenseiten haben die Botschaften jedoch zusätzlich verstärkt und die Meinung vieler Russinnen und Russen in Bezug auf die Ukraine verändert. Dies wird auch in sozialen Medien deutlich. Wie die New York Times berichtet, zeigen von Zignal Labs bereitgestellte Social-Media-Daten einen Anstieg der Verweise auf den Nationalsozialismus in russischsprachigen Tweets, der dem Anstieg in den russischen Nachrichtenmedien entspricht.

Ukraine-Krieg: Russische Medien verbreiten falsche Behauptungen über Nazis in der Ukraine

Russische Medien hätten zudem fälschlicherweise behauptet, dass ukrainische Nazis Mitmenschen, die nicht im Krieg kämpfen wollen, als menschliche Schutzschilde benutzen, ukrainische Zivilisten töten und einen Völkermord an Russen planen. Fachleute sind der Meinung, dass der Kreml mit dieser Strategie auf einen schnellen Sturz der ukrainischen Regierung hoffe.

Laut Jeffrey Veidlinger hängt das russische Verständnis des Nationalsozialismus von der Vorstellung von Nazideutschland als Antithese zur Sowjetunion ab und nicht von der Verfolgung von Juden. „Deshalb können sie einen Staat, der einen jüdischen Präsidenten hat, einen Nazi-Staat nennen, und das erscheint ihnen gar nicht so widersprüchlich“, sagte der Professor für Geschichte und Judaistik an der Universität von Michigan Berichten der New York Times zufolge. (hg)